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Vor 60 Jahren errichtete die SED eine tödliche Mauer mitten durch Berlin

13 Agosto 2021

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Vor 60 Jahren errichtete die SED eine tödliche Mauer mitten durch Berlin

Von Pius Leitner 

Gerade einmal zwei Monate war die Aussage des DDR-Staatsratsvorsitzenden Walter Ulbricht alt, dass niemand die Absicht hege, eine Mauer zu errichten, als am 13. August 1961, vor nunmehr 60 Jahren, das SED-Regime mit der Errichtung einer Mauer mitten durch Berlin begann.
Dieses Ereignis stellt nicht nur eine Zäsur in der Deutschland-Politik dar, sondern insgesamt in der Europapolitik und im Ost-West-Konflikt. Die Zeit des Kalten Krieges, die Politik von NATO und Warschauer Pakt bestimmten Jahrzehnte lang das Leben der Menschen auf dem europäischen Kontinent. Auf der einen Seite standen die Staaten unter dem Einfluss der von den USA postulierten freien Marktwirtschaft, auf der anderen Seite die Staaten im Einflussbereich der sozialistischen Sowjetunion. Neben anderen politischen Krisen waren im Jahr 1961 auch die Ereignisse in Südtirol („Feuernacht“) von internationaler Bedeutung.
Die Menschen jenseits des Eisernen Vorhangs litten unter der Freiheitsberaubung und dem Regime sozialistischer Regierungen im Schatten der UdSSR. Volksaufstände (DDR 1953, Ungarn 1956, Tschechoslawakei 1968) wurden gewaltsam niedergeschlagen. Aus der DDR flohen bis 1961 fast 3 Millionen Menschen, vor allem junge. Dieser Aderlass bewog die SED-Führung dazu, mit einer Mauer die Grenze abzuriegeln. Damit hat Ulbricht, „ohne einen einzigen Schuss abzugeben, 17 Millionen Gefangene gemacht“. Diesem „DDR-Witz“ gegenüber steht allerdings die traurige Tatsache, dass in den 28 Jahren zwischen Mauerbau und Mauerfall 140 Tote an der Grenze und weitere 250 Reisende aus Ost und West während oder nach Kontrollen an Berliner Grenzübergängen zu beklagen sind.
In diesen Tagen erfahren wir in Reportagen viele Einzelheiten über die Hintergründe, die zu den Ereignissen vor 60 Jahren geführt haben. Dies ist gerade für junge Menschen wichtig, weil sie dadurch auch die Folgewirkungen in einem anderen Licht sehen und besser verstehen. 28 Jahre Trennung haben Wunden hinterlassen, welche die Generationen nach dem Mauerfall heilen müssen. Gerade in der heutigen Zeit, wo selbst notwendige Einschränkungen als Freiheitsberaubung und als Diktatur bezeichnet werden, sollten wir daran denken, was wirkliche Diktaturen den Menschen abverlangt haben.
Dem Bau der Mauer folgten 28 Jahre der Unterdrückung und der Bevormundung und eine Wiedervereinigung beider deutscher Staaten schien unmöglich. Noch wenige Wochen vor dem Mauerfall wurde die Widervereinigung als utopisch, illusorisch und gefährlich bezeichnet – je nach Betrachtungsweise. In Erinnerung geblieben sind mir vor allem die Aussagen des damaligen italienischen Ministerpräsidenten Giulio Andreotti, der noch 1990 sagte: „Der großdeutsche Traum muss überwunden werden. Es gibt zwei deutsche Staaten und zwei deutsche Staaten sollen es bleiben.“ Zur Erinnerung: Derselbe Andreotti hatte 1984 als Außenminister der deutschen Bundesregierung „Pangermanismus“ mit der Begründung vorgeworfen, sie halte immer noch an der deutschen Wiedervereinigung als Ziel fest. Diese Aussage „korrigierte“ er kurz darauf und sagte, er habe die Tiroler Andreas-Hofer-Feiern in Innsbruck gemeint. 1984 gedachten die Tiroler mit einem großen Festumzug des 175. Jahrestages des Aufstands unter Andreas Hofer gegen Napoleon.
Die Aussage aus der Zeit vor der deutschen Wiedervereinigung „Deutschland haben wir so gern, dass wir am liebsten zwei davon haben“ wird britischen Kreisen zugeschrieben.
Als 1989 mit dem Mauerfall die deutsche Wiedervereinigung Wirklichkeit wurde, regten sich auch in Südtirol Stimmen und Hoffnungen bezüglich einer Wiedervereinigung Tirols. Die deutsche Wiedervereinigung hatte eine große Ausstrahlungskraft auf Tiroler diesseits und jenseits des Brenners. Die historische Parallele war naheliegend (Andreotti hatte sie sehr wohl verstanden). Aus dieser Stimmung heraus bildete sich 1991 ein Promotorenkomitee für die Abhaltung einer Kundgebung auf dem Brenner unter dem Motto „Nachdenken über Tirol“. An dieser Großkundgebung am 15. September 1991 beteiligten sich an die 10.000 Menschen. Es wehte mehr als ein „Selbstbestimmungslüftchen“, es gab eine Aufbruchstimmung, die allerdings von der offiziellen Politik, wenn nicht erstickt, so doch unterdrückt wurde. Diesen Druck bekam auch Ferdinand Willeit, damals Obmann-Stellvertreter der SVP, zu spüren. In einem später als „Willeit-Brief“ bezeichneten Dokument stellte er die Frage, ob man nicht formell in Rom die Selbstbestimmung fordern sollte. Mehrere Promotoren der Brennerkundgebung, darunter der seinerzeitige Obmann der Jungen Generation in der SVP, Christian Waldner, gründeten 1992 die Südtiroler Freiheitlichen, deren Obmann ich von 1994 bis 2012 sein durfte.
Als damaliger Landeskommandant der Schützen und als Mitglied des Promotorenkomitees „Nachdenken über Tirol“ möchte ich auch an dieses Ereignis erinnern. Es steht in Zusammenhang mit der deutschen Wiedervereinigung, nicht zuletzt aber auch mit der Zeit der Trennung vorher. Um es mit dem vor 20 Jahren verstorbenen Ideologen der Lega Nord Gianfranco Miglio zu sagen: „Ein Volk kann in einer Demokratie mit dem nötigen Willen alles erreichen, selbst die Angliederung an einen anderen Staat oder die Schaffung eines neuen“. Auf was warten wir?

Foto/c-Bundesarchiv, Berlin, Mauerbau, Bauarbeiten

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