„Geschichte und Region“ untersucht, wie lokale Kontexte das Handeln der Polizei nach 1945 prägten.
Wie unterschiedlich Polizeien agieren können – abhängig davon, wo sie handeln –, zeigt das neue Themenheft der Bozner Zeitschrift „Geschichte und Region“, das am 23. Jänner im Alten Rathaus Bozen vorgestellt wird. Unter dem Titel „Polizei(en) und Raum nach dem Zweiten Weltkrieg“ legen die Herausgeber Martin Göllnitz und Michele Di Giorgio einen Band vor, der deutsche und italienische Polizeien seit 1945 im regionalen Vergleich betrachtet.
Der Blick richtet sich auf die Räume, in denen Polizei ihre Arbeit verrichtet – und darauf, wie lokale gesellschaftliche und politische Bedingungen ihre Praktiken prägen. „Die Polizei ist keine homogene Institution, sie agiert immer in konkreten räumlichen Kontexten“, betonen die Herausgeber.
Die sechs Beiträge des Bandes führen von Sizilien bis West-Berlin, von der Partisanenpolizei im Trentino bis zur Protestkontrolle in Rom. Sie zeigen, wie unterschiedlich Ordnung verstanden, umgesetzt und wahrgenommen wurde. So beleuchtet Coco auf Sizilien die Spannungen zwischen zentralistischen Vorgaben und lokalen Realitäten, während Gardumi im Trentino den institutionellen Übergang der unmittelbaren Nachkriegszeit analysiert. Rossol betrachtet Verkehrsregelung in München und Düsseldorf als gesellschaftlichen Aushandlungsprozess, Fimiani zeigt in Rom die politische Aufladung polizeilicher Spezialeinheiten. Schmeer untersucht das West-Berliner Modell der bürgernahen Kontaktbereichsbeamten, Mecking schließlich vergleicht Wahrnehmungen der Polizei in Ost- und Westdeutschland anhand zweier Großeinsätze 1989 und 1992.
Das Themenheft knüpft an das Profil von „Geschichte und Region“ an, einer zweisprachigen Bozner Zeitschrift, die seit über drei Jahrzehnten Brücken zwischen der deutsch- und italienischsprachigen Geschichtsschreibung schlägt – stets mit dem Fokus auf vergleichender Regionalgeschichte.
Die öffentliche Präsentation des Heftes findet am Freitag, 23. Januar, um 18:30 Uhr im Alten Rathaus Bozen (Lauben 30) statt. Die Herausgeber Michele Di Giorgio und Martin Göllnitz diskutieren mit der Polizeigeschichte-Expertin Laura Di Fabio über die Ergebnisse.
Der Eintritt ist frei.