Holocaust-Überlebende Rozette Kats sprach erstmals in Österreich über ihre Geschichte

Großes Interesse herrschte beim Zeitzeuginnengespräch mit der niederländischen Holocaust-Überlebenden Rozette Kats im Innsbrucker Landhaus. Die Veranstaltung unter dem Titel „Damals hieß ich Rita“ war innerhalb kürzester Zeit ausgebucht, rund 100 Besucherinnen und Besucher nahmen daran teil. Erstmals sprach Kats in Österreich öffentlich über ihre Kindheit im Versteck, die Ermordung ihrer Familie und die jahrzehntelange Aufarbeitung ihrer eigenen Geschichte.

Die 1942 in Amsterdam geborene Kats musste als jüdisches Kind während der Zeit des Nationalsozialismus untertauchen. Um ihr Leben zu retten, wurde sie bei einem niederländischen Ehepaar versteckt und erhielt dort den Namen „Rita“. Ihre Eltern sowie ihr kleiner Bruder wurden hingegen nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.

Die Veranstaltung fand im Rahmen der Initiative Tirol erinnert sowie des Begleitprogramms zur Ausstellung Leokadia Justman. Brechen wir aus! statt. Organisiert wurde das Zeitzeuginnengespräch in Zusammenarbeit mit dem ERINNERN:AT-Programm des OeAD und der Pädagogische Hochschule Tirol.

Inhaltlich knüpfte der Abend eng an das Schicksal von Leokadia Justman an. Beide Frauen mussten als Jüdinnen ihre Identität verbergen, um der Verfolgung durch das NS-Regime zu entkommen. Während Justman mit gefälschten Papieren nach Tirol flüchtete, überlebte Rozette Kats versteckt bei Pflegeeltern in den Niederlanden.

Seit den 1990er Jahren engagiert sich Kats als Zeitzeugin und spricht an Schulen in den Niederlanden und Deutschland über ihre Erfahrungen. Internationale Aufmerksamkeit erhielt sie unter anderem am 27. Januar 2023, als sie bei der offiziellen Gedenkstunde zum Holocaust-Gedenktag im Deutschen Bundestag sprach.

Begleitend zur Veranstaltung wurde an der Pädagogischen Hochschule Tirol auch eine Fortbildung zur Vermittlung von Nationalsozialismus und Holocaust im Unterricht angeboten. Mehr als 40 Pädagoginnen, Pädagogen und Lehramtsstudierende nahmen daran teil.

Die Sonderausstellung „Leokadia Justman. Brechen wir aus! Als polnische Jüdin auf der Flucht in Tirol“ ist weiterhin im Landhaus 1 zu sehen. Sie ergänzt die Dauerausstellung „Vom Gauhaus zum Landhaus. Ein Tiroler NS-Bau und seine Geschichte“ und beleuchtet die persönlichen Geschichten von Verfolgung, Flucht und Überleben während der NS-Zeit.

Mit Veranstaltungen wie diesen setzt das Land Tirol gemeinsam mit zahlreichen Partnerinstitutionen ein wichtiges Zeichen gegen das Vergessen und für die Erinnerungskultur.

Im Bild: Rozette Kats, niederländische Holocaust-Überlebende, sprach erstmals öffentlich in Österreich über ihre Familiengeschichte/© Land Tirol/Neuner