Zwischen Krisen und Chancen: Südtirols Jugendarbeit stellt sich neu auf

Bozen – In einer Zeit, die von globalen Krisen, gesellschaftlichen Spannungen und wachsender Unsicherheit geprägt ist, rückt die Frage nach der Rolle der Jugendarbeit stärker denn je in den Mittelpunkt. Bei der jüngsten Vollversammlung der Arbeitsgemeinschaft der Jugenddienste (AGJD) in Bozen stand genau dieses Thema im Fokus: Wie können junge Menschen heute bestmöglich begleitet und gestärkt werden?

Vertreterinnen und Vertreter der Jugenddienste aus ganz Südtirol nutzten das Treffen für einen intensiven Austausch über die Herausforderungen, mit denen junge Menschen konfrontiert sind. Gemeinsam mit dem Direktor des Amtes für Jugendarbeit, Konrad Pamer, wurde der Blick nach vorne gerichtet. Digitale Umbrüche, gesellschaftliche Debatten, psychische Belastungen und eine zunehmend komplexe Lebensrealität prägen den Alltag vieler Jugendlicher – Entwicklungen, auf die die Jugendarbeit flexibel und nahe an den Bedürfnissen reagieren muss.

Dabei wurde einmal mehr die Bedeutung der Jugenddienste als tragende Säule der außerschulischen Jugendarbeit unterstrichen. Mit über 180 Fachkräften, rund 130 ehrenamtlichen Vorstandsmitgliedern und zahlreichen Freiwilligen bilden sie ein dichtes Netzwerk, das junge Menschen in nahezu allen Gemeinden Südtirols erreicht. Ihre Arbeit reicht von individueller Begleitung über Projekt- und Netzwerkarbeit bis hin zur politischen Interessenvertretung.

AGJD-Vorsitzende Sonja Plank betonte die zentrale Rolle dieser Strukturen: Jugendarbeit bedeute heute mehr denn je Beziehung, Orientierung und Halt. Junge Menschen würden in einer Welt aufwachsen, die von Klimakrise, Kriegen und sozialer Ungleichheit geprägt sei. Umso wichtiger seien verlässliche Angebote und Bezugspersonen, die ihnen Perspektiven eröffnen und ihre Entwicklung begleiten.

Im Rahmen der Versammlung wurde auch kritisch reflektiert, wie junge Menschen in der öffentlichen Wahrnehmung dargestellt werden. Oft stünden sie nur dann im Fokus, wenn Probleme sichtbar würden. Die Teilnehmenden waren sich einig, dass es vielmehr Vertrauen, Unterstützung und kontinuierliche Begleitung brauche, um junge Menschen in ihrer Entwicklung zu stärken. In diesem Zusammenhang spielt auch ein derzeit erarbeitetes Schutzkonzept eine wichtige Rolle, das sichere Rahmenbedingungen gewährleisten und gleichzeitig die aktive Beteiligung junger Menschen fördern soll.

Neben den inhaltlichen Diskussionen standen auch personelle Weichenstellungen an. Der Vorstand der AGJD wurde neu beziehungsweise wiedergewählt und setzt sich künftig aus Klaus Nothdurfter, Michelle Dalla Serra, Monika Hofer Larcher, Sonja Plank und Heidi Gamper zusammen. Mit dieser personellen Kontinuität soll die strategische Weiterentwicklung der Jugendarbeit in Südtirol konsequent fortgeführt werden.

Die Arbeitsgemeinschaft der Jugenddienste versteht sich als zentrale Vernetzungs- und Kompetenzstelle für die Jugendarbeit im Land. Gemeinsam mit den 17 Jugenddiensten, Nëus Jëuni Gherdëina und dem Jugendbüro Passeier gestaltet sie Rahmenbedingungen, die es jungen Menschen ermöglichen sollen, ihren Weg selbstbestimmt zu gehen und aktiv an der Gesellschaft teilzuhaben.

Die Botschaft der Vollversammlung ist klar: Gerade in unsicheren Zeiten braucht es stabile Strukturen, verlässliche Beziehungen und eine Jugendarbeit, die zuhört, stärkt und Perspektiven schafft.