
Ein lange wenig beleuchtetes Kapitel der Zeitgeschichte rückt ins digitale Licht: Die sogenannten Südtiroler Siedlungen, die Anfang der 1940er Jahre in mehreren österreichischen und deutschen Gemeinden entstanden, sind nun erstmals umfassend online dokumentiert.
Diese Siedlungen wurden im Zuge der historischen Option in Südtirol errichtet und boten jenen Südtiroler Familien Wohnraum, die sich zur Auswanderung entschieden hatten. Über Jahrzehnte blieb vieles über diese Orte fragmentarisch – verstreut in Archiven, Sammlungen und privaten Beständen.
Nun schafft ein neues Webportal Abhilfe: Rund 1.500 Pläne, etwa 1.000 historische Fotografien sowie rund 3.000 aktuelle Luft- und Bodenaufnahmen wurden systematisch aufbereitet und zugänglich gemacht. Das gesamte Originalmaterial wurde dem Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum übergeben und dort wissenschaftlich erschlossen.
Ein bedeutender Schritt ist auch die Mehrsprachigkeit des Angebots: Erstmals stehen fundierte Informationen zu den Südtiroler Siedlungen auch in italienischer Sprache zur Verfügung – ein wichtiger Beitrag zur breiteren historischen Aufarbeitung und Vermittlung.
Der offizielle Start der Webseite erfolgt am 8. April um 10 Uhr im Landesdenkmalamt in Bozen. Bei der Präsentation werden zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter aus Kultur, Forschung und Politik anwesend sein, darunter Landesrat Philipp Achammer, die Landeskonservatorin Karin Dalla Torre sowie Roland Sila vom Ferdinandeum.
Mit dabei sind auch Helmuth Angermann, Präsident des Gesamtverbandes Südtiroler in Österreich, Gebhard Leitinger vom Dokumentationszentrum Begegnungszone Option in Innsbruck, der Historiker Günther Pallaver, Zeitzeuge Rudi Gamper sowie Wittfrida Mitterer. Die Moderation übernimmt Gerd Staffler.
Das Projekt ist mehr als eine digitale Sammlung: Es ist ein Brückenschlag zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen individueller Erinnerung und kollektiver Geschichte. Die Südtiroler Siedlungen werden so erstmals in ihrer Gesamtheit sichtbar – und laden dazu ein, ein prägendes Kapitel europäischer Geschichte neu zu entdecken.