Der neue Blick auf Keramik im Südtiroler Künstlerbund 

Mit der umfangreichen Ausstellung „Un – limited world CERAMICS“ beleuchtet der Südtiroler Künstlerbund das Material Ton und zeigt: Keramik liegt im Trend. Die Kuratorinnen Eva Gratl, Eleonora Klauser Soldà und Lisa Trockner wollen den Blick für die facettenreiche Welt der Keramik öffnen, das als Material zunehmend auch in der zeitgenössischen Kunst Beachtung findet und von renommierten Künstlern und Künstlerinnen als Medium genutzt wird. Die Gruppenausstellung spiegelt die ungeheure Bandbreite von Ton als Werkstoff wider, seine Flexibilität und Gestaltungsvielfalt bis hin zu den technisch herausfordernden Grenzen, die er als Material setzt. Abwechslungsreich und innovativ interpretiert sprengt Keramik in dieser Schau das Handwerk und öffnet den Blick auf ein Medium, das immense Kreativität, Ausdrucksmöglichkeiten und großes Potential besitzt.  Raumgreifende Skulpturen, kleine Objekte, tollkühne Formen, Wandinstallationen, poetische Kreationen, formlos, fantasievoll verspielt, barock bewegt, radikal abstrakt, verletzlich, poetisch und nicht nur Gefäße und Vasen: Das Formenrepertoire der Ausstellung stellt dabei die Ausdruckskraft freier Keramik in den Vordergrund und belegt die Faszination für ein Material, das durch visuelle Effekte mutig die Tradition verlässt. Insgesamt 20 Positionen öffnen den Blick darauf, welche Spuren Hände im Ton hinterlassen, welche Formen für immer konserviert sind, welchen künstlerischen Freiraum das Material Ton öffnet. 

Zwei historische Positionen, Maria Delago und Rudolf Moroder unterstreichen die lange künstlerische Tradition, welche die Keramik in unserem Land besitzt. Krüge, die in Bruneck in den Jahrzehnten vor dem ersten Weltkrieg hergestellt wurden, belegen das handwerkliche Können, die Funktionalität und Ästhetik der Gebrauchskeramik in Tirol. 

Angeregt hat die Ausstellung Veronika Thurin, welche seit 1993 in ihrem eigenen Keramikatelier in Bozen arbeitet, Im Mittelpunkt ihrer freien installativen Arbeiten stehen philosophische Überlegungen, in der Ausstellung das Wort „und“ als Synonym für Verbindung und verbunden sein. Edith Berger will uns mit Ton gut behütet durch die Welt schicken, Julian Burchia experimentiert und lässt sich vom Material intuitiv leiten, indem er seine Farbkraft in den Mittelpunkt stellt. Maria Burger vereint in ihren Arbeiten Handwerk, Tradition und Avantgarde, Daniela Chinellato verwendet den Ton, um mit Schrift und Wort die Besucher und Besucherinnen in die Ceramics -Schau einzuladen. Peter Chiusole verfremdet durch Materialtransformation, Beate Gatschelhofer (A) zeigt mit ihren installativen Arbeiten, wie frei und großformatig man mit Ton arbeiten kann. Hängend oder am Boden entfalten ihre keramischen Skulpturen einen besonderen Körperbegriff. Helene Kirchmair (A) unterstreicht die ungeheure Experimentierfreudigkeit mit dem Material, auch dass sie Edelweiß für immer konserviert. Mit den Werken von Frank Louis (D) betritt man in der Ausstellung einen scheinbar schwerelosen Raum, umgeben von Wolken – ein Ort, in dem das Ungreifbare Form annimmt. Der Künstler versucht, das Flüchtige in der festen Materie einzufangen. Der junge Künstler Tom Marseiler legt den Fokus auf die grenzüberschreitenden Erkundungen des Materials. Clara Mayr widmet sich in ihren Formen dem Tier, für Sergio Sommavilla ist der Kopf aus Ton die menschliche Essenz. Josef Rainer erweckt den Golem aus Lehm und Erde zu neuem Leben. Julia Schusters (A) Arbeiten untersuchen die komplexen Verbindungen zwischen Erde und dem menschlichen Körper. Luis Seiwald schaut weit zurück in die Etruskerzeit und erschafft schwarz-glänzende Bucchero-Keramik. Er macht uns installativ auch mit der Materialvielfalt der Keramik vertraut. Unkonventionell und ironisch aufgeladen sind die Objekte von Corinna Theuring (D). Elmar Trenkwalder (A) arbeitet seit über vierzig Jahren mit dem Material Ton. Fernöstlich angehaucht, monumental, und mit einem ungemeinen Spielreichtum der Form sind seine barocken Skulpturen weltweit in Ausstellungen und Galerien präsent. Gerade wegen seiner meisterhaften Technik nimmt er international eine einzigartige Position ein. Lucia Pizzani stammt aus Venezuela und verfremdet mit ihren keramischen Objekten symbolhaft Alltagsgegenstände.

Begleitet wird die Schau von Workshops der Künstler:innen Karolina Gacke, Helene Kirchmair und Veronika Thurin um die Besucher zur aktiven Teilnahme an der Schaffung und Betrachtung von Keramikkunst zu ermutigen. Peter Chiusole erweckt den historischen Kachelofen zu neuem Leben. 

Führungen durch die Ausstellung mit den Kuratorinnen und ggfls. den Künstler:innen werden angeboten. Die Termine werden jeweils rechtzeitig angekündigt.

VERNISSAGE 

29.8.2025, ore 19 Uhr SKB ARTES
29.8. – 7.11.2025