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20 Jahre Hospizbewegung: In Würde leben – bis zuletzt

15 Ottobre 2017

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20 Jahre Hospizbewegung: In Würde leben – bis zuletzt

Schwerkranke, sterbende und trauernde Menschen stehen seit nunmehr 20 Jahren im Mittelpunkt der Caritas Hospizbewegung. Was 1997 als Projekt einer kleinen Gruppe engagierter Menschen begann, hat sich zu einem wichtigen Bestandteil des sozialen Versorgungsnetzes in Südtirol entwickelt. Derzeit sind insgesamt 210 ehrenamtliche Hospizbegleiter im ganzen Land im Einsatz und unterstützen Menschen in der wohl schwierigsten Phase ihres Lebens. Gestern Nachmittag hat der Caritas-Dienst sein 20jähriges Jubiläum gemeinsam mit Weggefährten von früher und heute im Rahmen einer festlichen Tagung gefeiert. Mit dabei waren neben den Caritas-Verantwortlichen auch der Generalvikar Eugen Runggaldier, der Landeshauptmann Arno Kompatscher, die Sozial- und Gesundheitslandesrätin Martha Stocker und die Landesrätin für Familie und Verwaltung, Waltraud Deeg. Bei der Tagung wurden unter anderem langjährige Hospiz-Freiwillige geehrt und neue Ehrenamtliche willkommen geheißen, die nach Abschluss einer mehrmonatigen Ausbildung in den Hospiz-Dienst eintreten. In den kommenden Wochen sind noch weitere Jubiläumsveranstaltungen geplant, darunter Vorträge, Benefizkonzerte und eine Ausstellung von Steinmetz-Schülern.

„Jeder Mensch ist wichtig und muss bis zum letzten Augenblick mit einem hohen Maß an Lebensqualität begleitet werden“, betonte der Leiter der Hospizbewegung, Günther Rederlechner, bei der gestrigen Jubiläumstagung im Waltherhaus in Bozen, an der zahlreiche ehrenamtliche Mitarbeiter, Netzwerkpartner und Ehrengäste teilgenommen haben, unter ihnen der Generalvikar Eugen Runggaldier, der Landeshauptmann Arno Kompatscher, die Sozial- und Gesundheitslandesrätin Martha Stocker und die Landesrätin für Familie und Verwaltung, Waltraud Deeg.

Die Caritas Hospizbewegung setzt sich gemeinsam mit ihren insgesamt 210 freiwilligen Hospizbegleitern seit 20 Jahren unermüdlich dafür ein, dass Sterbende und ihre Angehörigen die letzten Phase des Lebens als wertvoll erleben und sie gemeinsam nutzen können. „Wir sprechen mit den Betroffenen, aber auch mit den Angehörigen über ihre Sorgen und Ängste, begleiten sie in der Zeit des Abschiednehmens, hören zu, sind einfach für sie da. Dieser menschliche Aspekt ist unumgänglich im Zusammenspiel zwischen Ärzten, Pflegern und Angehörigen“, erklärte Rederlechner. Die stetig steigende Nachfrage sei ein deutliches Zeichen dafür, dass das Angebot der Hospizbewegung gebraucht und geschätzt wird. Allein im  vergangenen Jahr haben die  Freiwilligen 8.214 Einsätze mit insgesamt 24.933 Einsatzstunden geleistet. Zusammengerechnet sind das 1.039 Tage Hospizarbeit rund um die Uhr oder die Zeit von knapp drei Jahren.

„Begonnen hat alles mit 16 Frauen und Männern, die im Herbst 1997 den ersten hier im Land veranstalteten Ausbildungslehrgang für ehrenamtliche Hospizmitarbeiter abgeschlossen haben. Das war die Geburtsstunde der Hospizbewegung in Südtirol“, berichtete Rederlechner in seinem Rückblick auf die Geschichte des Caritas-Dienstes. In den Folgejahren wurden aufgrund der steigenden Nachfrage an Begleitungen weitere Ausbildungslehrgänge organisiert und neue Koordinationsstellen eingerichtet: 2001 in Bruneck, 2002 in Meran, 2008 in Brixen und 2012 in Schlanders. Derzeit sind 210 ehrenamtliche Hospizbegleiter und –begleiterinnen in ganz Südtirol im Einsatz und stehen schwerstkranke, sterbende und trauernde Menschen aller drei Landessprachen bei. Das geschieht entweder in gewohnter Umgebung zu Hause, in Senioren- und Pflegeheimen, aber auch in Palliativstationen und Krankenhäusern. Auch für trauernde Angehörige hat die Hospizbewegung in den vergangenen 20 Jahren immer neue Angebote entwickelt. Neben Einzelbegleitungen bietet sie inzwischen auch begleitete Trauergruppen an, beispielsweise für Eltern, die ein Kind verabschieden mussten und für Angehörige von Suizidopfern. Seit zwei Jahren organisiert der Dienst mit Hilfe von freiwilligen Mitarbeitern auch so genannte Trauercafès in verschiedenen Südtiroler Ortschaften.

Fünf der freiwilligen Hospizbegleiter sind bereits seit den Anfängen mit dabei, zehn seit über 15 Jahren. Sie wurden bei der heutigen Jubiläumstagung für ihren langjährigen Einsatz besonders geehrt. „Für einen schwerkranken Menschen ist die soziale und spirituelle Betreuung ebenso wichtig wie die medizinische, pflegerische und psychologische Versorgung“, betonte Caritas-Direktor Paolo Valente. Menschliche Zuwendung und Aufmerksamkeit seien für viele Betroffene jedoch keine Selbstverständlichkeit. „Die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Hospizbewegung versuchen, diese so wichtige soziale Wärme zu vermitteln – ganz nach dem heurigen diözesanen Jahresthema ‚Auf dein Wort hin: christlich, mutig, solidarisch‘“, bedankte sich Valente bei den langjährigen Freiwilligen. Gemeinsam mit Günther Rederlechner hieß er auch 14 Frauen und Männer willkommen, die sich in einer intensiven, mehrmonatigen Ausbildung auf ihren künftigen Hospizdienst vorbereitet haben.

Nach einem Festvortrag des Moraltheologen Prof. Martin Lintner, der unter dem Titel „ars vivendi – ars moriendi“ auf die letzte Lebensphase einging, wurde abschließend jener ehrenamtlichen Wegbegleiter gedacht, die inzwischen verstorben sind.

Die gestrige Feier war der Auftakt zu einer Reihe von Veranstaltungen anlässlich des 20jährigen Bestehens der Caritas Hospizbewegung. Am 17. Oktober organisiert der Dienst einen öffentlichen Vortrag mit dem Grabredner Hannes Benedetto Pircher. Er findet um 19.30 Uhr im Pastoralzentrum in Bozen unter dem Titel „Wenn angesichts des Todes das gute Leben anklopft“ statt. Hannes Benedetto Pircher ist in Naturns aufgewachsen und hat in Wien mittlerweile an die über 5.000 Grabreden gehalten. Auch verschiedene Kirchenchöre und Singgruppen wirken an den Jubiläumsfeierlichkeiten mit und organisieren Benefizkonzerte in St. Georgen, Mals und Welschnofen. Steinmetzschüler aus Laas stellen in einer Ausstellung ihre Werke vor, die sie zum Thema „Einschnitte“ geschaffen haben. Viele Bibliotheken begleiten die Feierlichkeiten mit eigenen Büchertischen zum Themenkreis „Sterben, Tod und Trauer“.

Im Bild die Ehrengäste: von Links nach rechts: Günther Rederlechner, Leiter der Hospizbewegung, Landesrätin Martha Stocker, Thomas Lanthaler, Sanitätsdirektor, Generalvikar Eugen Runggaldier und Landeshauptmann Arno Kompatscher

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