Deutscher Rechtschreibrat tagt in Südtirol und prägt Regeln für den gesamten Sprachraum.
Im Bildungshaus des Kloster Neustift wurde am 7. und 8. Mai über Sprache entschieden – oder genauer: über jene Regeln, die den schriftlichen Alltag von Millionen Menschen im gesamten deutschen Sprachraum prägen. Dort tagte der Rat für deutsche Rechtschreibung bereits zum vierten Mal in Südtirol.
Nach früheren Sitzungen in Bozen und Brixen kehrte das bedeutende Sprachgremium erneut südlich des Brenners ein. Für Südtirol hat die Teilnahme seit dem Beitritt im Jahr 2005 besonderes Gewicht: Es geht nicht nur um Regeln, sondern um Mitsprache in einem zentralen kulturellen und bildungspolitischen Bereich.
Der Rat für deutsche Rechtschreibung ist die maßgebliche Instanz für orthografische Fragen im deutschen Sprachraum. Seine 41 Mitglieder aus sieben Ländern und Regionen entwickeln das Regelwerk kontinuierlich weiter, das verbindlich für Schulen und öffentliche Verwaltung gilt.
Philipp Achammer betonte im Zusammenhang mit der Tagung die besondere Bedeutung dieser Arbeit für Südtirol:
„Gerade als Sprachminderheit ist es für Südtirol entscheidend, an der Weiterentwicklung der deutschen Rechtschreibung mitzuwirken und nicht nur deren Ergebnisse zu übernehmen. Sprache ist kein starres System, sondern entwickelt sich ständig weiter und muss daher auch aktiv mitgestaltet werden.“
Auch für den Bildungsbereich hat die Arbeit des Rates direkte Auswirkungen. Martin Holzner hob hervor, wie eng Rechtschreibung und Unterrichtspraxis miteinander verbunden sind:
„Gerade für Schule und Unterricht ist entscheidend, dass die Rechtschreibung nachvollziehbar und vermittelbar bleibt. Das aktuelle Regelwerk verbindet Orientierung mit Nähe zum aktuellen Sprachgebrauch.“
Nach der Verabschiedung eines neuen Regelwerks im Jahr 2023 arbeitet der Rat derzeit an weiteren Präzisierungen und Anpassungen, um die Schreibregeln an den fortlaufenden Sprachwandel anzupassen. Im Zentrum stehen dabei unter anderem Fragen der Groß- und Kleinschreibung sowie die systematische und verständliche Begründung einzelner Regelungen.
Dabei wird deutlich: Rechtschreibung ist kein statisches System, sondern ein kontinuierlicher Aushandlungsprozess zwischen Tradition und sprachlicher Entwicklung.
Für Südtirol erhält diese Arbeit eine besondere Dimension. Sprache ist hier nicht nur Mittel der Kommunikation, sondern auch Ausdruck kultureller Identität und Zugehörigkeit zum deutschsprachigen Raum.
So wurde in Kloster Neustift nicht nur über Kommas, Regeln und Schreibweisen beraten, sondern auch über eine grundlegende Frage: Wie viel Wandel verträgt eine Sprache – und wie viel Verlässlichkeit braucht sie?
Foto/c-LPA/Pädagogische Abteilung der Deutschen Bildungsdirektion