Am Samstag, 9. Mai, kam es in Bozen zu einem Treffen zwischen dem Südtiroler Heimatbund (SHB) und einer Delegazione von Risveglio Tirolese. Auf Einladung des SHB reisten die Gäste nach Bozen, um die BAS-Ausstellung über die Ereignisse der 1960er Jahre in der Laubengasse zu besuchen und anschließend Gespräche zu führen.
Der Vorsitzende des SHB, Roland Lang, stellte die Organisation vor, die sich als Unabhängigkeitsbewegung versteht und sich für das Selbstbestimmungsrecht Südtirols sowie für engere Beziehungen zu Österreich einsetzt. Der Heimatbund engagiert sich nach eigenen Angaben unter anderem für die Erinnerung an historische Konflikte der 1950er und 1960er Jahre, organisiert Gedenkveranstaltungen – etwa für Sepp Kerschbaumer – und macht mit Kampagnen auf Themen wie die Teilung Tirols und die Forderung nach doppelter Staatsbürgerschaft aufmerksam. Auch die Autonomiereform wird kritisch begleitet.
Risveglio Tirolese, vertreten durch Präsident Franco Beber, präsentierte sich als Zusammenschluss von Personen aus dem Trentino und Südtirol mit unterschiedlichem sozialen und kulturellen Hintergrund, die sich dem Erhalt und der kulturellen Weiterentwicklung des Alpenraums zwischen Salurn und Ala verpflichtet fühlen. Im Mittelpunkt steht dabei die Idee einer Wiederbelebung im „tirolerischen Geist“ sowie die Förderung der Minderheitensprachen – darunter Zimbrisch, Fersentalerisch und Ladinisch.
Ein zentraler Programmpunkt des Treffens war der Besuch der BAS-Ausstellung, die sich mit den historischen Ereignissen seit 1918 befasst. Thematisiert werden insbesondere die Spannungen rund um die sogenannte „Feuernacht“, die Opfer und die Gewalt der 1960er Jahre sowie die Entwicklungen bis zum zweiten Autonomiestatut. Die Ausstellung versteht sich als Erinnerungsraum für alle Beteiligten eines Konflikts, der mit der Teilung Tirols nach dem Ersten Weltkrieg und der Eingliederung des Gebiets südlich des Brenners an Italien begann.
Im Rahmen der Führung durch Dr. Cristian Kollmann verfolgten die Gäste die Ausführungen aufmerksam und beteiligten sich mit Fragen an der Diskussion. Dabei wurde auch auf Einzelschicksale hingewiesen, darunter der Fall von Livio Pergol aus Lavis, der laut historischen Darstellungen von Carabinieri schwer misshandelt worden sein soll.
Im Anschluss an den Ausstellungsbesuch nutzten die Teilnehmer den Austausch für eine offene Diskussion über die zukünftigen Beziehungen zwischen Trentino und Südtirol. Beide Regionen verbindet eine lange gemeinsame Geschichte, die jedoch im 20. Jahrhundert durch Nationalismen und politische Entwicklungen tief geprägt und zugleich getrennt wurde.
Im Bild v. l. n. r.: SHB-Ausschussmitglied Marcello Delucca, SHB-Obmannstellvertreter Meinrad Berger, SHB-Obmann Roland Lang, R. T. Präsident Franco Beber, R. T. Sprecher Paolo Monti, R. T. Ausschussmitglied Alessandro Gaiotto und R. T. Vizepräsident Fabrizio Leonardi