„Schiele & Peschka“ im Wien Museum: Eine Ausstellung eröffnet neue Einblicke in Egon Schieles Familienwelt

Ludwig Grillich, Gerti Schiele, 1909, Foto: TimTom, Wien Museum

Mit der Ausstellung „Schiele & Peschka – Eine Familienaufstellung“ widmet sich das Wien Museum bis zum 27. September 2026 einer außergewöhnlichen Familiengeschichte, die neue Perspektiven auf das Leben und Werk von Egon Schiele eröffnet.

Im Mittelpunkt steht die sogenannte „Sammlung Peschka“, ein einzigartiger Nachlass, der nicht nur bedeutende Kunstwerke, sondern auch persönliche Gegenstände, Briefe, Fotografien und Erinnerungsstücke aus dem kreativen Wien des frühen 20. Jahrhunderts umfasst.

Die Geschichte hinter der Sammlung verbindet zwei Künstlerfamilien miteinander: Schieles Schwester Gerti Schiele heiratete den Maler Anton Peschka, einen engen Freund und Weggefährten Schieles. Ihr Sohn, Anton Peschka jun., vermachte der Stadt Wien 1997 den umfangreichen Familiennachlass mit der testamentarischen Verfügung, ihn als „Sammlung Peschka“ der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Die Ausstellung macht diesen Schatz nun erstmals in seiner ganzen Vielfalt sichtbar. Neben Gemälden und Zeichnungen umfasst der Nachlass originale Ateliermöbel Schieles, Kunstzeitschriften, Bücher, dekorative Objekte sowie Hunderte Briefe und Familienfotografien.

Gerade diese persönlichen Dokumente ermöglichen einen ungewöhnlich intimen Blick auf das private Umfeld des berühmten Expressionisten. Neu aufgetauchte Unterlagen bringen bislang unbekannte Aspekte der Familiengeschichte ans Licht – darunter Hinweise auf die Existenz von Schieles erstgeborener Nichte, deren Geschichte lange unbekannt war.

Auch eine bis heute kontrovers diskutierte Frage der Kunstgeschichte wird aufgegriffen: Ob Anton Peschka Werke im Stil seines berühmten Schwagers schuf und möglicherweise als Schiele-Arbeiten weitergab.

Zu den eindrucksvollsten Exponaten zählt eine originale Glasvitrine aus dem Besitz Egon Schieles, die erstmals öffentlich präsentiert wird. Das Möbelstück, gefüllt mit Büchern, Objekten und persönlichen Erinnerungsstücken, wirkt wie ein privates „Kabinett der Kuriositäten“ und gibt Einblick in Schieles Sammelleidenschaft und seine persönliche Gedankenwelt.

Die Ausstellung versteht sich dabei nicht nur als kunsthistorische Schau, sondern auch als Annäherung an familiäre Beziehungen, künstlerische Netzwerke und das kulturelle Klima Wiens in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Kuratiert wurde die Ausstellung von Ursula Storch, stellvertretende Direktorin des Wien Museums und Expertin für österreichische Kunst- und Kulturgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts.

„Man könnte meinen, über Egon Schiele sei bereits alles gesagt“, erklärt Storch. „Doch Peschkas überraschend großer Nachlass ermöglicht es, Schieles Leben und Werk in einigen Aspekten ganz neu zu beleuchten.“

Begleitet wird die Ausstellung von einem umfangreichen Katalog sowie einer digitalen Aufbereitung zahlreicher Objekte, die vor Ort und online in der Sammlung des Wien Museums zugänglich sind.

Mit „Schiele & Peschka“ gelingt dem Wien Museum eine ebenso persönliche wie kulturhistorisch bedeutende Ausstellung, die den Blick hinter die bekannten Bilder öffnet und einen Künstler zeigt, dessen Welt noch immer neue Geschichten bereithält.

Anton Josef Trčka, Egon Schiele mit Spielzeugpferd, 1914, Foto: Wien Museum

Im Bild: Egon Schiele, Junge Mutter, 1914. Foto: Birgit und Peter Kainz, Wien Museum