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Gipfeltreffen von WFTO in Bozen

13 Dicembre 2019

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Gipfeltreffen von WFTO in Bozen

Roopa Mehta, die neue Präsidentin der weltweiten Dachorganisation des Fairen Handels (WFTO) und deren Geschäftsführer Erinch Sahan halten heute und morgen (13. und 14. Dezember) in Bozen mit dem langjährigen Präsidenten Rudi Dalvai ein Gipfeltreffen ab. Rudi Dalvai war von 2011 bis Herbst 2019 Präsident der WFTO. Die internationale Dachorganisation vereint 412 Produzentenorganisationen, Importeure und Einzelhändler des Fairen Handels in 76 Ländern der Erde. Die World Fair Trade Organization ist das einzige globale Netzwerk, das sich aus Akteur*innen entlang der gesamten Fair-HandelsWertschöpfungskette zusammensetzt.

Zwei Legislaturen lang – insgesamt acht Jahre – kann jemand Präsident der WFTO bleiben. Am 19. September 2019 war deshalb für den 62-jährigen Bozner Rudi Dalvai Schluss. Er führte die Dachorganisation des Fairen Handels seit 2011. Seine Nachfolgerin ist die Inderin Roopa Mehta, die „Sasha Association for Craft Producers“ leitet. Sie war in den vergangenen 40 Jahren unter anderem Vorstandsmitglied des Fair-Trade-Forum India, der WFTO Asia und unabhängiges Vorstandsmitglied der WFTO. Roopa Mehta ist gemeinsam mit dem WFTOGeschäftsführer Erinch Sahan nach Bozen gekommen, um sich zwei Tage lang mit ihrem Vorgänger Rudi Dalvai auszutauschen. Dabei geht es hauptsächlich um das WFTO-Garantiesystem, das Rudi Dalvai in den vergangenen Jahren mit den Mitarbeiter*innen von WFTO mit viel Einsatz aufgebaut hat: „Besonders die Handwerksproduzent*innen brauchen ein Erkennungszeichen für den Fairen Handel, damit sie ihre Produkte besser vermarkten können“, erklärt Rudi Dalvai. Das habe 2015 den Anstoß für das WFTO-Garantie-System gegeben. Es wirkte: Schon nach kurzer Zeit stieg der Verkauf an.

Die Spielregeln des Welthandels werden von den Industrieländern bestimmt und sind zum Schaden der Kleinbäuer*innen in Ländern des globalen Südens. Durch die Globalisierung vergrößern sich die weltweiten Missstände: Die reichen und wirtschaftlich starken Länder können sich aussuchen, wo sie ihre Waren einkaufen und beeinflussen die Preise für die Handelsgüter. Wenn wirtschaftlich schwächere Länder in die Länder des globalen Nordens verkaufen wollen, müssen sie die Preise niedrig halten, um konkurrenzfähig zu sein. Oft werden die Preise so stark gedrückt, dass die Produzent*innen kaum etwas verdienen. Die Entwicklung geht dahin, dass in immer ärmeren Ländern immer billiger produziert wird.

Anders ist es beim Fairen Handel. Dieser will die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Menschen am Anfang der Lieferkette verbessern und ihre politische und wirtschaftliche Position stärken. Dafür bedarf es unterschiedlicher Strategien. Im Laufe der Jahre haben sich zahlreiche Organisationen und verschiedene Ansätze des Fairen Handels entwickelt. Sie beziehen sich jedoch auf übereinstimmende Grundsätze und Werte und basieren auf den jahrzehntelangen praktischen Erfahrungen gemeinsamer Arbeit und dem Dialog der FairHandels-Akteure in Nord und Süd.

Aus diesen Erfahrungen und Notwendigkeiten ist unter Rudi Dalvai das WFTO-Garantiesystem gewachsen. Es überprüft seine Mitglieder gemäß den zehn Prinzipien des fairen Handels. Dazu gehören unter anderem Transparenz und Verantwortlichkeit, Chancen für wirtschaftlich benachteiligte Produzentinnen und Produzenten, Bildungs- und politische Arbeit. Das neu erarbeitete WFTO-Garantiesystem besteht aus mehreren Komponenten, unter anderem aus einer ausführlichen Selbstauskunft und einem externen Audit. Dabei werden die Arbeitsweise der gesamten Organisation betrachtet und konkrete Verbesserungs- und Entwicklungsschritte festgelegt. Zur besseren Rückverfolgbarkeit der Materialien bei Handwerksprodukten oder bei den Rohstoffen der Lebensmittel hat die WFTO zusätzlich zu den zehn WFTO-Prinzipien die neue Sektion „Lieferketten-Management“ (Supply Chain Management) eingeführt. Darüber hinaus müssen alle Mitglieds-Organisationen ein eigenes internes Monitoring-System aufgebaut: „Ein verlässliches und starkes Kontrollsystem steigert das Vertrauen der Kundinnen und Kunden und erhöht den Markenwert“, erklärt Rudi Dalvai. Das Besondere am WFTO-Garantie-System ist, dass es die Mitglieds-Organisation in ihrer Gesamtheit überprüft wird. Mit dem Label wird bescheinigt, dass die Organisation als Ganze fair ist. Sie kann das WFTO-Label folglich auch für all ihre Produkte nutzen.

Glaubwürdigkeit sei das höchste Gut im Fairen Handel, erklärte Roopa Mehta, die neue Präsidentin von WFTO. Angesichts zunehmender kritischer, teilweise auch polemischer Berichterstattung seien die Zeiten vorbei, in denen die Fair-Handels-Organisationen allein durch Selbstauskünfte bestehen könnten. Auch der Geschäftsführer de WFTO Erinch Sahan betont: „Unsere Bewegung hat sich professionalisiert.“ Dazu gehörten auch externe Kontrollsysteme, die unabhängig und nach allgemeingültigen Kriterien überprüft werden und damit auch eine Vergleichbarkeit der Organisationen und ihrer Mitglieder ermöglichen.

Rudi Dalvai führt seit einem Monat die Ritterbar in der Bozner Silbergasse. Er bleibt weiterhin Vorsitzender des Weltladens Bozen, den er mit aufgebaut hat.

Die zehn Prinzipien des fairen Handels

  • Chancen: Fairer Handel soll Chancen für Produzent*innen schaffen, die wirtschaftlich benachteiligt oder vom bestehenden Handelssystem an den Rand gedrängt worden sind. Fairer Handel ist eine Strategie zur Armutsbekämpfung und Einkommenssicherung und zur Förderung einer nachhaltigen Entwicklung. 
  • Transparenz und Verantwortlichkeit: Die Geschäftsführung muss transparent und der Umgang mit den Handelspartner*innen fair und respektvoll sein. Mitglieder, Erzeuger*innen und Angestellte werden in Entscheidungsprozesse der WFTO eingebunden. 
  • Geschäftsbeziehungen: Fairer Handel dient nicht der Gewinnmaximierung. Die Geschäftsbeziehungen basieren auf Vertrauen und Solidarität. Waren werden pünktlich und in vereinbarter Qualität geliefert und fristgerecht bezahlt. Die Käufer*innen leisten bei Bedarf Vorauszahlungen, um die Produzent*innen vor Verschuldung zu bewahren. Mit anderen Fair-Trade-Organisationen wird kooperiert, unlauterer Wettbewerb vermieden. Langfristige Lieferbeziehungen und Abnahmeverträge gewährleisten den Produzent*innen über einen größeren Zeitraum ein sicheres Einkommen. 
  • Faire Preise: Der Preis für die Ware wird zwischen den Handelspartner*innen gemeinsam festgelegt. Die Bezahlung muss von den Produzent*innen als fair und sozial verträglich bewertet werden. Die Organisationen des Fairen Handels vermitteln den Produzent*innen die nötigen Kenntnisse, um den Preis selbstständig aushandeln zu können. Es gilt der Grundsatz: gleiches Geld für gleiche Arbeit. 
  • Kinder- und Zwangsarbeit: Die WFTO-Mitglieder respektieren die UN-Kinderrechtskonvention. Sie gewährleisten, dass in der Produktion keine Zwangsarbeit vorkommt.
  • Diskriminierungsverbot, Gleichstellung der Geschlechter und Vereinigungsfreiheit: Im Fairen Handel gilt, dass niemand aufgrund des Geschlechts, der Herkunft, Religion, politischen Gesinnung oder sexuellen Orientierung oder aufgrund einer körperlichen oder psychischen Beeinträchtigung benachteiligt werden darf. Frauen werden ermutigt, sich auf freie Stellen und Führungspositionen zu bewerben. Das Recht aller Angestellten und Arbeiter*innen, sich gewerkschaftlich zu organisieren, wird respektiert. 
  • Arbeitsbedingungen: Das Arbeitsumfeld muss sicher und gesundheitsverträglich sein. Es muss mindestens den lokalen gesetzlichen Anforderungen und den Konventionen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) genügen. 
  • Organisationsentwicklung und Personalschulung: Fairer Handel soll vor allem kleine, benachteiligte Produzent*innen fördern und unabhängiger machen. Er soll helfen, ihre Qualifikation zu verbessern, damit sie sich auf dem Markt behaupten können.
  • Öffentlichkeitsarbeit: Die Organisationen des Fairen Handels setzen sich öffentlich für einen gerechten Welthandel ein. Sie schaffen ein Bewusstsein für die Ziele des Fairen Handels und versorgen die Verbraucherinnen und Verbraucher mit umfassenden Informationen.
  • Umweltschutz: Die Herstellung fair gehandelter Produkte soll die Umwelt so wenig wie möglich belasten. Angestrebt werden die nachhaltige Bewirtschaftung der Ressourcen, die Nutzung erneuerbarer Energien, eine weitgehende Abfallvermeidung und ein geringer Pestizideinsatz. Produkte aus ökologischer Landwirtschaft werden bevorzugt in den Handel aufgenommen.

Im Bild: Erinch Sanah, Roopa Mehta und Rudi Dalvai.  

 

 

 

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