Für viele Studierende gehören Zeitdruck, Prüfungen und Selbstmanagement zum Studienalltag. Nicht alle können diese Herausforderungen problemlos alleine bewältigen. Genau hier setzt S-AAL an: die Serviceeinrichtung für Studierende mit Aufmerksamkeitsstörungen, Autismus und Lernstörungen an der Universität Innsbruck. Auf Antrag von Wissenschaftslandesrätin Cornelia Hagele stellt das Land Tirol bis 2027 mehr als 160.000 Euro für dieses in Österreich einzigartige Projekt bereit. „Die Serviceeinrichtung S-AAL ist ein doppelter Gewinn: Studierende erhalten niederschwellig und kostenlos Unterstützung bei Belastungen im Studium – und gleichzeitig werden neue Erkenntnisse für psychologische Diagnostik und Beratung gewonnen“, betont Hagele. Das Zusammenspiel von Wissenschaft und sozialer Verantwortung macht S-AAL zu einem Vorzeigeprojekt für Tirol und ganz Österreich.
Seit dem Start im November 2021 hat sich S-AAL zu einem Leuchtturmprojekt der deutschsprachigen Hochschullandschaft entwickelt. Die Einrichtung ist fakultätsübergreifend, kostenlos und niederschwellig zugänglich. Allein in den letzten beiden Studienjahren wurden 539 Studierende mit rund 900 erbrachten Leistungen begleitet – eine Verdreifachung gegenüber den Anfangsjahren. Die Nachfrage nach Unterstützung bleibt hoch. „Es ist unsere Pflicht, Verantwortung für die Menschen zu übernehmen, die an unseren Hochschulen lernen und arbeiten“, so Hagele. S-AAL steht nicht nur Studierenden der Universität Innsbruck offen, sondern grundsätzlich allen Studierenden von Tiroler Universitäten und Hochschulen.
Neben klassischen Verdachtsfällen auf ADHS, Autismus-Spektrum-Störungen oder Lernentwicklungsstörungen können sich Studierende auch bei anderen studienbezogenen Herausforderungen an S-AAL wenden, etwa bei Prüfungsangst oder starkem Prokrastinationsverhalten. Mit Hilfe der Landesförderung werden die bestehenden Leistungen ausgebaut: Neben Beratung und Diagnostik werden nun auch Kurzzeit-Interventionsangebote angeboten, die speziell auf den universitären Kontext zugeschnitten sind. Projektleiterin und klinische Psychologin Verena Dresen beschreibt dies als entscheidende Erweiterung des Leistungsangebots.
S-AAL verbindet als Lehr- und Forschungsambulanz klinische Praxis mit wissenschaftlicher Arbeit. Der Bedarf ist hoch: ADHS und Lernentwicklungsstörungen betreffen im Erwachsenenalter bis zu sieben Prozent der Bevölkerung, bei Autismus liegt das Vorkommen bei etwa einem Prozent. Unbehandelt entwickeln bis zu 80 Prozent der Betroffenen weiterführende psychische Belastungen wie Depressionen, Burnout oder Angststörungen. Studierende können sich auf der Website von S-AAL informieren und unverbindlich einen Termin vereinbaren. Anschließend steht es ihnen frei, eine klinisch-psychologische Diagnostik wahrzunehmen. Für eine langfristige Versorgung vermitteln die Expertinnen und Experten Kontakte zum niedergelassenen Bereich oder zu Angeboten wie der Psychologischen Studierendenberatung und dem Psychosozialen Krisendienst.
„Wir dürfen nicht zulassen, dass Studierende an psychischen Belastungen und unbehandelten Symptomen scheitern. S-AAL schließt diese Versorgungslücke und hilft, Studienabbrüche zu verhindern. Für viele ist dies der erste Schritt zu einem unbeschwerteren Studienalltag“, betont Hagele. Mit der Förderung von Projekten wie S-AAL setzt das Land Tirol gezielt Akzente in der heimischen Forschungs- und Hochschullandschaft. 2025 wurden rund sieben Millionen Euro in Wissenschaft und Forschung investiert, darunter 55 Nachwuchsprojekte mit über einer Million Euro Förderung. „Nachwuchsforschung ist die Grundlage für die Spitzenforschung von morgen und sichert langfristig den Wissenschaftsstandort Tirol“, erklärt Hagele. Die nächste Ausschreibung der Tiroler NachwuchsforscherInnenförderung findet vom 1. Februar bis 15. März 2026 statt.
Foto: Auf Antrag von LRin Cornelia Hagele fördert das Land Tirol S-AAL (Serviceeinrichtung für Studierende mit Aufmerksamkeitsstörungen, Autismus und Lernstörungen an der Universität Innsbruck) bis 2027 mit mehr als 160.000 Euro/© Land Tirol/Sedlak