Großer Erfolg für die Südtiroler Seniorentheatergruppe „Überholspur“ des Südtiroler Theaterverbandes (STV): Mit dem Stück „Unerhört – Sex im Alter“ sicherte sich das Ensemble Ende März den ersten Preis bei den 41. Theatertagen am See im deutschen Friedrichshafen.
Das preisgekrönte Stück wurde von den Ensemblemitgliedern selbst entwickelt, recherchiert und gemeinsam auf die Bühne gebracht. Es verbindet humorvolle Szenen mit gesellschaftlicher Relevanz und setzt sich mit einem Thema auseinander, das im öffentlichen Diskurs häufig tabuisiert wird: Sexualität im Alter. Begleitet wurde die Gruppe von Maria Thaler Neuwirth, Theaterpädagogin und Referentin für Seniorentheater im STV.
Bereits im vergangenen Jahr war „Überholspur“ mit Gastspielen in ganz Südtirol unterwegs und vielerorts auf große Resonanz gestoßen. Der aktuelle Preis bestätigt nun die künstlerische und gesellschaftliche Wirkung der Arbeit.
„Dieser Preis ist eine große Ehre und macht uns sehr stolz, vor allem, weil ein Thema auf die Bühne gebracht wird, über das oft geschwiegen wird“, betont Sozial- und Seniorenlandesrätin Rosmarie Pamer. Besonders hervorzuheben sei, wie sensibel und zugleich unterhaltsam das Thema umgesetzt werde und damit Diskussionen über Lebensrealitäten im Alter anstoße. „Wenn Seniorinnen und Senioren gemeinsam aktiv sind und nach der Vorstellung gelacht, diskutiert und nachgedacht wird, ist das eine gesellschaftliche Win-win-Situation“, so Pamer.
Auch Brigitte Waldner, Direktorin des Amtes für Senioren und Sozialsprengel, hebt die Bedeutung des Projekts hervor: Der Erfolg zeige eindrucksvoll, wie viel Potenzial in Initiativen stecke, die älteren Menschen nicht nur Teilhabe ermöglichen, sondern ihnen echten künstlerischen Gestaltungsspielraum geben. „Überholspur“ stehe für ein aktives, kreatives und sichtbares Altern.
Das Land Südtirol hatte das Projekt im Jahr 2025 mit 20.800 Euro unterstützt. Der Erfolg in Friedrichshafen unterstreiche nun die wachsende Bedeutung kultureller Formate, die Seniorinnen und Senioren nicht lediglich beschäftigen, sondern sie als aktive Kulturschaffende ernst nehmen.
Die Gruppe „Überholspur“ ist bekannt für ihre Auseinandersetzung mit gesellschaftlich relevanten Themen. In früheren Produktionen beschäftigte sie sich unter anderem mit Gewalt im Alter sowie mit der Verarbeitung der Pandemie im Stück „Orangenduft“. Aktuell arbeitet das Ensemble an einem neuen Projekt zum Thema Einsamkeit.
Parallel dazu hat sich mit „AUS-blick“ eine weitere Seniorentheatergruppe formiert, die sich derzeit mit der Produktion „Wer wird uns in Zukunft pflegen? – Warten auf Pflege …“ auseinandersetzt. Auch hier stehen gesellschaftliche Zukunftsfragen im Mittelpunkt.
Seniorentheater verbindet dabei künstlerische Arbeit mit aktivem Lernen: Texte werden erarbeitet und verinnerlicht, Szenen gemeinsam entwickelt, Körper und Stimme trainiert. Neben Kreativität und Bewegung spielt auch das soziale Miteinander eine zentrale Rolle. Je nach Produktion werden die Stücke zudem mehrsprachig aufgeführt, um ein möglichst breites Publikum zu erreichen.
So entsteht ein Theater, das nicht nur unterhält, sondern auch verbindet – zwischen Generationen, Lebensrealitäten und Perspektiven.
Foto/c-Südtiroler Theaterverband