Al momento stai visualizzando Schätze des Wissens: ULB Tirol übernimmt die historischen Bibliotheken der Servitenkonvente Innsbruck und Volders

Schätze des Wissens: ULB Tirol übernimmt die historischen Bibliotheken der Servitenkonvente Innsbruck und Volders

Ein Stück Tiroler Kultur- und Geistesgeschichte hat eine neue Heimat gefunden: Die Universitäts- und Landesbibliothek Tirol (ULB Tirol) hat die historischen Bibliotheken der Servitenkonvente Innsbruck und Volders in ihren Bestand aufgenommen. „Wir sind sehr dankbar, diese wertvollen Sammlungen übernehmen zu dürfen. Damit kann die ULB Tirol ihr Profil als zentrale Gedächtnisinstitution des Landes weiter stärken“, betont Bibliotheksleiterin Eva Ramminger.

Die Schenkungen folgen einem gemeinsamen Anliegen: Eine fachgerechte Betreuung, Erhaltung und wissenschaftliche Erschließung der Bücher sicherzustellen – und zugleich ihre Zugänglichkeit für Forschung und Öffentlichkeit zu gewährleisten. Für die ULB Tirol stellen die beiden Bibliotheken eine außergewöhnliche Bereicherung dar. „Ihre vielschichtige Herkunftsgeschichte und die zahlreichen Bestandverflechtungen erweitern unsere Altbuchbestände auf einzigartige Weise – sowohl inhaltlich als auch kulturhistorisch“, erläutert Peter Zerlauth von der Abteilung für Sondersammlungen.

Die Servitenbibliothek Innsbruck blickt auf eine über vierhundertjährige Geschichte zurück. Sie wurde 1611 von Anna Caterina Gonzaga, der zweiten Gemahlin Erzherzog Ferdinands II., gestiftet und wuchs in den folgenden Jahrhunderten durch Legate bedeutender Tiroler Persönlichkeiten stetig an. Ihr Schatz umfasst über 200 Inkunabeln sowie rund 500 Handschriften aus dem 15. bis 19. Jahrhundert. Bereits seit 2008 als Dauerleihgabe in der ULB Tirol verwahrt, ging sie nun – nach Unterzeichnung des Schenkungsvertrags im Dezember 2025 – offiziell in den Besitz der Bibliothek über.

Auch die Bibliothek des Servitenkonvents St. Karl in Volders fand 2025 ihren Weg nach Innsbruck, nachdem das dortige Kloster aufgelöst wurde. Ihr Ursprung reicht in die Gründungszeit des Konvents Ende des 17. Jahrhunderts zurück. Der Schwerpunkt des Bestandes liegt im 18. Jahrhundert, umfasst aber auch Werke aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Neben theologischer Literatur finden sich dort juristische, medizinische, historische und philologische Werke – ein Spiegel des breit gefächerten geistigen Lebens des Ordens. Besonders hervorzuheben sind Provenienzen aus Adels- und Klosterbibliotheken sowie das umfangreiche Legat des Servitenpaters Caspar Maria Künigl (1699–1770).

Beide Sammlungen dokumentieren eindrucksvoll das kulturelle und wissenschaftliche Wirken des Servitenordens in Tirol und stellen ein herausragendes Zeugnis des schriftlichen Erbes des Landes dar.

Dieses Erbe wird nun auch digital greifbar gemacht. Im Rahmen des vom Bundesministerium für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport geförderten Programms Kulturerbe digital 2024–2026, das durch Mittel des EU-Fonds NextGenerationEU unterstützt wird, werden die mittelalterlichen Handschriften der Innsbrucker Sammlung derzeit gemeinsam mit dem Institut für Klassische Philologie und Neulateinische Studien der Universität Innsbruck sowie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften wissenschaftlich erschlossen und online zugänglich gemacht.

Als Zeichen der Dankbarkeit lud Eva Ramminger die Provinzvertreter P. Anthony Raj OSM und Fr. Fero Bachorik OSM zu einem Empfang in die ULB Tirol ein. Bei dieser Gelegenheit erhielten die Ordensvertreter Einblicke in die konservatorischen Maßnahmen und Digitalisierungsarbeiten – ein Symbol dafür, dass diese Bücher, einst in klösterlicher Stille bewahrt, heute neue Wege in die Zukunft finden.

Mit der Übernahme der Servitenbibliotheken tritt die ULB Tirol einmal mehr als Hüterin und Vermittlerin Tiroler Kulturgutes hervor – ein lebendiges Gedächtnis, das die Vergangenheit bewahrt, um sie neu erzählen zu können.

Bibliotheksleiterin Eva Ramminger dankte Provinzial P. Anthony Raj OSM und Prior Fr. Fero Bachorik OSM für die Überlassung dieser herausragenden Sammlungen, die durch ihren Umfang, ihre thematische Vielfalt und zahlreiche qualitätsvolle Werke bestechen. 

Copyright: ULB Tirol