Tiroler Landesarchiv nach Modernisierung fit für die Zukunft

Nach Abschluss umfangreicher Bau- und Modernisierungsarbeiten präsentiert sich das Tiroler Landesarchiv als modernes Zentrum zur Bewahrung und Erforschung der Tiroler Geschichte. Mit der baulichen und technischen Erneuerung wurden die Voraussetzungen geschaffen, um mehr als 1.000 Jahre Landesgeschichte langfristig zu sichern und gleichzeitig zeitgemäß zugänglich zu machen.

Herzstück des modernisierten Gebäudekomplexes ist der neue Lesesaal, der als schwebende Holzkonstruktion architektonisch die historischen Bestandsgebäude mit den neu errichteten Speicherbauten verbindet. Für Tirols Landeshauptmannstellvertreter und Hochbaureferenten Philip Wohlgemuth steht dabei vor allem die Verbindung von Bewahrung und Offenheit im Mittelpunkt: Geschichte müsse nicht nur geschützt, sondern auch für die Menschen zugänglich gemacht werden.

Jährlich wächst der Bestand des Tiroler Landesarchivs um rund 350 bis 400 Laufmeter Archivgut. Insgesamt lagern inzwischen mehr als 30.000 Laufmeter an historischen Dokumenten, darunter Urkunden, Handschriften, Akten, Karten sowie Nachlässe, Vereins-, Adels- und Firmenarchive.

Im Zuge des Bauprojekts wurden neben dem neuen Lesesaal auch ein modernes Speichergebäude errichtet, bestehende Depotbereiche saniert und die technische Infrastruktur umfassend erneuert. Dem Archiv stehen nun rund 11.600 Quadratmeter Nutzfläche für Archiv-, Arbeits- und Verwaltungsbereiche zur Verfügung. Der neue Speicherbau erstreckt sich über drei Untergeschoße sowie das Erdgeschoß.

Eine besondere Herausforderung während der Bauphase bestand darin, den laufenden Betrieb des Landesarchivs durchgehend aufrechtzuerhalten. Laut Gerhard Wastian, Vorstand der Abteilung Hochbau, mussten die Arbeiten Schritt für Schritt im Bestand umgesetzt werden, ohne die Nutzung des Archivs einzuschränken.

Großes Augenmerk wurde auf moderne Klima-, Lüftungs- und Brandschutztechnik gelegt, um optimale Bedingungen für die langfristige Erhaltung historischer Quellen sicherzustellen. Gleichzeitig wurden Arbeitsabläufe verbessert und die Barrierefreiheit weiter ausgebaut.

Auch personell steht das Tiroler Landesarchiv vor einem Wandel: Landesarchivdirektor Christoph Haidacher verabschiedet sich mit Ende Juni in den Ruhestand. Seine Nachfolgerin Gertraud Zeindl kündigte an, künftig verstärkt auf digitale Archivierung zu setzen, um Tirols Geschichte auch für kommende Generationen langfristig zugänglich zu machen.

Das Tiroler Landesarchiv versteht sich dabei nicht nur als wissenschaftliche Einrichtung, sondern auch als offenes Haus für die Öffentlichkeit. Bürgerinnen und Bürger können die Angebote kostenlos nutzen – sei es für Ahnen- und Familienforschung oder wissenschaftliche Recherchen. Der neue Lesesaal bietet darüber hinaus Raum für Veranstaltungen wie Vorträge, Podiumsdiskussionen und Buchpräsentationen.

Im Bild v.l: Anton Gomig (Abt. Hochbau), Christoph Reich und Clemens Waltl (PRW ARCHITEKTEN), Bischof Hermann Glettler, Gertraud Zeindl und Christoph Haidacher (Tiroler Landesarchiv), LHStv. Philip Wohlgemuth, Wastian Gerhard (Abt. Hochbau) und HF Thomas Hutter/© Land Tirol