Kaum eskaliert die nächste Krise im Nahen Osten, schnellen die Energiepreise wieder in die Höhe. Nach den jüngsten Angriffen der USA und Israels auf den Iran sind die Gaspreise laut aktuellen Entwicklungen um rund 45 Prozent gestiegen – mit unmittelbaren Folgen auch für den Strompreis in Italien, der bekanntlich direkt an den Gaspreis gekoppelt ist. Ein Mechanismus, der jedes Mal aufs Neue zeigt, wie abhängig und verwundbar das System ist.
Für den Landtagsabgeordneten der Süd-Tiroler Freiheit, Bernhard Zimmerhofer, ist klar: „Wir erleben immer wieder dieselbe Spirale – internationale Konflikte führen zu explodierenden Energiepreisen, und die Bürgerinnen und Bürger zahlen die Rechnung.“ Zimmerhofer fordert deshalb erneut sofortige und gezielte Maßnahmen der Landesregierung, um die Energieautarkie Süd-Tirols endlich entschlossen voranzutreiben.
Das Szenario, das derzeit über den Märkten schwebt, ist brisant: Sollte der Iran die Straße von Hormus blockieren – eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten für die weltweite Ölversorgung – wären die globalen Auswirkungen massiv. Für hoch verschuldete Staaten und energieabhängige Regionen könnte das dramatische Folgen haben. Doch auch ohne vollständige Eskalation zeigt sich bereits jetzt, wie sensibel das System reagiert – und wie wenig Spielraum Regionen wie Süd-Tirol tatsächlich haben.
Für Zimmerhofer ist es unverständlich, dass man trotz wiederkehrender Krisen noch immer nicht ausreichend vorgesorgt habe. Hohe Energiepreise seien ein zentraler Treiber für steigende Lebenshaltungskosten und den schleichenden Verlust an Wettbewerbsfähigkeit heimischer Betriebe. „Wir reden seit Jahren über Autonomie, aber bei der Energie – einer der zentralsten Fragen unserer Zeit – hängen wir weiterhin am Tropf externer Märkte“, so der Tenor seiner Kritik.
Dabei wirkt die Situation auf den ersten Blick paradox: Südtirol produziert zwischen 6,8 und 8,6 Terawattstunden Strom pro Jahr, überwiegend aus erneuerbarer Energie, vor allem Wasserkraft. Der eigene Verbrauch liegt bei rund 3,1 Terawattstunden. Das Land ist also klarer Nettoexporteur von grünem Strom – und dennoch zahlen Haushalte und Unternehmen mitunter die höchsten Strompreise Europas. Eine Diskrepanz, die viele Bürger kaum mehr nachvollziehen können.
Zimmerhofer fordert daher nicht nur den schnellstmöglichen Ausstieg aus fossilen Brennstoffen, sondern auch die Einrichtung einer eigenen Energiepreisregulierungsbehörde für Südtirol. Dass dies rechtlich möglich sei, würden laut Süd-Tiroler Freiheit auch namhafte Rechtswissenschaftler wie Peter Hilpold von der Universität Innsbruck und Paolo Piva von der Universität Padua bestätigen.
Unterstützung sieht die Partei zudem in der grundsätzlichen Ausrichtung des Süd-Tiroler Energieverband, der sich für eine klimaneutrale, bürgernahe und demokratische Energiewirtschaft starkmacht. Doch zwischen programmatischen Zielsetzungen und konkreten politischen Entscheidungen klafft bislang eine spürbare Lücke.
Die wiederkehrenden Energiepreisschocks werfen daher eine unangenehme Frage auf: Wie viele Krisen braucht es noch, bis Energieautarkie nicht nur als Schlagwort, sondern als strategische Priorität behandelt wird? Solange Südtirol zwar grünen Strom produziert, aber die Preise nicht selbst steuern kann, bleibt die vielzitierte Unabhängigkeit in einem zentralen Bereich reine Theorie.
Und die nächste Krise kommt bestimmt.
Im Bild: Bernhard Zimmerhofer