Nachdem vor einigen Tagen in der Tageszeitung über die Einstiegsgehälter für Akademikerinnen und Akademiker in Südtirol berichtet wurde, meldet sich nun der Katholischer Familienverband Südtirol (KFS) mit einer klaren Stellungnahme zu Wort. Der Verband begrüßt die damalige Berichterstattung ausdrücklich und unterstützt die darin zitierten Aussagen von Tony Tschenett. Die Diskussion komme zur richtigen Zeit und greife ein zentrales gesellschaftliches Anliegen auf.
Wie aktuelle Erhebungen – unter anderem eine Studie des Beratungsunternehmens Mercer – zeigen, stehen viele junge, gut ausgebildete Menschen beim Berufseinstieg vor erheblichen finanziellen Herausforderungen. In einem Hochpreisgebiet wie Südtirol seien faire und angemessene Einstiegsgehälter keine freiwillige Zusatzleistung, sondern eine grundlegende Voraussetzung für Chancengleichheit, Lebensqualität und Zukunftssicherheit.
Der KFS betont, dass junge Fachkräfte nur dann im Land gehalten werden können, wenn ihnen echte Perspektiven geboten werden. Dazu gehörten Gehälter, die es ermöglichen, Miete und Lebensunterhalt eigenständig zu bestreiten und ein würdevolles Leben aufzubauen. Dauerhafte finanzielle Unsicherheit gefährde hingegen die langfristige Bindung an den Standort.
KFS-Präsidentin Sieglinde Aberham warnt vor den Folgen mangelnder Attraktivität des Arbeitsmarktes: Faire Einstiegsgehälter seien eine Investition in junge Menschen und in künftige Familien. Wer heute beim Einkommen spare, riskiere morgen Abwanderung, soziale Spannungen und eine Verschärfung des demografischen Wandels. Wer wolle, dass junge Menschen in Südtirol eine Familie gründen, müsse ihnen auch die wirtschaftlichen Voraussetzungen dafür schaffen.
In dieselbe Richtung argumentiert Margareth Mair Engl, Leiterin des Fachausschusses Familienpolitik im KFS. Investitionen in Berufsanfängerinnen und -anfänger stärkten nicht nur den Wirtschaftsstandort, sondern auch das Fundament einer nachhaltigen Familienpolitik. Sicherheit durch faire Löhne sei eine zentrale Voraussetzung für gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Besonders die Privatwirtschaft sieht der Verband in der Pflicht. Unternehmen sollten qualifizierten Berufseinsteigerinnen und -einsteigern wettbewerbsfähige Gehälter anbieten. Eine strukturelle Anhebung der Einstiegsgehälter sei langfristig nachhaltiger und volkswirtschaftlich sinnvoller, als später mit kostspieligen Maßnahmen gegen die Abwanderung gut ausgebildeter Arbeitskräfte reagieren zu müssen.
Ein weiterer Aspekt betrifft Praktika. Diese sollten pensionsrechtlich anerkannt, mit klaren Arbeitsverträgen versehen und angemessen entlohnt werden. Junge Menschen leisteten bereits in dieser Phase wertvolle Arbeit und übernähmen Verantwortung – faire Bedingungen seien daher eine Frage der Gerechtigkeit und des Respekts.
Für den KFS ist klar: Südtirol braucht motivierte und engagierte junge Menschen – in Wirtschaft, Gesellschaft und Familien. Damit sie bleiben, müssten die Rahmenbedingungen stimmen. Faire Einstiegsgehälter seien dabei ein entscheidender Baustein. Wirtschaft und Politik seien gleichermaßen gefordert, gemeinsam Verantwortung zu übernehmen und in die Zukunft des Landes zu investieren.
Im Bild: Sieglinde Aberham/© KFSKH Sollbauer