Wie kann Inklusion in Schule und Arbeitswelt besser gelingen? Und wie lässt sich der zunehmende Fachkräftemangel im Sozialbereich bekämpfen? Mit diesen Fragen hat sich die neue Führungsspitze des Dachverbands für Soziales und Gesundheit bei einem Antrittsbesuch mit Landesrat Philipp Achammer in Bozen beschäftigt.
Das Treffen zwischen Dachverbands-Präsidentin Roberta Rigamonti, ihrem Stellvertreter Richard Stampfl, Direktor Günther Sommia, Ausschussmitglied Veronika Pfeifer und dem Landesrat verlief laut Teilnehmern in einer offenen und konstruktiven Atmosphäre. Im Mittelpunkt standen dabei zentrale sozial- und bildungspolitische Herausforderungen, die viele Familien und Einrichtungen in Südtirol täglich beschäftigen.
Besonders intensiv diskutiert wurde die Situation von Menschen mit Behinderungen beim Übergang von der Schule in die Arbeitswelt. Trotz verschiedener Unterstützungsangebote gebe es hier nach wie vor große Hürden für Betroffene und ihre Familien. Einig zeigte man sich darüber, dass die Zusammenarbeit zwischen Schulen, Sozial- und Gesundheitsdiensten sowie Arbeitgebern deutlich verbessert werden müsse.
Landesrat Achammer unterstützte laut Dachverband ausdrücklich die Forderung nach einem stärker strukturierten Prozess und schlug vor, gemeinsam ein konkretes Projekt auszuarbeiten. Der Dachverband und seine Mitgliedsorganisationen sollen dabei aktiv eingebunden werden.
Ein weiteres zentrales Thema war die Inklusion im Schulalltag. Dabei wurde betont, dass Inklusion nicht allein Aufgabe einzelner Fachpersonen oder Integrationslehrkräfte sein dürfe. Vielmehr müsse sie von allen Lehrkräften als selbstverständlicher Bestandteil pädagogischer Arbeit verstanden und gelebt werden.
Entscheidend sei dabei auch die Haltung der Schulführungskräfte. Nur wenn Schulleitungen Inklusion aktiv mittragen und fördern, könne sie im gesamten Unterricht verankert werden. Als problematisch wurde in diesem Zusammenhang geschildert, dass Kinder mit Behinderungen häufig vorzeitig vom Unterricht abgeholt werden müssten, wenn eine vollständige Teilnahme am Schulalltag nicht mehr möglich sei. Für viele Familien bedeute dies eine zusätzliche Belastung.
Auch der zunehmende Personalmangel im Sozial- und Gesundheitsbereich war Thema des Gesprächs. Der Dachverband zeigte sich besorgt darüber, dass sich immer weniger junge Menschen für soziale Berufe entscheiden. Um gegenzusteuern, müsse bereits in den Schulen stärker über die Chancen und Perspektiven sozialer Berufe informiert werden.
Als mögliches Modell wurde unter anderem vorgeschlagen, das Konzept des Kaiserhofes auch auf den Sozialbereich auszuweiten. Junge Menschen könnten dadurch die Matura absolvieren und gleichzeitig praxisnahe Einblicke in soziale Berufe erhalten, ohne sich frühzeitig auf einen einzigen Berufsweg festlegen zu müssen.
Darüber hinaus forderte der Dachverband einen leichteren Zugang zu Praktika und Sommervolontariaten im Sozialbereich. Derzeit seien die verfügbaren Plätze begrenzt, obwohl gerade praktische Erfahrungen für viele Jugendliche entscheidend seien, um Interesse an sozialen Berufen zu entwickeln.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Flexibilisierung von Ausbildungswegen. Menschen, die über den zweiten Bildungsweg in soziale Berufe einsteigen möchten, sollten laut Dachverband möglichst wenige bürokratische Hürden vorfinden. Wichtig sei vor allem, Ausbildung, Familie und Beruf besser miteinander vereinbaren zu können.
Das Treffen machte deutlich, dass die Herausforderungen im Sozial- und Bildungsbereich zunehmend komplexer werden. Gleichzeitig zeigte sich aber auch der gemeinsame Wille, neue Lösungen zu entwickeln — insbesondere dort, wo Inklusion, Fachkräftesicherung und soziale Teilhabe unmittelbar zusammenhängen.
Im Bild v.l.n.r.: Günther Sommia (Dachverband-Direktor), Ausschussmitglied Veronika Pfeifer, Präsidentin Roberta Rigamonti, Landesrat Philipp Achammer und Vizepräsident Richard Stampfl