Mehr Zeit im Kindergarten? Ja – aber mit Herz, Qualität und Fairness

Der Katholische Familienverband Südtirol (KFS) bekennt sich klar zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Für viele Familien ist eine Kindergartenbetreuung bis 17 Uhr längst keine Frage von Bequemlichkeit mehr, sondern eine zentrale Voraussetzung, um Erwerbsarbeit und Familienleben realistisch miteinander verbinden zu können. Diese gesellschaftliche Realität braucht Anerkennung – und verantwortungsvolle politische Antworten.

Gleichzeitig mahnt der KFS zur notwendigen Differenzierung. „Eine Ausweitung der Betreuungszeiten darf nicht auf Kosten der pädagogischen Qualität und nicht auf dem Rücken der Pädagoginnen und Pädagogen erfolgen. Das Wohl der Kinder muss stets oberste Priorität haben“, betont KFS-Präsidentin Sieglinde Aberham. Seit Jahren werde zugesichert, dass längere Öffnungszeiten nur gemeinsam mit verbesserten Rahmenbedingungen umgesetzt werden: ausreichend qualifiziertes Personal, faire und klar geregelte Arbeitszeiten, verlässliche Schutzmaßnahmen sowie die Sicherung pädagogischer Qualität. Diese Zusagen seien richtig und notwendig gewesen.

Umso größer ist die Sorge des Familienverbandes, wenn nun ein Anspruch auf Betreuung bis 17 Uhr angekündigt wird, ohne dass diese strukturellen Voraussetzungen flächendeckend gewährleistet sind. Flexible Abdeckungsmodelle dürften nicht darüber hinwegtäuschen, was sie im pädagogischen Alltag bedeuten können. Personelle Engpässe führen zu Überlastung, zu Phasen eingeschränkter Begleitung und langfristig zu Qualitätseinbußen – mit negativen Folgen für Kinder, Familien und das pädagogische Personal gleichermaßen.

Deutlich positioniert sich der KFS auch gegen eine gesellschaftliche Debatte, in der Eltern – insbesondere Mütter – unter moralischen Rechtfertigungsdruck geraten. „Familien brauchen Wahlfreiheit. Sie müssen selbst entscheiden können, welches Betreuungsmodell zu ihrer Lebenssituation passt“, unterstreicht Margareth Mair Engl, Vorsitzende des KFS-Fachausschusses Familienpolitik. Kinder am Nachmittag betreuen zu lassen bedeute nicht, sie „abzugeben“, sondern Verantwortung unter den Bedingungen einer modernen Arbeitswelt zu übernehmen. Diese Verantwortung werde von Müttern und Vätern gemeinsam getragen – und von der Gesellschaft mitverantwortet.

Ein zeitgemäßer Kindergarten kann verlängerte Öffnungszeiten pädagogisch hochwertig gestalten. Voraussetzung dafür sind jedoch ausreichende personelle Ressourcen, angemessene Gruppengrößen und Arbeitsbedingungen, die den gestiegenen Anforderungen gerecht werden. Nur so entsteht ein verlässliches Angebot, das Familien echte Wahlfreiheit ermöglicht und Kindern Kontinuität, Qualität und Geborgenheit bietet.

Der Appell des Katholischen Familienverbandes Südtirol ist klar: Familienpolitik und Bildungspolitik dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Maßnahmen zur Stärkung von Familien müssen gleichzeitig jene stärken, die täglich Verantwortung für Kinder übernehmen. Deshalb spricht sich der KFS ausdrücklich für verlängerte Kindergartenöffnungszeiten aus – aber nur dann, wenn sie mit ausreichenden Investitionen, mit Respekt gegenüber dem pädagogischen Personal und mit dem Wohl der Kinder im Zentrum umgesetzt werden.

Im Bild: KFS-Prasidentin Sieglinde Aberham/© KFS KHSollbauer