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Erklärungs- und Korrekturbedarf bei Bozner Straßennamen

7 Febbraio 2018

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Erklärungs- und Korrekturbedarf bei Bozner Straßennamen

Die Süd-Tiroler Freiheit begrüßt den Vorschlag des Stadtviertelrates Zentrum-Bozner Boden-Rentsch, Bozner Straßennamenschilder mit Hintergrundinformationen zu den Namengebern zu versehen. Einen Vorschlag in dieselbe Richtung hat die Süd-Tiroler Freiheit 2014 dem damaligen Bürgermeister Luigi Spagnolli und dem Vizebürgermeister Klaus Ladinser unterbreitet. Der Vorschlag der Süd-Tiroler Freiheit sah zudem vor, nicht nur Straßen, die nach Persönlichkeiten benannt sind, sondern auch weitere Straßen mit Zusatztafeln über den historischen Hintergrund zu versehen.

Cristian Kollmann, Ortssprecher der Süd-Tiroler Freiheit und Sprachhistoriker, bringt einige Beispiele: Die Silbergasse in Bozen ist nach einem einst dort befindlichen Silberhaus benannt und hat nichts mit dem Silberschmied zu tun. Der von der faschistischen Stadtverwaltung übersetzte Name „via Argentieri“ weist somit auf eine falsche Fährte. Ebenso die Übersetzung „via Rena“ für die Raingasse. Mit italienisch „rena, arena“ für ‚Sand‘ steht die Raingasse in keinem historischen Zusammenhang. Die ursprüngliche Bezeichnung „Am Raine“ bedeutet ‚am Grenzstreifen‘ und rührt daher, dass sich diese Gegend einst außerhalb der Stadttore befand. Die Vintlergasse ist nach dem spätmittelalterlichen Tiroler Dichter Hans Vintler von Runkelstein benannt, zu dessen bekanntestem Werk „Die Pluemen der Tugent“ (1411) gehört. Die sinnfreie faschistische Umbenennung in „via Vintola“ wurde indes zwar offiziell zurückgenommen, doch sie geistert dennoch immer wieder in Bozen herum, etwa als Bezeichnung für das Jugendzentrum „Centro giovanile Vintola“.

Straßen, die nach kriegsverbrecherischen Orten und ebensolchen Persönlichkeiten benannt sind, so eine alte Forderung der Süd-Tiroler Freiheit, umzubenennen! Kollmann hofft, dass die nunmehr in ganz Italien aufgekommene Forderung nach der Umbenennung der „via Luigi Cadorna“ einen Präzedenzfall auch in Bozen schafft und dass endlich auch über die Umbenennung von weiteren Straßennamen diskutiert wird. Als Beispiele nennt er die Amba-Alagi-Straße und die Pater-Reginaldo-Giuliani-Straße. Die Amba-Alagi-Straße ist nach einem Berg und Kriegsschauplatz in Äthiopien benannt, wo von Seiten Italiens Giftgas zum Einsatz kam. Der Namengeber der Pater-Reginaldo-Straße predigte, im Schutz der Mönchskutte, faschistischen Imperialismus und rief Italien zum Kreuzzug gegen die „ungläubigen Afrikaner“ auf. Bloße Hintergrundinformationen zu derartigen geschichtsrelativierenden Bezeichnungen wären in solchen Fällen nicht ausreichend und würden zu keiner Entschärfung führen, ist Kollmann überzeugt. Sie wären genau so zu entfernen, wie man es mit Straßennamen, die andernorts und mitunter auch in Südtirol den Nationalsozialismus verharmlosen, getan hat.

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