Todestag von Kanonikus Michael Gamper: Stimme einer unbeugsamen Heimat

Vor 70 Jahren, am 15. April 1956, verstarb Kanonikus Michael Gamper – eine der prägenden Persönlichkeiten der Südtiroler Zeitgeschichte. Die Süd-Tiroler Freiheit erinnert in Dankbarkeit an einen Mann, der wie kaum ein anderer für den Erhalt der deutschen Sprache, für kulturelle Identität und für politische Selbstbestimmung eingetreten ist.

Geboren 1885 in Prissian im damaligen Österreich-Ungarn, entwickelte sich Gamper nach seinem Theologiestudium zu einer zentralen Stimme des Südtiroler Journalismus. Als Leiter des „Südtiroler Volksboten“ und später der „Dolomiten“ prägte er die öffentliche Meinungsbildung über Jahrzehnte hinweg. Besonders während der faschistischen Herrschaft setzte er entscheidende Zeichen des Widerstands: Mit der Organisation der Katakombenschulen trug er maßgeblich dazu bei, die deutsche Sprache trotz Verboten und Repressionen zu bewahren.

Auch während der Option blieb Gamper seiner Linie treu und setzte sich für den Verbleib der Südtiroler Bevölkerung in der Heimat ein. Sein Engagement gegen Nationalsozialismus und Euthanasie-Verbrechen brachte ihn in das Visier der Gestapo, vor der er 1943 fliehen musste.

Nach dem Krieg engagierte sich Gamper weiterhin politisch und gesellschaftlich. Er warb bei den Alliierten für das Selbstbestimmungsrecht der Südtiroler und sprach sich für den Anschluss an Österreich aus. Gleichzeitig kritisierte er die italienische Nachkriegspolitik deutlich und setzte mit seinem viel beachteten Leitartikel vom „Todesmarsch“ (1953) ein starkes publizistisches Zeichen, das eine ganze Generation prägte.

Besondere Bedeutung hatte auch seine Rolle als Vermittler zwischen „Dableibern“ und „Optanten“, wodurch er wesentlich zur inneren Versöhnung der Südtiroler Gesellschaft beitrug.

Gamper starb am 15. April 1956 im Alter von 71 Jahren. Sein Begräbnis wurde zu einer beeindruckenden Kundgebung der Wertschätzung, an der über 30.000 Menschen teilnahmen.

„Kanonikus Gampers Werte sind zeitlos“, betont Stefan Zelger von der Süd-Tiroler Freiheit. „Sein Vermächtnis ehren wir am besten, indem wir die hart erkämpften Rechte der Südtiroler nicht preisgeben. Sein Schicksal zeigt: deutsche Schule, deutsche Sprache und Minderheitenrechte sind keine Selbstverständlichkeit und müssen konsequent verteidigt werden – heute mehr denn je.“