Erste Hilfe kann Leben retten – und genau diese Fähigkeiten werden in Südtirol zunehmend schon im Kindesalter vermittelt. Im Rahmen eines Gemeinschaftsprojekts zwischen dem Weißen Kreuz Südtirol sowie der deutschen und ladinischen Bildungsdirektion ist der Erste-Hilfe-Unterricht mittlerweile fester Bestandteil an vielen Schulen und wird kontinuierlich ausgebaut. Neu ist, dass nun auch ladinische Schulen in das Projekt eingebunden sind.
Das Projekt, das vor über zwei Jahren als Pilotinitiative gestartet wurde, verfolgt das Ziel, Schülerinnen und Schüler frühzeitig an grundlegende Maßnahmen im Notfall heranzuführen. Dazu zählen unter anderem das richtige Absetzen eines Notrufs, die Versorgung von Wunden oder das stabile Lagern einer verletzten Person. Inhalte, die im Ernstfall entscheidend sein können und durch den Unterricht nicht nur theoretisch vermittelt, sondern auch praktisch eingeübt werden.
Laut Alexander Schmid, Präsident des Weißen Kreuzes, zeigen die bisherigen Erfahrungen, wie gut das Konzept angenommen wird: Die Kinder seien mit großer Aufmerksamkeit bei der Sache, sowohl im theoretischen Unterricht als auch bei den praktischen Übungen. Dadurch werde Erste Hilfe für sie greifbar und nachhaltig erlernbar.
Ein wesentlicher Erfolgsfaktor ist die enge Zusammenarbeit mit den Bildungsdirektionen sowie den Lehrkräften. Rund 3.000 Schülerinnen und Schüler nehmen jährlich am Erste-Hilfe-Unterricht teil, der nach einer entsprechenden Vorbereitung durch Mitarbeitende des Weißen Kreuzes größtenteils direkt von den Lehrpersonen durchgeführt wird. Mit dem Beitritt der ladinischen Bildungsdirektion erhält das Projekt zusätzlichen Auftrieb und erreicht nun noch mehr Schulen im Land.
Didaktisch basiert der Unterricht auf einem speziell entwickelten, altersgerechten Materialpaket, das in Kooperation mit der Kinderbuchautorin Isabell Halbeisen entstanden ist. Es umfasst Basisbücher, Arbeitshefte sowie ergänzende Materialien für Lehrpersonen und wird durch praktische Übungseinheiten ergänzt. So können die Kinder das Gelernte unmittelbar anwenden und trainieren.
Nach der Pilotphase, die zunächst über 5-Promille-Mittel finanziert wurde, erfolgt die Ausstattung der Schulen inzwischen über Landesförderungen. Für Ivo Bonamico, Direktor des Landesrettungsvereins, ist das Projekt auch ein gesellschaftliches Signal: Je mehr Menschen grundlegende Erste-Hilfe-Kenntnisse besitzen, desto dichter werde die Rettungskette im Notfall. Langfristig trägt dies dazu bei, die Sicherheit in der Bevölkerung zu erhöhen.
Eine Ausweitung des Projekts auf weitere Schulstufen, insbesondere die Mittelschulen, ist bereits in Planung und unterstreicht den Anspruch, Erste Hilfe als festen Bestandteil der allgemeinen Bildung weiter zu verankern.