Am 4. Februar 2026 wird weltweit der Weltkrebstag begangen. Unter dem erweiterten Motto „Gemeinsam einzigartig: Prävention, Individualisierung, Hoffnung“ rückt erneut der Mensch in den Mittelpunkt – mit seiner persönlichen Geschichte, seinen individuellen Bedürfnissen und seiner Hoffnung. Das Motto vereint drei zentrale Bereiche, die die moderne Krebsmedizin heute prägen: Vorbeugung, maßgeschneiderte Behandlung und Zuversicht.
Für die Südtiroler Krebshilfe stehen diese Werte seit jeher im Zentrum ihrer Arbeit. Präsidentin Maria Claudia Bertagnolli betont: „Die moderne Krebsversorgung verfolgt zunehmend einen ganzheitlichen Ansatz, bei dem der Mensch im Mittelpunkt steht. Hinter jeder Diagnose steht eine einzigartige Geschichte – und genau diese Individualität wollen wir respektieren und stärken. Prävention, maßgeschneiderte Medizin und psychoonkologische Unterstützung sind entscheidend, um Betroffene und ihre Familien zu begleiten und zu entlasten.“
Besonders der Bereich der Prävention spielt dabei eine zentrale Rolle. Internationale Analysen des World Cancer Research Fund und der WHO zeigen, dass 30 bis 50 Prozent aller Krebserkrankungen auf beeinflussbare Lebensstilfaktoren zurückzuführen sind. Dazu zählen vor allem Ernährung, Bewegung, Körpergewicht und Alkoholkonsum. Prim. Dr. Michael Kob vom Dienst für Diätetik und klinische Ernährung am Krankenhaus Bozen bringt es klar auf den Punkt: „Eine pflanzenbetonte Ernährung, tägliche Bewegung und ein gesundes Körpergewicht sind die wirksamsten Mittel, um das persönliche Krebsrisiko nachhaltig zu reduzieren.“ Übergewicht und Adipositas gelten heute als Risikofaktoren für mindestens dreizehn Tumorarten. Bereits kleine Veränderungen im Alltag – weniger verarbeitetes und rotes Fleisch, mehr ballaststoffreiche Lebensmittel oder ein bewusster Umgang mit Alkohol – können das Risiko deutlich senken. „Prävention ist unmittelbar wirksam und für jede und jeden zugänglich“, unterstreicht Kob.
Parallel dazu entwickelt sich die individualisierte Krebsmedizin mit großer Dynamik weiter. Dr. Gilbert Spizzo, Medizinischer Leiter des onkologischen Day Hospitals am Krankenhaus Brixen, beschreibt einen grundlegenden Wandel in der Onkologie: weg von standardisierten Therapieschemata, hin zu einer Medizin, die genetische Profile, molekulare Tumormerkmale und individuelle Stoffwechselsignaturen berücksichtigt. „Die Onkologie bewegt sich hin zu Therapien, die die biologische Einzigartigkeit jedes Menschen einbeziehen“, erklärt Spizzo. Dank Fortschritten in Genomik, Molekularpathologie und digitaler Medizin sind heute diagnostische Präzision und therapeutische Strategien möglich, die vor wenigen Jahren noch undenkbar gewesen wären. Die Zukunft liege in der Verknüpfung biologischer Daten mit klinischer Erfahrung, um Behandlungen so individuell zu gestalten wie die Menschen selbst.
Wie wichtig Prävention, Früherkennung und individualisierte Medizin sind, zeigt ein Blick auf die aktuellen epidemiologischen Daten in Südtirol. Dr. Guido Mazzoleni, Volontär beim Tumorregister Südtirol und Präsident des Ärztebeirates der Südtiroler Krebshilfe, analysierte den Zeitraum von 2018 bis 2024. In diesen Jahren wurden jährlich durchschnittlich 3.065 neue Krebsfälle registriert. Männer sind mit 1.684 Fällen pro Jahr häufiger betroffen als Frauen mit 1.381 Fällen. Bei Männern ist Prostatakrebs mit 25 Prozent die häufigste Tumorerkrankung und liegt damit deutlich über dem nationalen Durchschnitt. Es folgen Blasen-, Darm- und Lungenkrebs. Bei Frauen steht Brustkrebs mit 29 Prozent an erster Stelle, gefolgt von Darm- und Lungenkrebs.
Auch die Mortalitätszahlen verdeutlichen die Dringlichkeit weiterer Maßnahmen: Zwischen 2020 und 2024 starben jährlich durchschnittlich 1.189 Menschen in Südtirol an einer Tumorerkrankung. Einen entscheidenden Beitrag zur Reduktion dieser Zahlen leisten Screeningprogramme, die eine frühzeitige Diagnose ermöglichen. Im Jahr 2024 nahmen 59 Prozent der Bevölkerung an der Mammographie teil, 36,1 Prozent am Zervixkarzinom-Screening und lediglich 28,6 Prozent am Darmkrebs-Screening. „Diese Zahlen zeigen klar, dass wir die Zugänge vereinfachen und die Teilnahmebereitschaft erhöhen müssen“, betont Mazzoleni. Effiziente Terminorganisation, einfache Abläufe und gezielte Information seien dabei zentrale Hebel.
Seit über vier Jahrzehnten setzt sich die Südtiroler Krebshilfe dafür ein, Betroffene und ihre Familien bestmöglich zu unterstützen – mit psychoonkologischer Begleitung, therapeutischen Maßnahmen, sozialer Hilfe und zahlreichen entlastenden Angeboten. Ihr Handeln folgt dabei stets einem klaren Grundsatz: die Krankheit zu behandeln, aber vor allem den Menschen zu sehen.
Zum Abschluss richtet Präsidentin Bertagnolli einen eindringlichen Appell an die Öffentlichkeit: „Bitte helfen Sie mit, die Botschaft von Prävention, Individualisierung und Hoffnung weiterzutragen. Nur gemeinsam können wir das Bewusstsein stärken und einen wirksamen Beitrag im Kampf gegen Krebs leisten.“
Im Bild v.l.n.r: Maria Claudia Bertagnolli, Dr. Guido Mazzoleni, Dr. Gilbert Spizzo und Dr. Michael Kob