Zum nunmehr vierten Mal kann in diesem Sommer eine Ausstellung im Kunstraum Jesuitenkirche in Hall bestaunt werden. Nach dem stillen Beginn ist „Antlitze“ des Südtiroler Bildhauers Sergio Sommavilla noch bis 14. September 2025 bei freiem Eintritt zu sehen. Zudem gibt es im Sommer Führungen für Erwachsene und Kinder.
Nach dem Haller Hellmut Bruch im Vorjahr ist der ausstellende Künstler diesmal ganz im Sinne des Euregio- und städtepartnerschaftlichen Gedankens der Brixner Bildhauer Sergio Sommavilla. „Antlitze“ bietet ein spannendes Aufeinandertreffen barocker und zeitgenössischer Kunst im sakralen Raum. Die archaisch anmutenden Köpfe von Sommavilla, gefertigt aus den unterschiedlichsten Materialien, beseelen die Jesuitenkirche auf eine mystische Weise.
Beim Preview der Ausstellung war Sergio Sommavilla in Hall zugegen, die eröffnenden Worte kamen von Stefanie Moser-Maier vom Organisationsteam Kunstraum Jesuitenkirche sowie dem Brixner Historiker Dr. Hans Heiss, ehemaliger Archivar am Südtiroler Landesarchiv Bozen, Leiter des Stadtarchivs Brixen und Abgeordneter zum Südtiroler Landtag. Die Brixner Kulturstadträtin Bettina Kerer und Halls Bürgermeister Christian Margreiter betonten in ihrer gemeinsamen Rede die Bedeutung der Ausstellung für die Euregio und hoben sie als starkes Zeichen für die wiederbelebte Städtepartnerschaft zwischen Brixen und Hall hervor.
Bis 14. September sind Sommavillas „Antlitze“ bei freiem Eintritt in der Haller Jesuitenkirche zu bestaunen. Am 1. und am 22. August (jeweils 16 Uhr) führt Anita Töchterle-Graber vom TVB Hall-Wattens durch die Kirche und Ausstellung. Zudem gibt es am 14. August und 4. September (jeweils 10 Uhr) eigene Kinderführungen mit Regina Hundegger. Zum Abschluss am 14. September (18 Uhr) tritt der Haller Chor Stimmsalz mit „Alles im Kopf“ in der Kirche auf.
Sergio Sommavilla wurde 1951 in Brixen geboren, wo er heute noch lebt und arbeitet. Er besuchte die Kunstschule in St. Ulrich (Gröden), nach dem Abschluss zog es ihn Ende der 1960er nach Venedig, um am Magistero d’Arte Bildhauerei zu studieren. Neben seiner künstlerischen Tätigkeit unterrichtete er von 1971 bis 2011 als Kunsterzieher an Südtiroler Mittelschulen. „In diesen 40 Jahren war es mir wichtig, die Kunst als praktische Fertigkeit darzustellen, um die Kreativität der Schülerinnen und Schüler zu fördern“, sagt Sommavilla. Seit 1983 stellt er seine Skulpturen im In- und Ausland aus.
„In den Jahrzehnten meines künstlerischen Schaffens war ich stets offen für alle möglichen Materialien, ob Terrakotta, Basalt, Holz, Sandstein oder Bronze. Bei der Auswahl des Materials verlasse ich mich meist auf meinen Instinkt und scheue auch keine Reisen in den Steinbruch des bekannten Carrara-Marmors oder ins Altmühltal westlich von Regensburg. Das Aussehen einer Skulptur ergibt sich während der Arbeit, dabei lasse ich mich von der Natürlichkeit des Materials beeinflussen.“
Die mit dem OEuvre Sommavillas vertraute Marlies Lüdtke schreibt folgendermaßen: „Wie bei einer Prozession, im Sinne eines ‚Gottesdienstes‘, die Kirche als Stätte der Begegnung implizierend, nehmen seine Skulpturen den Kirchenraum ein. In ihrer Schlichtheit ordnen sie sich problemlos der prachtvollen barocken Ausstattung der Haller Jesuitenkirche unter. Die Köpfe mit ihren mystisch meditativen Antlitzen fügen sich sinngebend in die Kirche ein, obschon sie nicht explizit für diesen Raum geschaffen wurden. Die Köpfe, aus Stein gemeißelt, aus Ton modelliert, teils engobiert und aus Holz gearbeitet, folgen einer langjährigen Auseinandersetzung des Künstlers mit seinem Sujet. Speziell der in sich ruhende Ausdruck suggeriert zunächst Anziehung, entzieht sich dann aber auch wieder, so dass Betrachtende in einen stillen Dialog mit sich und dem Objekt verfallen. Auf Stelen in Augenhöhe präsentiert, treten die Werke umso mehr als Bindeglied zwischen der realen Welt (den Betrachtenden) und dem Transzendenten (dem Göttlichen) in Erscheinung.“
„Diese Ausstellung ist keine, die mahnt, kritisiert oder verurteilt, sondern Vielfalt und das Schöne in den Vordergrund stellt. Sommavillas Köpfe in ihrer südländischen Leichtigkeit sollen den Betrachter zumindest für einen Moment die düstere Stimmung in der Welt vergessen lassen und vielleicht ein unbeschwertes Lächeln ins Gesicht zaubern“ sagt Mitveranstalter Gerhard Watzek. „Dennoch fordert die Anordnung der Prozession im Kirchenraum zum Nachdenken auf, und zwar über Dinge, die weit außerhalb des Fassbaren liegen. Oder einfach über sich selbst.“
Kunstraum Jesuitenkirche, noch bis 14.9.2025
Sergio Sommavilla – „Antlitze“
Öffnungszeiten: Donnerstag bis Samstag, 10 bis 18 Uhr und Sonntag, 13 bis 17 Uhr
Führungen Kirche & Ausstellung mit Anita Töchterle-Graber (TVB Hall-Wattens):
- und 22. August, jeweils um 16 Uhr (Dauer ca. 1 Stunde)
Kinderführungen (Mindestalter 7 Jahre) mit Regina Hundegger:
- August und 4. September, jeweils um 10 Uhr
- September, 18 Uhr: Chor Stimmsalz „Alles im Kopf“:
Klangflächen und Herzensstücke, Leitung: Maria Luise Senn-Drewes (Dauer ca. 35 Minuten)
Freier Eintritt bei allen Veranstaltungen.
Informationen: www.kunstraumjk-hall.at
Im Bild: Sergio Sommavilla