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Klimageschichte Indiens: Megadürren im Monsungebiet

21 Settembre 2022

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Klimageschichte Indiens: Megadürren im Monsungebiet

Ein internationales Forscher*innen-Team mit Beteiligung des Innsbrucker Geologen Christoph Spötl konnte anhand von Tropfsteinen erstmals den Monsun des letzten Jahrtausends im Nordosten Indiens im Detail rekonstruieren. Die heute niederschlagreichste Region der Erde durchlitt einst mehrere Megadürren mit massiven Hungersnöten. Damit bestätigt das Team nicht nur überlieferte Chroniken, sondern zeigt die potenziell große Dynamik von Monsunsystemen, deren Ausmaß sich durch den anthropogenen Klimawandel künftig noch weiter verstärken wird.

Der Bundesstaat Meghalaya im Nordosten Indiens gilt als die niederschlagsreichste Region der Erde mit etwa 11 Metern Niederschlag pro Jahr. Verursacht werden die enormen Regenmengen vor allem durch den indischen Sommermonsun, der in diesem Gebiet vom Meer kommend auf das Himalaya-Gebirge trifft und ausregnet. „Bleibt dieser Monsun allerdings aus, gibt es auch keine Ernte. Aus historischen Aufzeichnungen und Chroniken ist bekannt, dass es in den letzten Jahrhunderten immer wieder langanhaltende Dürren gab, die zu Hungersnöten aber auch immer wieder zu politischen Umwälzungen führten“, erklärt Christoph Spötl, Leiter der Arbeitsgruppe für Quartärforschung am Institut für Geologie der Universität Innsbruck. Seit Beginn der instrumentellen Messung von meteorologischen Daten im Jahr 1871 ist ein solches Ereignis allerdings nicht mehr dokumentiert worden. In der nun im Fachmagazin PNAS (Proceedings of the National Academy of Sciences) veröffentlichten Studie mit Leitautorin Gayatri Kathayat von der Xi’an Jiaotong University legt das Team nun eine präzise Rekonstruktion der Niederschlagsentwicklung des indischen Monsuns der letzten 1000 Jahre vor.

Tropfsteine als „Geschichtsbuch“

Die Daten für die Rekonstruktion des indischen Sommermonsuns lieferten Tropfsteine aus der Mawmluh-Höhle in Meghalaya. „Wir nutzen diese Höhlenablagerungen als Klimaarchiv, da darin bis teilweise sehr weit in die Vergangenheit hinein Schicht für Schicht Klimainformationen gespeichert sind, die uns erlauben, wie in einem Geschichtsbuch zu blättern. In dieser Höhle konnten wir gleich zwei sehr ‚gute‘ Stalagmiten finden: Sie ermöglichten uns einen Blick in die Entwicklung der indischen Monsunniederschläge des letzten Jahrtausends mit einer sehr genauen Auflösung bis hin zu einzelnen Jahren“, verdeutlicht Spötl. Dazu ermitteln die Forscher*innen Sauerstoffisotopen-Daten aus den Höhlen-Ablagerungen, die in Niederschlagsmengen „übersetzt“ werden können. Die Ergebnisse zeigen ein sehr dynamisches Bild, wie Christoph Spötl erklärt: „Seit Beginn der Aufzeichnungen mit Messgeräten war der Monsun relativ konstant. Wenn wir weiter in die Vergangenheit schauen, sehen wir allerdings, dass es im vergangenen Jahrtausend häufig zu langanhaltenden Dürreperioden kam und somit der Monsun fast komplett ausblieb.“ Die in den Tropfsteinen nachgewiesenen Extremereignisse decken sich auffällig mit historisch dokumentierten Dürren, Hungersnöten und großen geopolitischen Veränderungen in Indien. „Unsere Paläo-Daten zeigen aber auch, wie dynamisch Monsun-Systeme auf längeren Zeitskalen sein können. Da wir wissen, dass sich aufgrund des menschengemachten Klimawandels Extremereignisse bereits jetzt häufen ist mit massiven Überschwemmungen – auf lange Sicht allerdings auch möglicherweise mit Dürren zu rechnen, die sich wie in der Vergangenheit über mehrere Jahrzehnte ziehen können“, gibt Spötl zu bedenken. „Wir plädieren daher dafür, diese Erkenntnisse aus der Klimageschichte des größten Monsun-Systems der Welt sowohl in zukünftige Klimamodellierungen als auch in politische Entscheidungen für Anpassungsstrategien einfließen zu lassen“.

Arbeitsgruppe für Quartärforschung am Institut für Geologie der Universität Innsbruck

Publikation:

Protracted Indian Monsoon droughts of the past millennium and their societal impacts.
Gayatri Kathayata, Ashish Sinhab, Sebastian Breitenbach, Liangcheng Tand, Christoph Spötl et al., PNAS 2022, Vol. 119
DOI: 10.1073/pnas.2207487119

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