Nach der großflächigen Rodung eines Teils des letzten Auwalds im Eisacktal üben die Gemeinderatsfraktionen Team K Brixen und GBL/AES scharfe Kritik am Vorgehen der Verantwortlichen. Sie sprechen von einer „Nacht- und Nebelaktion“, bei der innerhalb weniger Stunden unumkehrbare Fakten geschaffen worden seien.
Am vergangenen Freitag sei ein beträchtlicher Teil des Auwalds bei Brixen gerodet worden. Laut den beiden Fraktionen sei damit eine Naturlandschaft zerstört worden, die über rund hundert Jahre gewachsen sei. Besonders kritisiert wird das Tempo der Umsetzung: Der umstrittene Beschluss der Landesregierung zur Änderung des Bauleit- und Landschaftsplans sei erst am Donnerstag im Amtsblatt der Region veröffentlicht worden. Bereits am darauffolgenden Morgen seien noch vor Tagesanbruch Bagger angerückt, um mit den Rodungsarbeiten zu beginnen.
Team K und GBL/AES sehen darin einen schwerwiegenden Eingriff in grundlegende rechtsstaatliche Prinzipien. Durch die sofortige Umsetzung sei die gesetzliche Rekursfrist von 60 Tagen faktisch ausgehebelt worden. Zwar habe das Verwaltungsgericht inzwischen eine vorläufige Aussetzung der Vollstreckbarkeit verfügt, ein endgültiges Urteil stehe jedoch noch aus. Ein Großteil der bis zu 40 Meter hohen Bäume sei inzwischen gefällt worden. Damit sei auch das Habitat zahlreicher Vogelarten zerstört worden, darunter Arten, die vom Aussterben bedroht sind.
Der Direktor der Abteilung Natur, Landschaft und Raumentwicklung, Florian Zerzer, der die Rodungsgenehmigung erteilt hatte, erklärte, dass Wiederherstellungsmaßnahmen möglich seien. Für die Fraktionssprecherin von Team K, Sabine Mahlknecht, ist diese Aussage jedoch kaum nachvollziehbar. Sie stellt infrage, ob man den Menschen, die sich über Jahre hinweg für den Erhalt des Auwalds eingesetzt hätten, mit solchen Argumenten ernsthaft überzeugen wolle. Die Vorstellung, ein gewachsenes Ökosystem dieser Größe einfach wiederherstellen zu können, erscheine aus ihrer Sicht unrealistisch.
Auch die GBL/AES sieht Verantwortung bei der beteiligten Firma sowie bei der Gemeindeverwaltung. Fraktionssprecher Markus Frei wirft der Firma Progress Group vor, gegen eigene Umweltauflagen verstoßen zu haben. Demnach seien die Schlägerungsarbeiten sowohl in der Dämmerungszeit als auch außerhalb der vorgesehenen Fristen durchgeführt worden – im Widerspruch zu den Vorgaben des unternehmenseigenen Umweltberichts.
Zudem kritisiert die Grüne Bürgerliste das Verhalten des Bürgermeisters von Brixen, Peter Jungmann. Er habe seine Rolle als Vermittler und Garant für die Einhaltung von Vereinbarungen nicht ausreichend wahrgenommen. Eine E-Mail der Fraktionen, in der bereits im Vorfeld vor einer möglichen kurzfristigen Rodungsaktion gewarnt worden sei, sei unbeantwortet geblieben. Dadurch habe man zugelassen, dass vollendete Tatsachen geschaffen werden konnten.
Nach Ansicht der Kritiker habe die Vorgehensweise nicht nur einen irreparablen Schaden für die Umwelt verursacht, sondern auch der Glaubwürdigkeit des beteiligten Unternehmens erheblich geschadet. Verwunderung äußern die Gemeinderätinnen und Gemeinderäte zudem über eine Aussage des Bürgermeisters, wonach sich ihm nicht erschließe, was an dem Gebiet besonders schützenswert sei. Damit stelle er indirekt mehrere unabhängige Expertengutachten infrage, die den ökologischen Wert des Auwalds hervorgehoben hätten.
Die unterzeichnenden Gemeinderatsmitglieder – Verena Stenico, Markus Frei, Barbara Wielander, Sabine Mahlknecht, Elisabeth Fulterer und Verena Waldboth – fordern nun eine sachliche Aufarbeitung der Vorgänge und mehr Respekt gegenüber unabhängigen Fachgutachten sowie gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern, die sich für den Schutz des Auwalds eingesetzt haben.