Innsbruck – Der Hauptpreis für zeitgenössische Kunst sowie drei Förderpreise werden auch 2026 vom Land Tirol auf Vorschlag des Beirats für Bildende Kunst und Architektur vergeben. Der mit 5.500 Euro dotierte Hauptpreis sowie die jeweils mit 2.550 Euro ausgestatteten Förderpreise würdigen jährlich herausragende Positionen der zeitgenössischen Kunstszene. Die feierliche Verleihung findet im Rahmen des „Festes der Kultur“ am 22. September 2026 im Haus der Musik Innsbruck statt.
Kulturreferent Landeshauptmann Anton Mattle gratulierte den diesjährigen Preisträgerinnen und Preisträgern und hob deren Bedeutung für die Gegenwartskunst hervor: „Die diesjährigen Ausgezeichneten stehen einmal mehr beispielhaft für die Vielfalt und hohe Qualität der zeitgenössischen bildenden Kunst. Mit ihren individuellen künstlerischen Handschriften bereichern sie den gesellschaftlichen Diskurs und setzen wichtige Impulse in der Kunst- und Kulturszene.“
Den Hauptpreis für zeitgenössische Kunst 2026 erhält Annja Krautgasser (*1971, Hall in Tirol). Ihre Videoarbeiten und Performances zeichnen sich durch eine radikale Offenheit gegenüber ungelösten Fragen aus und laden das Publikum aktiv zur gedanklichen Auseinandersetzung ein.
Die Jury betont in ihrer Begründung die besondere Qualität ihrer Arbeiten: Krautgassers Essays seien ernsthaft und nie rhetorisch, wodurch die Betrachtenden unmittelbar in den Denkprozess hineingezogen würden. Ihre Werke eröffneten vielschichtige Perspektiven, die sich nicht auf eine eindeutige Lesart festlegen ließen. Besonders gespannt zeigt sich die Jury auf ihr aktuelles Projekt, in dem sie sich mit ihrem Künstler-Großvater auseinandersetzt und dabei Fragen nach Kunstgeschichte, Nachlässen und intergenerationeller Weitergabe verhandelt.
Der Förderpreis geht an drei Künstlerinnen und Künstler, die unterschiedliche mediale Zugänge zur zeitgenössischen Kunst entwickeln.
Patrick Roman Scherer (*1988, Kufstein) erweitert in seiner Arbeit die Möglichkeiten der Zeichnung konsequent und sensibel. Seine Werke verbinden intime Bleistiftzeichnungen mit raumgreifenden Installationen und schaffen neue Zugänge zum Verhältnis von Wahrnehmung, Erinnerung und Denken. Dabei fordert er etablierte Sehgewohnheiten heraus und eröffnet neue Beziehungen zwischen Mensch, Objekt und Raum.
Stephanie Stern (*1986, Ehenbichl; aufgewachsen in Tarrenz) arbeitet mit Bildern als offenen Informationsprozessen. Sie untersucht, wie visuelle Inhalte zwischen Zeichnung, Raum, technischen Systemen und fotografischen Ebenen übertragen, verändert und neu organisiert werden. Ihre Arbeiten zeigen temporäre Ordnungen, in denen Bildlogiken bewusst gestört oder unterlaufen werden. Damit reflektiert sie zugleich gesellschaftliche Strukturen und zwischenmenschliche Beziehungen jenseits kultureller Grenzen.
Maximilian Bernhard (*1990, Kitzbühel) verbindet handwerkliche Präzision mit experimentellen Verfahren. Bereits früh entwickelte er eigene Abdrucktechniken für raumgreifende Gipsplastiken, die Bezüge zur Skulptur des Informel herstellen. In seinen aktuellen Arbeiten mit Ton und Beton bleibt das Verhältnis von Sockel und Skulptur zentral. Besonders markant ist die Übertragung grafischer Prinzipien – etwa des Holzschnitts – in den Raum. Seine prozesshafte Bildsprache leistet damit einen eigenständigen Beitrag zum zeitgenössischen Skulpturdiskurs.
Mit der Vergabe der Kunstpreise unterstreicht das Land Tirol einmal mehr die Bedeutung der Förderung zeitgenössischer künstlerischer Positionen. Sie zeigen, wie vielfältig aktuelle Kunstpraxis ist – und wie sehr sie als Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen wirkt.
Im Bild: Annja Krautgasser, Trägerin des Hauptpreises für zeitgenössische Kunst/© Ben Owen-Browne