Am vergangenen 3. Januar wurde der sozialpolitische Flügel der Südtiroler Volkspartei unter dem neuen Namen Die soziale Mitte der SVP aktiv. Diese Namensänderung markiert den Beginn eines neuen Kapitels in der Geschichte der Organisation, die seit ihrer Gründung im Jahr 1975 soziale Gerechtigkeit und Solidarität in den Mittelpunkt ihrer Arbeit stellt.
Im Rahmen eines weitreichenden Prozesses der Neuausrichtung, der den sozialpolitischen Werten der Organisation treu bleibt und sie zugleich an die Herausforderungen der Gegenwart anpasst, erfolgt die Umbenennung. Die soziale Mitte repräsentiert eine Politik, die soziale Anliegen mit wirtschaftlicher Verantwortung und den Bedürfnissen der modernen Gesellschaft in Einklang bringt.
Die Vorsitzende Gabriele Morandell und ihre Stellvertreter/innen Andreas Pramstraller, Kunhilde von Marsoner und Hannes Unterhofer bilden den Landesvorstand der ehemaligen Arbeitnehmer.
Morandell erläutert in einem Interview mit unserer Zeitung, wie die Unbetitelung zustande kam und welche politischen Pläne für die nahende Zukunft anstehen.
„Neue Energie, neue Gestaltung. Wir sprechen nicht nur Arbeitnehmer an. Der alte Name hatte einen etwas negativen Beiklang“, betont die Vorsitzende der Sozialen Mitte und erinnert daran, dass die Namenssuche nicht leicht war.
Morandell hebt hervor, dass mittels der Sozialen Mitte innerhalb der Sammelpartei ein verstärkter Einsatz für soziale Themen wie Pflege, gemeinnütziger Wohnbau, Stipendien, Löhne und die Mittelschicht angestrebt werde.
“Die Lebenshaltungskosten in Südtirol sind eindeutig zu hoch. In der Gesamtheit ist weniger Geld vorhanden. Es gibt eine neue Maßnahme in der Wohnbauförderung, und der Mittelstand muss unterstützt werden“, ist Morandell überzeugt.
Gabriele Morandell hat die Zukunft im Blick, wenn es um die vielen einheimischen Studierenden geht, die Auslandserfahrungen sammeln und nicht immer in ihre Heimat zurückkehren.
„Eine Möglichkeit wäre, diese Studierenden intensiver zu fördern, vorausgesetzt, sie kehren nach Südtirol zurück und wenden hier ihre erlernten Fähigkeiten an“ – so Morandell, die betont, dass es konstruktiver Anreize bedarf, um Südtiroler Studierende in ihre Heimat zurückzubringen.
Auf die Frage, weshalb Meran keine universitäre Struktur aufweise, erinnert sich Morandell an die Überlegung, nach der Etablierung der Universität Bozen eine Zweigstelle der UNIBZ in der Passerstadt einzurichten, aus der allerdings nichts wurde. „Es ist zu beachten, dass die Mehrheit der Studierenden an der Universität Bozen aus dem Ausland kommt und vor allem daran interessiert ist, in Bozen zu studieren“, sagt Morandell überzeugt.
Im Gespräch werden, ganz im Sinne der von der Sozialen Mitte angestrebten Themen, die Altersarmut und der demografische Rückgang thematisiert.
„Südtirol steht im Vergleich zum übrigen Staatsgebiet noch recht gut da“, sagt die Vorsitzende der Sozialen Mitte und weist darauf hin, dass die Geburtenrate hierzulande höher ist als in ganz Italien. Morandell ist der Ansicht, dass Südtirol mit seinem sozialen System viele Menschen vor Altersarmut schützen kann und mit dem „Pflegegeld“ ein besonderes Instrument bietet, das sich von anderen Orten unterscheidet.
„Ein Aspekt, dem man in Zukunft unbedingt Beachtung schenken muss, ist die Vereinsamung unserer älteren Mitmenschen.“ „Dem müssen wir mit geeigneten Mitteln entgegenwirken“, erklärt Morandell, die plant, entweder am SVP-Sitz oder per Telefon regelmäßig Kontakt zu den Menschen aufzunehmen, um ein konkretes Bild von den Anliegen der Bürger/innen zu erhalten.
„Ich habe als ehemalige Volksanwältin Erfahrung im Umgang mit Menschen und im Zuhören, was von großer Bedeutung ist“, so Morandell abschließend. Sie möchte die Soziale Mitte verstärkt vernetzen und mit den Bezirken sowie Gemeindereferenten kooperieren.
Im Bild: Gabriele Morandell