Halbzeit im Wipptal: Kompatscher setzt auf Dialog – und auf konkrete Antworten

Sterzing – Zur Halbzeit der Legislaturperiode 2024–2028 rückt die Landesregierung näher an die Gemeinden: Bei einer Reihe von Sondersitzungen in den Bezirken traf Landeshauptmann Arno Kompatscher gemeinsam mit den Mitgliedern der Landesregierung auf die Präsidentinnen und Präsidenten der Bezirksgemeinschaften sowie die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister. Auftakt dieser Gesprächsrunde war am 24. März in Sterzing – mit einem breit gefächerten Themenspektrum und klaren regionalen Anliegen im Fokus.

Kompatscher sprach im Anschluss von einem „sehr guten Austausch“ und betonte, dass die Landesregierung vor allem zugehört habe, um die spezifischen Bedürfnisse des Wipptals besser zu verstehen. Gerade die Besonderheiten des Grenzraums sollen stärker berücksichtigt werden. Politik müsse nah bei den Menschen sein, so der Landeshauptmann, der auf zahlreiche Treffen mit Vereinen, Verbänden und Bürgerinnen und Bürgern im ganzen Land verwies.

Für den Präsidenten der Bezirksgemeinschaft Wipptal, Martin Alber, steht fest: Der Bezirk benötigt maßgeschneiderte Lösungen. Als kleiner Bezirk mit besonderen strukturellen Herausforderungen – von der Arbeitsmarktsituation über die Nähe zu Österreich bis hin zur Verkehrsbelastung – brauche es gezielte politische Antworten. Besonders im Bereich Pflegepersonal und Mobilität sehe man dringenden Handlungsbedarf.

Ein zentrales Thema der Sitzung war die Sicherstellung von Pflegekräften. Die grenznahe Lage verschärft laut Alber die Situation zusätzlich, da der Arbeitsmarkt auf österreichischer Seite oft attraktivere Bedingungen bietet. Die Landesregierung setzt daher verstärkt auf Ausbildung und Ausbildungssicherheit. Soziallandesrätin Rosmarie Pamer hob hervor, dass gesetzliche Änderungen auf Staatsebene die berufsbegleitende Ausbildung durch private Anbieter erschwert hätten. Deshalb werde nun stärker auf die Landesfachschulen für Sozialberufe gesetzt, die ein qualitativ hochwertiges und verlässliches Angebot bieten.

Auch Bildungslandesrat Philipp Achammer unterstrich die Bedeutung praxisnaher Ausbildung und enger Zusammenarbeit mit sozialen Einrichtungen. Parallel dazu sollen die Rahmenbedingungen für Beschäftigte im Pflegebereich verbessert werden, unter anderem im Zuge laufender Vertragsverhandlungen.

Neben Soziales und Bildung standen auch Infrastrukturprojekte im Mittelpunkt. Für das Oberschulzentrum „Michael Gaismair“ in Sterzing kündigte die Landesregierung weitere Entwicklungsschritte an. Besonders im Fokus: der geplante Neubau der Dreifachturnhalle mit einem Investitionsvolumen von rund 15,5 Millionen Euro sowie die teilweise Finanzierung einer neuen Aula Magna. Ziel sei es, moderne und funktionale Strukturen zu schaffen, die den Bedürfnissen der Jugendlichen und der Schulgemeinschaft gerecht werden, betonte Hochbaulandesrat Christian Bianchi.

Auch im Bereich Verkehr zeigt sich die typische Spannung zwischen Anspruch und Realität: Entlastungsmaßnahmen wie das LKW-Durchfahrtsverbot in Gossensass und Mauls gelten als erste Schritte, weitere Umfahrungsprojekte befinden sich in Planung. Gleichzeitig wird in den Ausbau und die Barrierefreiheit von Bahnhöfen sowie in die Verbesserung der öffentlichen Verkehrsanbindungen investiert. Mobilitätslandesrat Daniel Alfreider betonte die Notwendigkeit, sowohl die Straßeninfrastruktur zu sichern als auch den öffentlichen Verkehr gezielt weiterzuentwickeln.

Trotz aller Fortschritte bleibt jedoch eine gewisse politische Erwartungshaltung im Raum: Die Gemeinden im Wipptal drängen auf rasche und spürbare Lösungen, während viele Projekte noch in Planungs- oder Umsetzungsphasen sind. Gerade bei Themen wie Verkehrsentlastung, Pflege und Bildung zeigt sich, dass zwischen strategischen Ankündigungen und konkreter Umsetzung oft Zeit vergeht – ein Umstand, der im Bezirk zunehmend kritisch beobachtet wird.

Ein langfristiger Blick richtet sich schließlich auf den Brennerbasistunnel, der laut Kompatscher nicht nur den Güterverkehr, sondern auch den Personenverkehr revolutionieren werde. Damit eröffnen sich für das Wipptal neue Chancen – gleichzeitig wächst der Druck, die regionale Infrastruktur rechtzeitig darauf auszurichten.

Die Halbzeit-Bilanz zeigt damit ein klares Bild: Dialog wird intensiv geführt, Projekte sind angestoßen – doch die eigentliche Bewährungsprobe liegt in der konsequenten Umsetzung vor Ort.

Foto/c-LPA/Fabio Brucculeri