Soziale Weichenstellung in Bozen: Land und Gewerkschaften verhandeln über neue Spielregeln im öffentlichen Dienst

Bei einem Treffen gesternin Bozen haben sich Personallandesrätin Magdalena Amhof und die Gewerkschaftsvertretungen auf eine klare politische Linie verständigt: Der bereichsübergreifende Kollektivvertrag soll 2026 nicht nur erneuert, sondern gezielt modernisiert werden – mit einem Fokus auf dringend umsetzbare Maßnahmen und sozialpolitische Signalwirkung.

Im Zentrum der Gespräche stand der Vorschlag, einzelne, besonders dringliche Neuerungen vorzuziehen und separat zu verhandeln. Allen voran die vorzeitige Auszahlung der Abfertigung an das Landespersonal, ein Thema, das seit Jahren auf der Agenda steht. „Das Pensionsamt ist bereit für die Umsetzung, aber wir brauchen dafür noch eine entsprechende Regelung im Kollektivvertrag“, betonte Amhof. Vorgesehen ist die Einrichtung eines Fonds, der eine sofortige Auszahlung der Abfertigung bei Dienstaustritt ermöglicht. Das Modell soll zunächst als Pilotprojekt in der Landesverwaltung starten und in einem zweiten Schritt – sofern erfolgreich – auf weitere Bereiche des öffentlichen Dienstes ausgeweitet werden.

Ein weiterer zentraler Punkt betrifft den Inflationsausgleich. Gemeinsam mit den Gewerkschaften will das Land künftig genauer festlegen, welcher Inflationsindex die reale Preisentwicklung auf Landesebene widerspiegelt. Ebenso sollen Zeitpunkte und Fristen für die Auszahlung der entsprechenden Anpassungen klar geregelt werden – ein Schritt, der mehr Transparenz und Planungssicherheit für die Beschäftigten bringen soll. Ziel ist es, den neuen bereichsübergreifenden Kollektivvertrag bis Sommer 2026 auszuarbeiten, um die Finanzierung über den Nachtragshaushalt sicherzustellen.

Parallel dazu kündigte Amhof weitere arbeits- und gesellschaftspolitisch relevante Vorhaben an: die Erneuerung der Kollektivverträge für die Berufsfeuerwehr und das Forstpersonal des Landes sowie eine Reallohnerhöhung und grundlegende Überarbeitung der Verträge für das Lehr- und Erziehungspersonal, sowohl des Landes als auch der Schulen staatlicher Art.

Die Gespräche markieren damit mehr als nur den Auftakt zu neuen Vertragsverhandlungen. Sie zeigen den Versuch, soziale Dringlichkeiten, finanzielle Machbarkeit und strukturelle Reformen miteinander zu verbinden – und den öffentlichen Dienst in Südtirol schrittweise an die veränderten wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen anzupassen.

Im Bild: Magdalena Amhof/c-LPA/Bernhard Aichner