Der Nordtiroler Fotograf und Konzeptkünstler Gregor Sailer wird mit dem Paul-Flora-Preis 2026 ausgezeichnet. Die Ehrung, die gemeinsam von Südtirol und Tirol vergeben wird, würdigt herausragende Positionen zeitgenössischer bildender Kunst junger Kunstschaffender im Alpenraum und ist mit 10.000 Euro dotiert. Die feierliche Preisverleihung findet am 14. September in der Taxispalais Kunsthalle Tirol statt.
Vergeben wird die Auszeichnung durch den Tiroler Landeshauptmann und Kulturreferenten Anton Mattle sowie den Südtiroler Kulturlandesrat Philipp Achammer. Beide betonen in ihren Stellungnahmen die internationale Bedeutung des künstlerischen Schaffens Sailers, der mit seinen fotografischen Langzeitprojekten gesellschaftlich relevante Themen sichtbar macht und Räume erschließt, die der Öffentlichkeit sonst verborgen bleiben.
Der Paul-Flora-Preis erinnert an den im Jahr 2009 verstorbenen Künstler Paul Flora und wird seit 2010 abwechselnd in Tirol und Südtirol vergeben. Über die Preisträger entscheidet eine Fachjury, die sich aus Vertreterinnen und Vertretern beider Länder sowie der Familie des Namensgebers zusammensetzt. Ziel der Auszeichnung ist es, junge Positionen der zeitgenössischen Kunst grenzüberschreitend zu fördern und sichtbar zu machen.
Gregor Sailer, geboren 1980 in Schwaz und tätig in Vomp, studierte Kommunikationsdesign mit Schwerpunkt Fotografie und Experimentalfilm an der Fachhochschule Dortmund. Bekannt wurde er durch umfangreiche fotografische Langzeitprojekte, in denen er mit analoger Großformattechnik Orte dokumentiert, die bewusst von der Öffentlichkeit abgeschirmt sind. Dazu zählen militärische Übungsstädte, streng gesicherte Forschungsanlagen in der Arktis oder hochautomatisierte Produktionssysteme der industriellen Nahrungsmittelherstellung.
Mit Werkserien wie „Closed Cities“, „The Potemkin Village“ und „The Polar Silk Road“ hat Sailer international Aufmerksamkeit erlangt. Seine Arbeiten wurden unter anderem im Naturhistorischen Museum in London sowie beim renommierten Festival Rencontres d’Arles gezeigt. Eine umfassende Retrospektive widmete ihm 2022 das Kunsthaus Wien, aktuell ist sein Projekt „Cockaigne“ im Naturhistorischen Museum Wien zu sehen, das sich mit Fragen der zukünftigen Welternährung im Kontext von Klimawandel und Bevölkerungsentwicklung auseinandersetzt.
Die Jury würdigt insbesondere Sailers Fähigkeit, gesellschaftliche Strukturen sichtbar zu machen, die sich dem direkten Blick entziehen. Seine fotografischen Arbeiten bewegen sich an der Schnittstelle zwischen Kunst, Dokumentation und Forschung und eröffnen damit neue Perspektiven auf globale Macht-, Technologie- und Kontrollsysteme.
„Gregor Sailers Werke sind von internationaler Strahlkraft und großer künstlerischer Sensibilität“, heißt es in der Begründung der Auszeichnung. Er mache komplexe Zusammenhänge sichtbar und erweitere damit den Blick auf politische, wirtschaftliche und technologische Realitäten unserer Zeit.
Auch die politischen Vertreter betonen die verbindende Dimension seines Schaffens: Sailer gelinge es, durch seine Bildwelten Brücken zwischen Regionen, Disziplinen und gesellschaftlichen Perspektiven zu schlagen. Kunst werde bei ihm zum Instrument der Erkenntnis – und zum Impuls für öffentliche Debatten.
Mit dem Paul-Flora-Preis 2026 wird somit ein Künstler ausgezeichnet, dessen Werk nicht nur ästhetisch überzeugt, sondern auch Fragen stellt, die weit über den Kunstkontext hinausreichen. Seine Fotografien zeigen keine Oberfläche, sondern Strukturen – und machen sichtbar, was im Verborgenen wirkt.
Foto/c-Land Tirol/Patrick Saringer