Über die Welt hinaus: Der Blaue Reiter im Lenbachhaus München neu entdeckt

Erma Bossi, Bildnis Marianne von Werefkin, um 1910, Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München /Lenbachhaus Munich, Dauerleihgabe der / Permanent loan from Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung, München, © Rechtsnachfolge

Ab 10. März 2026 öffnet das Lenbachhaus in München seine Türen für eine beeindruckende Ausstellung, die die visionäre Künstlergruppe Der Blaue Reiter in den Mittelpunkt rückt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts formierte sich in München ein Kreis von Künstlerinnen und Künstlern, die die Kunst erneuern und die Gesellschaft verändern wollten. Zwei zentrale Ausstellungen der Redaktion Der Blaue Reiter 1911–12 sowie das gleichnamige Jahrbuch etablierten die Bewegung als Teil eines weltweiten, epochen- und gattungsübergreifenden Kunstschaffens.

Die Schau beleuchtet nicht nur die ästhetischen Errungenschaften, sondern auch das Netzwerk des Austauschs, das kulturelle Unterschiede als kreative Ressource nutzte. In einem transnationalen Dialog – vom Deutschen Kaiserreich über Frankreich bis ins Russische Reich und in die USA – entstanden neue Bildsprachen für eine sich wandelnde Welt. Viele Künstlerinnen und Künstler lebten unkonventionelle Lebensentwürfe, hinterfragten Geschlechterrollen und experimentierten mit Formen jenseits bürgerlicher Normen.

Besonderes Augenmerk gilt den Künstlerinnen der Bewegung: Gabriele Münters expressive Malerei, Elisabeth Epsteins ausdrucksstarke Selbstporträts, Marianne von Werefkins dramatische Gemälde und Maria Franck-Marcs Stillleben und utopische Kinderwelten zeigen, wie zentral Frauen im Blauen Reiter wirkten. Neben den bekannten Meisterwerken von Franz Marc, Wassily Kandinsky und Paul Klee präsentiert die Ausstellung auch bedeutende Neuzugänge zur Sammlung des Lenbachhauses, darunter Wilhelm Morgners großformatige Abstraktionen sowie sozialkritische Werke von Emmy Klinker und Albert Bloch.

Mit über 150 Arbeiten eröffnet die Ausstellung neue Perspektiven auf eine der bedeutendsten Bewegungen der europäischen Avantgarde und zeigt, wie aktuell ihre Fragen nach Emanzipation, ästhetischer Praxis und gattungsübergreifenden Innovationen auch heute sind. Kunst wurde für den Blauen Reiter stets als Botschaft verstanden, nicht nur als Formproblem – eine Haltung, die Else Lasker-Schüler 1911 in ihrem Gedicht treffend mit den Worten zusammenfasste: „Über die Welt hinaus.“

Die Ausstellung findet im Rahmen der Vorbereitungen zum Jubiläum „100 Jahre Lenbachhaus 1929 / 2029“ statt und ist eine Kooperation des Lenbachhauses mit der Gabriele Münter- und Johannes-Eichner-Stiftung, unterstützt vom Förderverein Lenbachhaus e. V. Kuratiert wird die Schau von Melanie Vietmeier und Matthias Mühling, assistiert von Johannes Michael Stanislaus.

Zu sehen sind Werke von Albert Bloch, Erma Bossi, Wladimir Burljuk, Heinrich Campendonk, Robert Delaunay, Elisabeth Epstein, Maria Franck-Marc, Alexej von Jawlensky, Wassily Kandinsky, Paul Klee, Emmy Klinker, Moissey Kogan, August Macke, Franz Marc, Wilhelm Morgner, Gabriele Münter, Jean Bloé Niestlé und Marianne von Werefkin.

Im Bild: Franz Marc, Kühe, rot, grün, gelb, 1911, Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München / Lenbachhaus Munich