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Bozen. Italienische Erstaufführung der Oper „Die Antilope“ von Johannes Maria Staud im Bozner Stadttheater

17 Novembre 2017

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Bozen. Italienische Erstaufführung der Oper „Die Antilope“ von Johannes Maria Staud im Bozner Stadttheater

OPER.A 20.21, das zeitgenössische Musiktheaterprogramm der Stiftung Haydn, eröffnet die Spielzeit 2017/18 am 2. und 3. Dezember mit der italienischen Erstaufführung der Oper „Die Antilope“, einem Werk des gebürtigen Innsbrucker Komponisten Johannes Maria Staud. Regie führt Dominique Mentha, das Haydn Orchester spielt unter der Leitung von Walter Kobéra.

Am Samstag, 2. Dezember (20 Uhr) und Sonntag, 3. Dezember 2017 (17 Uhr) öffnet sich am Stadttheater Bozen der Vorhang für die dritte Ausgabe des zeitgenössischen Opernprojektes OPER.A 20.21. Das erste Stück trägt den Titel Die Antilope und stammt aus der Feder eines der profiliertesten österreichischen Komponisten Johannes Maria Staud, Artist in residence der Stiftung Haydn von Bozen und Trient.

Der frustrierte Finanzier Victor stürzt sich, nach einer sinnentleerten Rede auf einer Firmenfeier, vom 13. Stück in die Tiefe. Er stirbt nicht, sondern irrt durch eine verzerrte städtische Welt und erlebt auf seiner absurden nächtlichen Exkursion seltsame Dinge. Er begegnet einem komischen Pärchen, unterhält sich im Zoo mit Tieren und skurrile Ärzte diagnostizieren ihm, da er in einer unverständlichen Fantasiesprache redet („Antilopisch“), eine „afrikanische Depression“. Die Antilope ist nach Berenice, einem Stück nach Edgar Allan Poe, die zweite gemeinsame Oper des Lyrikers und Büchner-Preisträgers Durs Grünbein und des Komponisten Johannes Maria Staud. Protagonist Victor verweigert die Einbindung in die Gesellschaft. „Vorbilder für den tragischen Helden Victor waren Bartleby der Schreiber von Herman Melville und Eleutheria von Samuel Beckett“, so Staud, „Die Verlorenheit darf dabei durchaus als Symptom der Moderne gelesen werden, in der die Kommunikation zunehmend verflacht.“ Zum pointiert poetischen Libretto schrieb Staud eine facettenreiche, vielgestaltige Musik mit überraschenden Verläufen und dem Einsatz von Live-Elektronik.

Die italienische Erstaufführung in Bozen zeigt Die Antilope in der Originalinszenierung von Lucerne Festival, Theater Luzern und Oper Köln, koproduziert von Neue Oper Wien und der Stiftung Haydn. Regie führt Dominique Mentha. Musikalische Leitung: Walter Kobéra; Haydn Orchester von Bozen und Trient. Bühne: Ingrid Erb und Werner Hutterli. Kostüme: Ingrid Erb. Lichtdesign: Norbert Chmel. Sound Design & Live Electronics: Christina Bauer. Besetzung: Wolfgang Resch (Victor), Elisabeth Breuer (Kollegin 1, Frau 1, Skulptur), Maida Karišik (Kollegin 2, Frau 2, Alte Frau), Bibiana Nwobilo (Sekretärin, Junge Frau, Passantin), Gernot Heinrich (Kollege 1, Junger Mann, Doktor 1), Ardalan Jabbari (Chef, Oberkellner, Doktor 2, Wachmann), Christian Kotsis (Kollege 2, Passant, Doktor 3), Catrina Poor (Mutter). Der Wiener Kammerchor wird geleitet von Michael Grohotolsky.

Karten sind an den Kassen des Stadttheaters Bozen und online auf www.stadttheater.bozen.it erhältlich.

Begleitveranstaltungen

Anlässlich des Artist-in-Residence-Programms der Stiftung Haydn finden eine Reihe von Begleitveranstaltungen mit dem Komponisten Johannes Maria Staud statt: Am 28. November um 21.00 Uhr wird im Batzen Häusl ein Künstlergespräch veranstaltet und am 2. Dezember organisiert die Stiftung Haydn ein Symposium zum Thema  Kunst, Identität und Region (11.30-17.00 Uhr, Eurac, Bozen). Zu Wort kommen u. a. die Regisseure Dominique Mentha und Stefano Simone Pintor, sowie die Komponisten Giorgio Battistelli, Nicola Sani und Manuela Kerer. Das Symposium steht unter der Schirmherrschaft der Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino.

Vor den beiden Aufführungen von Die Antilope finden wie gewohnt Einführungen im Stadttheater Bozen statt: am 2. Dezember um 19.00 Uhr und am 3. Dezember um 16.00 Uhr. An beiden Tagen steht den Zuschauern aus Trient ein Shuttledienst zur Verfügung. Abfahrt am Centro Servizi Culturali Santa Chiara, am 2.12. um 18.00 Uhr und am 3.12. um 15.00 Uhr.

Künstlerpoträt: Johannes Maria Staud

Die Musik Johannes Maria Stauds entwickelt sich stets aus dem dramatischen Kern eines Stücks. Die in sich ausgeklügelte Musik mit ihrer minutiösen Notation voller Ausführungsanweisungen ist ein Stoff, der stets im Fluss ist und sich fortwährend verändert. „Meine Musik stützt sich in erster Linie auf die Grundpfeiler des Theaters und baut akribisch einen Spannungsbogen auf. Jede meiner Kompositionen ist ein eigenes kleines Drama, wenn auch ohne Text.“ Der 1974 in Innsbruck geborene Staud studierte in Wien Musikwissenschaft und Philosophie, sowie Komposition bei Hanspeter Kyburz, Michael Jarrell und Brian Ferneyhough. Doch er nährte mit einem breiten Spektrum an außermusikalischen Interessen auch stets seine kreative Ader. Häufig holte er sich Inspiration aus der zeitgenössischen Kunstszene: Violent Incidents (2006) lehnt sich an eine Installation aus 12 Videos von Bruce Nauman an, Oskar, ein Stück für Violine und Orchester, an die verkohlten Holzskulpturen von David Nash, Auf die Stimme der weißen Kreide (2015) an dem berühmten Specter of the Gardenia von Marcel Jean. Nichtsdestotrotz bleibt seine wichtigste Inspirationsquelle die Literatur. Viele seiner Werke erinnern an die groteske, phantastische Welt des polnischen Schriftstellers Bruno Schulz. Beispiele dafür sind On Deceptive City Maps and the Temptations of Winter Nights (2009) und Zimt (nach Schulz´ Erzählband Die Zimtläden). Par ici (2011) und Le Voyage (2012) sind an Gedichte von Baudelaire angelehnt. Für den Melolog Der Riss durch den Tag (2011) griff er hingegen auf einen Text von Durs Grünbein zurück, der von der Gleichgültigkeit der Gesellschaft und von Diskriminierung als Auswuchs von Dummheit handelt. Derzeit arbeitet Staud am Stück „Die Weiden“, eine Oper, die im Herbst 2018 an der Wiener Staatsoper uraufgeführt wird.

Foto/c-Armin Bardel

 

 

 

 

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