„Mehr Hebammen, mehr Gesundheit“ – Südtirols Geburtshilfe ruft nach struktureller Stärkung

Am 5. Mai 2026 wird weltweit der Internationale Hebammentag begangen. Auch die Berufskammer der Hebammen der Provinz Bozen nutzt diesen Anlass, um auf eine Entwicklung aufmerksam zu machen, die zunehmend als zentrale Herausforderung im Gesundheitswesen gilt: den Mangel an Hebammen – ein Problem, das global wirkt und zugleich in Südtirol deutlich spürbar ist.

Unter dem diesjährigen internationalen Motto „One Million More Midwives“ der International Confederation of Midwives wird ein klarer Appell formuliert: Ohne gezielte Investitionen in Ausbildung, Rekrutierung und berufliche Rahmenbedingungen droht ein wachsendes Ungleichgewicht in der geburtshilflichen Versorgung. Unterstützt wird die Kampagne auch von der italienischen FNOPO, die sich für eine stärkere politische und strukturelle Anerkennung des Berufsstands einsetzt.

Im Zentrum der Debatte steht dabei nicht nur die reine Personalfrage, sondern die grundlegende Bedeutung der Hebammenarbeit für das gesamte Gesundheitssystem. Wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass eine kontinuierliche hebammengeleitete Betreuung die medizinischen Ergebnisse bei Schwangerschaft und Geburt verbessert, unnötige Eingriffe reduziert und die Zufriedenheit von Frauen und Familien deutlich erhöht. Geburt wird damit nicht nur als medizinischer Vorgang verstanden, sondern als umfassender, menschlich begleiteter Prozess.

Die Berufskammer betont, dass der Hebammenberuf weit über die Geburtshilfe im engeren Sinne hinausgeht. Hebammen begleiten Frauen über den gesamten Lebensverlauf hinweg – von der Schwangerschaft über die Geburt bis ins Wochenbett und darüber hinaus. Sie sind zentrale Bezugspersonen in Fragen der Gesundheit, Prävention und Beratung und leisten einen wesentlichen Beitrag zur Versorgungskontinuität.

Gerade deshalb, so die Kammer, dürfe der aktuelle Bedarf nicht ausschließlich quantitativ betrachtet werden. Neben der Ausbildung neuer Fachkräfte gehe es ebenso um die Schaffung von Rahmenbedingungen, die eine qualitätsvolle, autonome und verantwortungsvolle Berufsausübung ermöglichen. Die Anerkennung der fachlichen Kompetenz müsse sich auch in der praktischen Organisation des Gesundheitssystems widerspiegeln.

Für Südtirol bedeutet das konkret, die Rolle der Hebammen in verschiedenen Versorgungsbereichen zu stärken: in der Schwangerschafts- und Geburtsbegleitung, im Wochenbett, in der wohnortnahen Betreuung, in Familienberatungsstellen sowie in Prävention und gynäkologischen Versorgungspfaden. Ziel sei ein Modell, das Nähe, Kontinuität und Menschlichkeit in der Betreuung sicherstellt und gleichzeitig die Ressourcen des Gesundheitssystems effizient nutzt.

Die Präsidentin der Berufskammer, Manuela Brioschi, formuliert den Appell deutlich: Die gesellschaftliche und gesundheitspolitische Aufgabe bestehe darin, den Hebammenberuf in seiner gesamten Breite anzuerkennen und zu stärken. Hebammen seien nicht nur Begleiterinnen von Geburt und Leben, sondern auch Gesundheitsförderinnen, Beraterinnen und wichtige Stützen für Familien und Gemeinschaften.

Damit wird der Internationale Hebammentag in Südtirol zu mehr als einem symbolischen Datum. Er wird zum Anlass für eine grundlegende Standortbestimmung: Wie kann ein Beruf gestärkt werden, der unmittelbar mit der Gesundheit von Frauen, Kindern und Familien verbunden ist?

Die Antwort der Kammer ist klar: Investitionen in Hebammen sind Investitionen in öffentliche Gesundheit, Versorgungsqualität und soziale Stabilität. Und damit eine Aufgabe, die weit über den Berufsstand hinaus die gesamte Gesellschaft betrifft.