„Bolzano Wedding Party“: Wenn Bozen zur Bühne einer gemeinsamen Stadtidentität wird

Mit der „Bolzano Wedding Party“ verwandelt sich Bozen am 6. Juni 2026 in eine offene Theaterbühne unter freiem Himmel. Die außergewöhnliche künstlerische Aktion bildet den Abschluss des europäischen Projekts Which Way Home, das von der Sozialgenossenschaft OfficineVispa konzipiert und im Rahmen von Creative Europe gefördert wurde.

Im Zentrum des Projekts steht die Frage, wie Kunst helfen kann, soziale Fragmentierungen zu überwinden und neue Formen des Zusammenlebens zu schaffen. Über mehrere Monate hinweg wurden Jugendliche, Künstler:innen, Vereine, Schulen und Bürger:innen aktiv eingebunden, um Geschichten, Erfahrungen und Identitäten sichtbar zu machen – insbesondere im vielsprachigen und multikulturellen Kontext Südtirols.

Gemeinsam mit den Partnerorganisationen Creative Youthland und Kulturni Front entstand ein transnationales Kulturprojekt, das urbane Räume als Orte des Dialogs und der Begegnung versteht.

Besonders in Bozen lag der Fokus auf dem Austausch zwischen der italienischen und der deutschen Sprachgruppe. Zahlreiche Interviews mit gemischten Paaren aus der Stadt flossen in die künstlerische Recherche ein und wurden zur Grundlage eines symbolischen Theaterereignisses: der Hochzeit zwischen den beiden Figuren Giacomo und Lena.

Die künstlerische Leitung übernahm Lorena La Rocca vom Centro di Ricerca in Teatro Sociale e di Comunità in Turin. Entstanden ist ein chorisches Gemeinschaftsprojekt, das Theater, Musik, Performance und Stadtgeschichte miteinander verbindet.

„Eine Theateraufführung in Form einer Hochzeit auf dem Platz, die Feier einer gemischten Ehe zwischen Giacomo und Lena, Symbol einer multikulturellen Stadt, die Beziehungen knüpft und eine plurale Gemeinschaft schafft“, beschreibt La Rocca die Idee hinter der Inszenierung.

Die „Bolzano Wedding Party“ gliedert sich in zwei große öffentliche Veranstaltungen.

Den Auftakt bildet um 10.30 Uhr die „Hochzeitsparade“ durch die Bozner Innenstadt. Das Zentrum wird dabei zu einem wandernden Ritual, angeführt von den beiden Figuren Giacomo und Lena, deren monumentale Szenografien von Schüler:innen des Kunstgymnasium Walther von der Vogelweide gestaltet wurden.

Der Umzug führt bis zum Rathausplatz, wo sich die beiden Figuren – dargestellt von Schauspieler:innen – symbolisch das Eheversprechen geben. Begleitet wird der Moment von einem eigens komponierten Lied, das gemeinsam mit Schüler:innen des Klassisches und Sprachliches Gymnasium G. Carducci unter der Leitung der Musikerin Heidi Clementi entstanden ist.

Am Nachmittag verlagert sich das Geschehen in das Viertel Ortles-Casanova, wo ab 17.30 Uhr eine große theatrale Gemeinschaftshochzeit stattfindet. Gemeinsam mit Schüler:innen des ITC Battisti wurde dort ein öffentlicher Theaterraum geschaffen – mit Bühne, Tischen, Musikbereichen und offenen Begegnungsorten.

Die Hochzeit von Giacomo und Lena wird dabei zum erzählerischen Rahmen, um reale Geschichten gemischter Paare aus Bozen sichtbar zu machen und die Vielfalt der Stadt zu feiern.

Projektmanager Gianluca Tenin beschreibt das Projekt als bewusstes kulturelles Labor: „Which Way Home war nicht nur die Organisation eines Events, sondern die Leitung eines komplexen kulturellen Prozesses, in dem das Miteinander-Arbeiten zur bewussten Entscheidung wurde.“

Der Abend endet mit Musik, Essen und gemeinsamer Begegnung – als symbolisches Ritual für Gemeinschaft, Zusammenhalt und das Gefühl, sich im eigenen Stadtteil zuhause zu fühlen.

An der Produktion beteiligt sind zahlreiche Künstler:innen, Musiker:innen, Performer und lokale Vereine. Auf der Bühne stehen unter anderem Moni Attanasio, Valentina Gianera, Lisa Marcon, Tiziana Nicolussi und Lucia Zadra. Musikalisch begleitet wird die Veranstaltung von der Banda Storta, der Tiger Dixie Band, dem Chor Note di Classe sowie DJ Sista Male und den Gipsy Moon Sisters.

Bei schlechtem Wetter findet die Veranstaltung in reduzierter Form im Lato in der Ortlesstraße 50/3 statt.