Frauentag mit politischen Botschaften: Forderungen nach Gleichstellung, Sicherheit und mehr Anerkennung

Der Internationale Frauentag am 8. März ist auch in Südtirol Anlass für zahlreiche politische Stellungnahmen. Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Verbänden und Institutionen erinnern daran, dass Gleichberechtigung trotz vieler Fortschritte noch lange nicht erreicht ist. Themen wie Lohnunterschiede, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Gewalt gegen Frauen und politische Teilhabe stehen dabei im Mittelpunkt.

Die Senatorin der SVP, Julia Unterberger, warnt im Vorfeld des Frauentages vor einem geplanten staatlichen Reformschritt: „Wenige Tage vor dem 8. März will das Ministerium für Chancengleichheit mit einem Legislativdekret die Gleichstellungsrätinnen auf regionaler Ebene abschaffen.“ Stattdessen solle eine zentrale Stelle in Rom geschaffen werden. Unterberger fordert, diesen Schritt zu überdenken: „Die Gleichstellungsrätinnen vor Ort sind eine wichtige Anlaufstelle im Kampf gegen Diskriminierung am Arbeitsplatz.“

Gerade regionale Ansprechpartnerinnen seien entscheidend, da sie Frauen bei Problemen wie Lohnungleichheit, Mutterschaft, prekären Arbeitsverhältnissen, Mobbing oder sexueller Belästigung unterstützen. Die Senatorin verweist zudem auf strukturelle Ungleichheiten: 2024 lag die Erwerbsquote von Frauen in Italien bei 53,3 Prozent, während sie bei Männern 71,1 Prozent betrug. Frauen seien häufiger in Teilzeit beschäftigt und verdienten durchschnittlich 25 Prozent weniger als Männer. Diese Unterschiede setzten sich bis ins Rentenalter fort.

Auch die Südtiroler Landtagsabgeordnete Waltraud Deeg erinnert daran, dass Frauenrechte weltweit weiterhin unter Druck stehen. Besonders in Kriegs- und Krisengebieten seien Frauen und Mädchen häufig von Gewalt, Vertreibung und Ausbeutung betroffen. „Der internationale Tag der Frau erinnert uns daran, dass Gleichberechtigung kein lokal begrenztes Thema ist, sondern ein globaler Auftrag“, betont Deeg.

Zugleich verweist sie darauf, dass auch in Südtirol weiterhin Unterschiede bestehen: Frauen verdienen im Durchschnitt weniger, sind in Führungspositionen unterrepräsentiert und leisten den Großteil der unbezahlten Care-Arbeit. Der Frauentag sei daher „kein Feiertag, sondern ein Auftrag“, aktiv an mehr Chancengleichheit zu arbeiten.

Der Landesbeirat für Chancengleichheit erinnert in diesem Zusammenhang an ein historisches Jubiläum: 80 Jahre Frauenwahlrecht in Italien. Erst 1946 konnten Frauen erstmals an nationalen Wahlen teilnehmen. Dieser Meilenstein sei ein hart erkämpfter Erfolg der Frauenbewegung. Gleichzeitig mahnt der Beirat, dass weltweit noch kein Land vollständige Gleichstellung erreicht habe und bereits errungene Rechte teilweise wieder infrage gestellt würden.

Auch gesellschaftliche Organisationen greifen das Thema auf. Der Katholische Familienverband Südtirol hebt die Rolle von Frauen im Familienleben, im Ehrenamt und in der Gesellschaft hervor. Präsidentin Sieglinde Aberham betont, dass gerade im Ehrenamt viele Frauen eine zentrale Rolle spielen und oft unsichtbare Care-Arbeit leisten. Diese Arbeit verdiene mehr öffentliche Anerkennung.

Politische Forderungen kommen auch von anderen Parteien. Die Landtagsabgeordnete der Süd-Tiroler Freiheit, Myriam Atz, verweist auf die Mehrfachbelastung vieler Frauen: Beruf, Kindererziehung und Pflege von Angehörigen würden häufig gleichzeitig bewältigt. Sie fordert eine stärkere Anerkennung von Erziehungs- und Pflegezeiten im Rentensystem, damit Frauen im Alter keine finanziellen Nachteile erleiden.

Auch die Freiheitlichen sehen politischen Handlungsbedarf. Für sie steht vor allem die Sicherheit von Frauen im Mittelpunkt. Gewalt gegen Frauen müsse konsequent verfolgt und Opfer stärker geschützt werden, betont Parteiobmann Roland Stauder. Gleichzeitig dürfe Frauenpolitik nicht auf einen einzigen Tag im Jahr reduziert werden.

Der Internationale Frauentag macht damit deutlich, dass Gleichstellung weiterhin eine zentrale gesellschaftliche Herausforderung bleibt. Trotz Fortschritten bestehen strukturelle Unterschiede in Arbeitsmarkt, Einkommen, politischer Repräsentation und sozialer Absicherung. Viele Stimmen sind sich daher einig: Der 8. März soll nicht nur ein Symboltag sein, sondern ein Anlass, konkrete politische Veränderungen voranzutreiben.