Ein Attentat, moralische Zweifel und die große Frage nach der Gerechtigkeit: Mit dem Schauspiel „Die Gerechten“ bringt das Tiroler Landestheater einen Klassiker der politischen Theaterliteratur auf die Bühne der Kammerspiele im Haus der Musik in Innsbruck. Die Premiere findet morgen, Samstag, 14. März 2026, um 19.30 Uhr statt.
Das Drama des französischen Schriftstellers und Literaturnobelpreisträgers Albert Camus basiert auf einem historischen Attentat auf den russischen Großfürsten Sergej Romanow. Eine Gruppe von Revolutionärinnen und Revolutionären plant einen Bombenanschlag auf den Vertreter des zaristischen Systems. Ihr Ziel: durch Gewalt eine gerechtere Welt erzwingen.
Im Mittelpunkt steht der junge Attentäter Iwan Kaljajew, gespielt von Ensemblemitglied Tommy Fischnaller-Wachtler. Fest überzeugt von der moralischen Legitimität seines Auftrags, nähert er sich der Kutsche des Großfürsten, bereit, die Bombe zu werfen. Doch als er zwei Kinder im Wagen entdeckt, sinkt sein Arm. Der Tod Unschuldiger lässt sich mit seinen Idealen nicht vereinbaren.
Zurück im Unterschlupf entbrennt eine hitzige Debatte innerhalb der Gruppe: Darf im Namen der Revolution jeder getötet werden – oder gibt es moralische Grenzen? Die Attentäter verschieben die Tat zunächst. Beim zweiten Versuch gelingt der Anschlag: Der Großfürst stirbt, Kaljajew wird verhaftet und später zum Tode verurteilt.
In den Gesprächen im Gefängnis verdichtet Camus die zentrale Frage seines Stücks: Kann Mord jemals gerecht sein? Das 1949 uraufgeführte Drama beleuchtet die Rechtfertigung von Gewalt – sowohl terroristischer als auch staatlicher – und zeigt Parallelen zu aktuellen politischen und gesellschaftlichen Konflikten.
Inszeniert wird die Produktion von der jungen Regisseurin Anne Mulleners, die am Tiroler Landestheater bereits mit ihrer Inszenierung von William Shakespeares „Was ihr wollt“ in der Spielzeit 2023/24 überzeugte. In ihrer neuen Arbeit richtet sie den Fokus auf die menschliche Suche nach Gerechtigkeit und die moralischen Abgründe politischer Entscheidungen.
Musikalisch begleitet wird die Aufführung live auf der Bühne vom Jazzmusiker Lukas Bamesreiter, der der Inszenierung eine zusätzliche atmosphärische Ebene verleiht.
Zum Ensemble gehören außerdem Daniela Bjelobradić als Dora Dulebow, Christoph Kail als Stepan Fjodorow, Patrick Ljuboja als Alexej Woinow, Stefan Riedl als Boris Annenkow sowie Alexandra Pippan als Großfürstin. Bühne und Kostüme gestalten Vibeke Andersen und Chani Lehmann, die Dramaturgie verantwortet Sonja Honold.
Die Aufführung dauert rund zwei Stunden und 15 Minuten inklusive Pause. Weitere Vorstellungen sind unter anderem am 18., 20., 25. und 28. März sowie bis 3. Juni 2026 geplant. Nach der Vorstellung am 28. März findet zudem ein Publikumsgespräch im Foyer der Kammerspiele statt.
Im Bild: Die Gerechten/© Cordula Treml