Am Internationalen Welttag des Ehrenamts am 5. Dezember sagen die 13 im Netzwerk vereinten Südtiroler Weltläden Danke: 272 Freiwillige investieren jedes Jahr über 36.000 Ehrenamtsstunden, das sind mehr als 19 Vollzeitstellen. Sie schenken Zeit, Engagement und Überzeugung und sorgen seit 45 Jahren dafür, dass der Faire Handel in Südtirol lebt.
Seit viereinhalb Jahrzehnten sind die Weltläden zwischen Neumarkt und Sterzing und von Latsch bis Toblach erste Adresse für alle Menschen, die bewusst und solidarisch konsumieren wollen. Zusammengehalten werden sie von jenen Menschen, die oft im Hintergrund wirken: den Freiwilligen. Rund 36.300 Ehrenamtsstunden pro Jahr zeigen eindrucksvoll, wie breit das Engagement getragen wird. Zu den 272 Freiwilligen zählen überwiegend Frauen, aber immer öfter kommen auch Männer dazu; ein Zeichen dafür, dass Fairer Handel generationen- und geschlechterübergreifend Menschen berührt.
Um dieses Engagement zu stärken, bieten die Südtiroler Weltläden kontinuierlich Weiterbildung und Austausch an. So nahmen Ende Oktober 64 Freiwillige an einer Lehrfahrt nach Verona und Vicenza teil: Der Besuch bei CTM Altromercato bot spannende Einblicke in Lagerlogistik, Handelspartnerschaften und Produktverkostungen. Besonders beeindruckte der Partnerbetrieb Reverse, der Inhaftierten durch die Produktion von Möbeln und Designobjekten neue Perspektiven gibt. Das Progetto Quid zeigte, wie benachteiligte Frauen aus recycelten Stoffen stilvolle Mode schaffen. Im vergangenen Jahr führte die Lehrfahrt nach Ravensburg zur Fairhandelsorganisation WeltPartner, im Jahr davor zu den Produzent*innen von fairer Bio-Pasta Girolomoni in den Marken. Freiwillige vertiefen ihre Beratungskompetenz zudem bei Workshops: etwa zu Stil- und Farbberatung, bei Gewürz-Kochkursen oder Seminaren zur Stressbewältigung. Diese Angebote machen das Ehrenamt nachhaltig und stärken die Teams.
Ein Beispiel für die Kraft junger Freiwilliger ist Magdalena Stürz aus Bozen, Jahrgang 1998 und seit 2025 Vorstandsmitglied des Weltladens Bozen. „Der Weltladen ist für mich kein Laden im klassischen Sinn, sondern Treffpunkt und Gemeinschaft“, sagt sie. Mit Sorgfalt und Mitdenken stärkt sie das Team und zeigt, dass Fairer Handel nicht nur Konsum, sondern Haltung und Sinnstiftung ist.
Das Netzwerk der Südtiroler Weltläden verbindet Geschichte mit Zukunft: Der erste Weltladen Italiens wurde vor 45 Jahren in Brixen gegründet und wurde zum Impulsgeber für 300 Weltläden in ganz Italien, die in der Folge entstanden. Seit 13 Jahren sorgt Brigitte Gritsch, Koordinatorin der Südtiroler Weltläden, für Organisation, Vernetzung und einen starken gemeinsamen Auftritt. „Ohne die vielen Freiwilligen gäbe es den Fairen Handel in Südtirol nicht in dieser Form“, betont sie. Der Faire Handel ist eine Handelspartnerschaft, aufgebaut auf Transparenz, Respekt und fairen Bedingungen. Durch faire Preise, langfristige Beziehungen und faire Löhne stärken die Weltläden Produzent:innen im Globalen Süden und bieten Kund:innen in Südtirol eine Alternative zum oft ausbeuterischen Welthandel.
Am 5. Dezember, zum Welttag des Ehrenamts, richten die Verantwortlichen der Südtiroler Weltläden ihren Dank an all jene, die mit ungezählten Stunden, Herzblut und Überzeugung dafür sorgen, dass diese Vision lebendig bleibt.