Viel Dialog, wenig Lohn? Südtirols Bildungswelt wartet auf konkrete Antworten

1383 Rückmeldungen, zahlreiche Anregungen, viele Erwartungen – und mindestens ebenso viele offene Fragen. Zwischen 14. November und 31. Dezember hatte die Südtiroler Bildungswelt Gelegenheit, sich im Rahmen einer Online-Impulsbefragung zum Status quo zu äußern. Heute präsentierte Bildungslandesrat Philipp Achammer gemeinsam mit Bildungsdirektor Gustav Tschenett erste Tendenzen – und kündigte die nächsten Schritte im sogenannten Bildungsdialog an.

Die Botschaft war erwartbar: Die Herausforderungen seien enorm, die Ansprüche an das Bildungssystem hoch. „Bildung ist geteilte Verantwortung“, betonte Achammer. Schule könne nicht allein alle gesellschaftlichen Probleme lösen. Ein Satz, dem wohl viele zustimmen – und der doch einen wunden Punkt berührt. Denn während man sich politisch auf die geteilte Verantwortung beruft, bleibt eine Frage auffallend konstant ungelöst: Warum passt die Bezahlung der Lehrpersonen seit Jahren nicht zu genau diesen „enormen Ansprüchen“?

Bildungsdirektor Tschenett formulierte das Ziel des Prozesses diplomatisch: Man wolle ermitteln, welche Rahmenbedingungen geschärft werden müssten, um die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen zu verbessern. Kurz-, mittel- und langfristige Maßnahmen seien geplant. Derzeit sichtet eine Arbeitsgruppe die Ergebnisse der Umfrage. Darin vertreten sind – per Zufallsauswahl durch das Landesstatistikinstitut ASTAT – Lehrpersonen aller Schulstufen, dazu Gewerkschaften, Schulführungskräfte sowie die Vorsitzenden der Lehrerverbände KSL und ASM.

Es ist ein strukturierter Prozess, keine Frage. Doch viele Lehrkräfte dürften sich fragen, wie oft sie ihre Erfahrungen noch schildern müssen, bevor sich spürbar etwas ändert. Arbeitsbelastung, zunehmende Heterogenität in den Klassen, administrative Aufgaben, gesellschaftliche Erwartungen – all das wächst. Was nicht im gleichen Maß wächst, ist das Gehalt.

Gerade in Zeiten steigender Lebenshaltungskosten wird die Diskrepanz deutlicher. Südtirol verlangt von seinen Lehrpersonen Professionalität, Flexibilität, soziale Kompetenz, Inklusionsarbeit, Digitalisierungskompetenz – kurzum: höchste Qualität. Bezahlt wird jedoch weiterhin auf einem Niveau, das im Vergleich zu anderen akademischen Berufen kaum konkurrenzfähig ist. Wer vom „Schärfen der Rahmenbedingungen“ spricht, kommt am Thema Entlohnung nicht vorbei.

Nach einer Rückmelderunde in den Bezirken soll am 18. September in Bozen eine groß angelegte Dialogveranstaltung stattfinden. Der Bildungsdialog läuft parallel zu den laufenden Vertragsverhandlungen und zu einem geplanten Sammelgesetz, das im Sommer seinen legislativen Weg antreten soll. Auch hier also: Prozesse, Gespräche, Perspektiven.

„Kindergarten und Schule dürfen nicht weiter überlastet werden“, so Achammer. Ein richtiger Satz. Doch Überlastung misst sich nicht nur an Stundenplänen und Klassengrößen, sondern auch an Wertschätzung – und die drückt sich eben nicht ausschließlich in wohlklingenden Worten und Dialogformaten aus, sondern ganz konkret im Lohnzettel.

Die 1383 Rückmeldungen zeigen, dass die Bereitschaft zum Mitdenken groß ist. Die Bildungswelt ist dialogbereit. Nun wird sich zeigen, ob die Politik auch bereit ist, jene Rahmenbedingungen zu schaffen, die wirklich zählen – und ob am Ende mehr herauskommt als ein weiterer Bericht. Denn eines ist klar: Gute Bildung kostet. Und wer sie ernsthaft will, muss auch bereit sein, jene angemessen zu bezahlen, die sie täglich möglich machen.

Im Bild: Philipp Achammer/c-Fabio Brucculeri