Brixen – Zwischen den bündnerromanischen, dolomitenladinischen und friaulischen Sprachgemeinschaften bestehen seit jeher enge kulturelle und identitätsstiftende Beziehungen. Um diese zu stärken und zugleich einem breiten Publikum den Zugang zum literarischen Reichtum dieser Regionen zu ermöglichen, findet das Festival der zeitgenössischen alpinen Poesie statt. Nach seiner erfolgreichen Premiere im Jahr 2023 geht die Veranstaltung nun in eine neue Ausgabe.
Am 8. und 9. Mai präsentieren 15 Lyrikerinnen und Lyriker aus den drei Minderheitensprachräumen in der Stadtbibliothek Brixen eigens für das Festival verfasste Gedichte. Eine besondere Stärke des Formats liegt in seiner Mehrsprachigkeit: Die Texte werden sowohl in der Originalsprache als auch in deutscher oder italienischer Übersetzung vorgetragen. Auch die begleitende Publikation im Verlag Edition Raetia enthält alle Beiträge in den drei Sprachversionen.
Ein zentrales Element des Festivals ist die Übersetzungsarbeit, die von Walter Rosselli, Ruth Gantert, Ingrid Runggaldier und Michaela Heissenberger geleistet wird. Sie sind ebenfalls vor Ort und diskutieren im Rahmen eines Runden Tisches über die Herausforderungen und Möglichkeiten literarischer Übersetzung im alpinen Mehrsprachigkeitsraum.
Für die literarische Einordnung und Auswahl der Autorinnen und Autoren zeichnen Rico Valär (rätoromanischer Raum), Roland Verra (dolomitenladinischer Raum) und Gabriele Zanello (friulanischer Raum) verantwortlich. Durch das Programm führt Mateo Taibon (RAI Ladinia). Die musikalische Begleitung übernehmen Martina Linn (Graubünden), GOTA (Ladinien) und Nicole Coceancig (Friaul), wobei das Festival am Samstagabend mit einem Konzert seinen Abschluss findet.
Organisiert wird die Veranstaltung von der Südtiroler Autorinnen- und Autorenvereinigung SAAV in Zusammenarbeit mit dem Europäischen Zentrum für Literatur und Übersetzung ZeLT. Unterstützt wird das Projekt unter anderem von der Landesabteilung für ladinische Bildung und Kultur, der Region Trentino-Südtirol, dem Kanton Graubünden sowie der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia und steht unter der Schirmherrschaft des Schweizerischen Generalkonsulats in Mailand.
Die Liste der teilnehmenden Autorinnen und Autoren umfasst unter anderem Rut Bernardi, Stefen Dell’Antonio, Marco Dibona, Silvia Liotto und Iaco Rigo (Dolomitenladinien), Antonio Cosimo Di Biasio, Lucia Gazzino, Stefano Moratto, Silvio Ornella und Giacomo Vit (Friaul) sowie Nina Dazzi, Romana Ganzoni, Leo Tuor, Benedetto Vigne und Jessica Zuan (Graubünden).
Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Zudem wird das Festival per Livestream übertragen unter microfilmdigital.it/live und ermöglicht damit einen grenzüberschreitenden Zugang zur alpinen Poesie.