Lange lagen sie unbeachtet in Museumsdepots: afrikanische Waffen, Uniformen, Fotografien und Erinnerungsstücke aus der Zeit des italienischen Kolonialismus. Nun rückt ein neues Forschungsprojekt diese oft verdrängten Zeugnisse der Geschichte in den Mittelpunkt. Morgen wird im Palais Mamming Museum das Buch „Italien und seine Kolonien. Askaris, Uniformen und afrikanisches Erbe in den Museumssammlungen von Trentino-Südtirol“ vorgestellt.
Die Publikation, herausgegeben vom Militaria-Verlag und verfasst von den Historikern Nicola Labanca und Davide Zendri, ist das erste systematische Nachschlagewerk zu kolonialen Kulturgütern in den Museen der Euregio Tirol-Südtirol-Trentino. Ziel des Projekts ist es, Objekte sichtbar zu machen, die jahrzehntelang kaum beachtet wurden und deren Herkunft eng mit den kolonialen Ambitionen Italiens in Afrika verbunden ist.
Entstanden ist das Buch im Rahmen des Projekts „Unsichtbare Geschichte. Ein neuer Blick auf das koloniale Sammlungsgut in den Museen der Euregio“, das Teil des Euregio Museumsjahres 2025 ist. Beteiligt sind zahlreiche kulturelle Institutionen, darunter das MITAG, das Palais Mamming Museum, die Fondazione Museo Storico del Trentino sowie weitere historische und wissenschaftliche Museen der Region.
Der Band versteht sich weniger als klassische Kolonialgeschichte, sondern vielmehr als umfassende Kartierung kolonialer Sammlungsobjekte. Thematisiert werden unter anderem die Rolle der Askaris – afrikanischer Soldaten im Dienst der italienischen Kolonialmacht –, fotografische Archive sowie Darstellungen der italienischen Kolonien in Eritrea, Somalia, Libyen, Sudan, Äthiopien und Italienisch-Ostafrika.
Ein besonderer Schwerpunkt des Abends gilt der sogenannten Slatin-Pascha-Sammlung des Palais Mamming Museums. Rudolf Carl von Slatin, bekannt als Slatin Pascha, lebte ab 1923 in Meran und schenkte dem damaligen Stadtmuseum 1927 eine Sammlung sudanesischer Waffen und Gegenstände. Schwerter, Lanzen und weitere Artefakte erzählen heute von kolonialen Machtstrukturen, militärischen Konflikten und den komplexen Beziehungen zwischen Europa und Afrika im 19. Jahrhundert.
Die Veranstaltung lädt dazu ein, diese Objekte mit einem neuen Blick zu betrachten und Fragen nach Herkunft, Besitz, Erinnerungskultur und Verantwortung zu stellen. Gerade Museen, so zeigt das Projekt, sind nicht nur Orte der Bewahrung, sondern auch Räume gesellschaftlicher Auseinandersetzung mit Geschichte und ihren blinden Flecken.
An der Buchvorstellung nehmen neben den Autoren auch Francesco Frizzera, Tiziano Rosani, Oswald Mederle sowie Stefan Rest teil.
Die Veranstaltung beginnt am Donnerstag, 21. Mai 2026, um 18 Uhr im Palais Mamming Museum in Meran. Der Eintritt ist frei.