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Weitere Existenz Bozens als Unistadt nicht sicher

23 Marzo 2022

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Weitere Existenz Bozens als Unistadt nicht sicher

Der Vorstand der sh.asus teilt den Unmut der Leitung der Uni Bozen zur eskalierenden Wohnungsnot in der Landeshauptstadt, von der besonders Studierende betroffen seien. Direktor Günther Mathà schlägt Alarm: „Bozen kann vergessen, echte Universitätsstadt zu werden, solange man die notorisch bekannte Wohnungsnot nicht systematisch und strukturell angeht.“ Die Äußerungen der Uni seien keinesfalls überzogen, so die sh.asus, man brauche nur daran denken, dass bis zu 30% der Jugendlichen, die die Zugangstests zur Uni schaffen, ihren Studienplatz wieder absagen müssen – weil sie kein Dach über dem Kopf finden in der „Vorzeigeprovinz“ Südtirol. Gegen diesen Notstand müsse man auf mehreren Ebenen ankämpfen, sind sich Universitätsleitung und Studierendenvertretung einig.
Allein die öffentliche Hand – in erster Linie das Land, aber auch die Gemeinde – könne eine entscheidende Wende in der seit Jahren bekannten und eskalierenden Wohnungsnot in Bozen herbeiführen. „Der freie Wohnungsmarkt ist aus studentischer Sicht gescheitert“, resümiert der Vorsitzende der sh.asus Julian Nikolaus Rensi. Heimplätze seien Mangelware, und die Mietpreise für die wenigen verfügbaren Privatwohnungen ein Grund, die Landeshauptstadt schnellstens zu verlassen. Die Lage in Bozen könne man nicht mehr sich selbst überlassen. Zur Wahrheit gehöre aber auch, so die sh.asus, dass es von privater Seite durchaus Interesse gab und gibt, Studentenheime zu bauen, dass dieses Potenzial in Bozen aber politisch und administrativ eingehegt wurde. Die Bedenken der öffentlichen Hand, die zu dieser Blockadehaltung führten, dürften mit gesetzgeberischen Maßnahmen bald gelöst werden, was die sh.asus als deutlichen Fortschritt wertet (konkret geht es um das Recht der Gemeinde, Grundstücke, die Privaten für den Bau bzw. den Unterhalt von Studentenheimen übergeben werden, übers Grundbuch tatsächlich für lange Zeiträume hierfür zweckzubinden). Das mache Hoffnung. „Aber es wird nie so viele Heimplätze wie Studierende in Bozen geben, sodass die Politik sich auch mit dem Mietmarkt insgesamt befassen muss“, betont die Vizevorsitzende Ariane Benedikter. Es gehe den Studierenden also nicht nur darum, mehr Heimplätze zu haben, sondern auch leistbare Wohnungen beispielsweise für Wohngemeinschaften zu finden.
Unverständlich sei, so die Studierendenvertreter, dass die Landesregierung nicht die Gelegenheit der GIS-Reform nutzt, um spezifische Maßnahmen zugunsten von Eigentümern vorzusehen, die an Studierende vermieten. Hier hätte man Vergünstigungen vorsehen müssen, die Vermieter beanspruchen können, wenn sie zu einem vertretbaren Preis an Studierende vermieten – hiervon hätten die Studierenden im Land profitieren können. Im Interesse der auswärts studierenden Südtiroler, die einmal in die Heimat zurückkehren, wäre hingegen die Ausnahmeregel von der GIS-Erhöhung gewesen, die von der Opposition im Landtag eingebracht wurde (wer eine Zweitwohnung für Kinder, die studieren, freihält, ist von der Steuererhöhung ausgenommen). Dazu SH-Vorsitzender Rensi: „Das wäre zwar keine Maßnahme zur Bekämpfung der Wohnungsnot in Bozen, aber im Kampf gegen den Brain-Drain sinnvoll gewesen.“ Es sei auch hier wenig nachvollziehbar, warum die Mehrheit diesen Vorschlag nach anfänglicher Unterstützung fallen gelassen hat. „Grundsätzlich ist der Kampf gegen wuchernde Immobilienspekulation und für leistbares Wohnen genau der richtige Weg“, so der Vorsitzende Rensi, weshalb die sh.asus die GIS-Reform als im Kern progressiven Schritt unterstütze. Doch „bei der konkreten Ausgestaltung der Reform hätte man die Interessen junger Menschen nicht vergessen sollen.“
Mit der Existenz Bozens als für junge, talentierte Menschen attraktiven Studienstandort stehe nicht nur die weitere Entwicklung der Universität auf dem Spiel, so die sh.asus. Auch die Südtiroler Wirtschaft habe ein Interesse an qualifizierten Absolventen, die auf den lokal-regionalen Arbeitsmarkt gelangen und ihn dynamischer gestalten können. Und diese Akademiker werden, wenn sie sich überhaupt ein Studium im teuren Südtirol leisten können, womöglich in andere Gegenden abwandern, in denen Wohnen auch für Berufseinsteiger und ohne Erbschaft noch möglich ist. „Das Problem des Brain-Drain hängt also aufs engste mit der Wohnungsnot zusammen“, unterstreicht Ariane Benedikter. Nicht zu vergessen: Wenn Südtirol so teuer ist, dass junge Menschen wegziehen müssen, so erinnert das an die bitteren Jahre der Nachkriegszeit, als ebenfalls zahlreiche junge Menschen aus dem Land auswanderten, damals aus Mangel an beruflichen Perspektiven. Dieser Missstand dürfe sich – auch aus minderheitspolitischen Überlegungen – nicht wiederholen, so der Vorsitzende Rensi, und appelliert nochmals an die Politik, in Sachen Wohnungsnot energischer vorzugehen.

Im Bild: Julian Nikolaus Rensi, Vorsitzender der sh.asus

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