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Klausner Stadtgeschrei

16 Settembre 2021

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Klausner Stadtgeschrei

Am 25. September treten die sechs jungen Südtiroler Poetry Slammer*innen Moritz Anrater, Jasmin Gfader, Jakob Dellago, Aaron Kerschbaumer, Hannah Tonner und Eeva Aichner anlässlich des hundertjährigen Gedenkens an die Hochwasserkatastrophe in Klausen in die Fußstapfen der mittelalterlichen Stadtschreier und geben ab 12.00 Uhr stündlich ihre Texte lautstark in den Gassen und Plätzen von Klausen zum Besten.
Vor hundert Jahren stieg der Eisack über seine Ufer und überflutete die Kleinstadt Klausen. Die Zerstörung hinterließ ihre Spuren und an sie wird bis heute erinnert. Das Hochwasser markierte zwar keineswegs einen Endpunkt der Stadtgeschichte, doch die Klausner Bevölkerung sah sich vor der Herausforderung, die Katastrophe zu bewältigen. Dabei bot die Zerstörung auch die Möglichkeit neue Ordnungen und Räume zu schaffen. So wie schon seit Heraklit alles fließt, floss auch das Hochwasser ab. Von dieser Lebensmetapher ausgehend wollen wir uns mit der Zerstörungs- und Neuordnungsthematik auseinanderzusetzen. Am 25. September kommt es in den Gassen von Klausen zu einem gedanklichen Stadtgeschrei. Drei Poetry Slammerinnen und drei Slammer werden nach der Tradition der mittelalterlichen Stadtschreier, die lautstark Protokolle und wichtige Botschaften verkündeten, ab der Samstagssirene stündlich ihre Botschaften an unterschiedlichen Standorten kundtun. Sie werden den Zuhörer*innen persönliche Flusserfahrungen mitteilen.
Zwischendurch ziehen sich die Slammer*innen in die stillen (Gast)Stuben Klausens zurück, in denen sie den Nachmittag über gemeinsam an lyrischen und prosaischen Miniaturen arbeiten. Von 14.30 Uhr bis 15.45 Uhr findet in der Stadtbibliothek eine öffentliche Schreibwerkstatt mit den Slammer*innen statt. Interessierte aller Altersgruppen haben dort die Möglichkeit, Tipps und Anstöße für ihr eigenes Schreiben zu bekommen (Anmeldung erforderlich). In den geschlossenen Schreibklassen beschäftigen sich die Slammer*innen sich mit den abstrakten Auswirkungen und den produktiven Kräften von Zerstörungen. Die Ergebnisse sollen dann als Postkarten in Klausen aufgelegt werden.
So wird an diesem 25. September, einem der verkaufsoffenen Samstage, ein kulturell lebendiger Austausch mit der Stadt ermöglicht. Die Veranstaltung ist eine Initiative der Wirtschaftsgenossenschaft Klausen (und wird vom Bildungsauschuss Klausen, der Stiftung Sparkasse, dem Verein Amikaro sowie dem Hotel Walther von der Vogelweide unterstützt). Für die Organisation zeichnen Hannah Tonner und Eeva Aichner verantwortlich.
Die sechs Südtiroler Poetry Slammer*innen sind der amtierende Landesmeister Moritz Anrater, Jakob Dellago, Hannah Tonner und Eeva Aichner sowie Jasmin Gfader und Aaron Kerschbaumer aus Klausen:
Moritz Anrater, ist der amtierende Landesmeister und wurde 2004 in Meran/Untermais geboren. Anfang des Jahres machte ihn seine Mutter auf die Poetry Slam Landesmeisterschaft aufmerksam. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte er nur Erfahrung mit dem Rappen. So wurde er das erste Mal auf die Szene aufmerksam. In erster Linie brennt Moritz immer noch für die Musik. Gerade das Verfassen von Texten ergänzt sich mit seinem nachdenklichen Wesen. Außerhalb der Kunst ist er auch sehr sportbegeistert und besucht regelmäßig den Kickboxverein. Als Meraner hat er keine besondere Connection zu Klausen.
Jakob Dellago aus Brixen ist Jahrgang 1998. Er labert gern und die Leute hören ihm zu. Zurzeit beschäftigen ihn seine Projekte und seine Freunde – das Leben an sich. Mit Klausen verbindet er chillige Leute, Sonne, bunte Häuser und Klausen Beach.
Hannah Tonner wurde 2003 in Meran geboren und ist in Laurein am Deutschnonsberg aufgewachsen. Sie macht Poetry Slam, weil Worte die Brücken zwischen Menschen sind. Sie will Brücken bauen, nicht nur auf denen anderer spazieren gehen. Sie beschäftigt sich zurzeit mit allem. Oder zumindest mit sehr vielem. Auf jeden Fall nicht wenigem. Vor allem Frau zu sein in einer Welt, in der man als Mädchen nicht allein durch dunkle Straßen gehen kann. Vor allem jung zu sein in einer Welt, in der Kinder nicht ernst genommen werden. Vor allem verträumt zu sein in einer Welt, in der Visionen nichts wert sind. In Klausen hat sie das beste Eis ihrer Grundschulzeit geschleckt. Heute denkt sie oft an Zitronensorbet in den wunderschönen Gassen der Altstadt.
Eeva Aichner, geboren 1999, lebt in Bruneck und in Freiburg im Breisgau , macht Poetry Slams, weil es im Leben und auch in der Kunst keine Einbahnstraßen gibt. Sie beschäftigt sich zurzeit mit dem Thema Stadtgeschrei. Und der Kontext in dem diese Tradition steckt (der ist groß). Mit Klausen verbindet Sie eine enge Gasse, durch die Weltgeschichte gezogen ist.
Jasmin Gfrader wurde 2003 geboren – wohnt und lebt in der Megametropole Klausen. Mit Worten zu malen hat sie schon immer fasziniert. Texten, Reimen und “Drauf-los-Schreiben” sind ein fantastisches Mittel für Junge und Junggebliebene. Nicht nur setzt man sich mit sich selbst auseinander, sondern auch mit wichtigen Themen der Gesellschaft und Umwelt. Worte und die Sprache haben einen großen Einfluss auf den Menschen. Sie beschäftigt sich zur Zeit damit, dass man sehr viel Zeit damit verbringt, anderen zu gefallen und dabei vergisst, dass man sich selbst gefallen muss. Sich selbst kennen. Seine Schwächen und Stärken. Sie ist in Klausen aufgewachsen und dort in den Kindergarten, in die Grund- und Mittelschule gegangen. In der Musikschule hat sie mit Freunden ihre Leidenschaft zur Musik entwickelt.
Aaron Kerschbaumer ist 26 Jahre alt und lebt in Verdings bei Klausen. Poetry Slam ist für ihn wie Zeichnen. Man kann mit Sprache und Wörter Bilder schaffen. Ihn beschäftigt zurzeit am meisten der Wandel in der Gesellschaft und wie wir mit Krisen umgehen. Klausen ist für ihn ein noch ungeschliffener Diamant, der seiner Meinung aber auch nicht geschliffen werden muss, denn die unperfekten Sachen sind oft die perfektesten.

Im Bild: Aaron Kerschbaumer

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