Vinschger Bahn: Modernisierung mit Verzögerungen – Locher fordert klare Perspektive

Seit 2016 wird die Modernisierung und Elektrifizierung der Vinschger Bahn vorangetrieben – doch nach fast zehn Jahren Projektlaufzeit bleiben viele Fragen offen. Mit einer Landtagsanfrage hat SVP-Abgeordneter Franz Locher nun versucht, Licht ins Dunkel zu bringen: Wann wird die Strecke Mals–Meran endlich wieder für die Fahrgäste geöffnet? Und was ist eigentlich mit den Kosten los?

„Das Projekt läuft seit 2016. Es ist an der Zeit, den Nutzerinnen und Nutzern verbindlich mitzuteilen, wann die Arbeiten abgeschlossen sein werden“, mahnt Locher. Tatsächlich gibt es Fortschritte: Bahnsteigverlängerungen, Streckenbegradigungen und rund 1.500 aufgestellte Masten sind erledigt. Doch seit der kompletten Sperrung der Strecke im Oktober 2025 müssen Fahrgäste auf einen umfangreichen Bus-Ersatzverkehr ausweichen – mit längeren Fahrzeiten und erheblichen Einschränkungen.

Die geplante Inbetriebnahme der modernisierten Strecke soll nun im April erfolgen, die neuen Niederflurzüge werden im Laufe des Jahres geliefert und zertifiziert. Ein Lichtblick für den Nahverkehr – doch der Preis ist nicht ohne: Die Elektrifizierung hat mittlerweile 85 Millionen Euro verschlungen, ursprünglich waren 56 Millionen veranschlagt. Eine Kostensteigerung, die Locher deutlich kritisiert: „Die veranschlagte Summe ist damit deutlich höher ausgefallen als ursprünglich geplant.“

Für den Abgeordneten ist klar: Projekte dieser Größenordnung dürfen keine Blackbox sein. „Eine komplette Streckensperre ist immer ein großer Einschnitt. Deshalb muss sie sorgfältig geplant werden. Verschiedene Szenarien sollten möglichst früh berücksichtigt werden, um bei Problemen rasch reagieren und transparent kommunizieren zu können.“

Hinter der nüchternen Bilanz klingt auch ein leichtes Unverständnis durch: Nach Jahren der Bauarbeiten und Verzögerungen erwarten die Bürgerinnen und Bürger endlich Verbindlichkeit, nicht nur Ankündigungen. Locher betont zwar den unbestrittenen Mehrwert der Bahn für den nachhaltigen Verkehr in Südtirol, gleichzeitig schwingt die Frage mit, ob Planung und Kommunikation wirklich „im Plan“ verlaufen – oder ob man hier einmal mehr auf Zeit spielt, während Pendler und Reisende das Nachsehen haben.

Am Ende bleibt die Botschaft klar: Die Vinschger Bahn soll Rückgrat des öffentlichen Verkehrs werden. Aber solange Zeitplan und Kostenentwicklung weiter schwanken, bleibt die Skepsis bei vielen Fahrgästen hoch – und die Schlagzeilen liefern weiterhin reichlich Zündstoff für die politische Diskussion.

Im Bild: Franz Locher/c-Ivo Corra