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Österreich. Zekirija Sejdini – „Die eigene Religion sollte in einem neuen Kontext neu reflektiert werden“

7 Febbraio 2017

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Österreich. Zekirija Sejdini – „Die eigene Religion sollte in einem neuen Kontext neu reflektiert werden“

Am Institut für Islamische Theologie und Religionspädagogik der Universität Innsbruck kann man Islamische Religionspädagogik studieren. Der Leiter des Instituts, Univ.-Prof. Mag. Dr. Zekirija Sejdini lehrt dort Koranwissenschaften, Koranexegese, islamische Religionspädagogik und islamische Anthropologie. Wir haben ihm einige Fragen dazu gestellt.

Herr Prof., wie ist es dazu gekommen auch an einer Tiroler Universität ein Institut für Islamische Theologie und Religionspädagogik einzurichten? Ich kann mir vorstellen, dass es nicht ganz so einfach war, oder?

Den Unterricht für islamische Religion gibt es an öffentlichen Schulen nun bereits seit mehr als 20 Jahren. Bisher fand die Ausbildung der Lehrerinnen und Lehrer aber nur in Wien statt, sodass es einen eindeutigen Bedarf einer Ausbildungsstätte in Tirol gab. Das Studium ist nicht nur für die LehrerInnenbildung relevant, sondern auch von großem gesellschaftspolitischen Wert.
Die Gründung eines Studiums, geschweige denn eines Instituts, ist natürlich immer mit viel Aufwand und Arbeit verbunden. Umso mehr muss die Zeit und Energie derjenigen geschätzt werden, die dazu beigetragen haben, dass wir dieses Institut einrichten konnten.

Wie haben es die Menschen in Tirol aufgenommen? Streben auch Österreicher den Abschluss in Islamischer Religionspädagogik an, oder ist das eher was für deutschsprachige Muslime?

Insgesamt ist das Studium sehr positiv aufgenommen worden, was auch die Anzahl der Studierenden zeigt. Wir sind sehr froh darüber, dass wir so viele verschiedene Studierende hier haben – viele deutschsprachige Musliminnen und Muslime, aber auch viele „Nicht-Muslime“ interessieren sich für das Studium. Häufig besuchen auch Studierende anderer Studiengänge unsere Lehrveranstaltungen und nehmen nur einen Teil des Angebots aus reinem Interesse in Anspruch.

Wird mittlerweile an vielen Schulen in Tirol islamischer Religionsunterricht angeboten?

Es gibt inzwischen eine Reihe ca. 220 Schulen in Tirol, die den Unterricht anbieten. Zweifelsohne wächst diese Zahl auch immer weiter.

Kann man mit dem Abschluss also unterrichten oder sind noch weitere Spezialisierungen vorgesehen?

Mit dem Abschluss können Absolventinnen und Absolventen an Schulen unterrichten. Aber er befähigt auch zur Gemeindearbeit und Bereiche der Seelsorge.

In Italien gibt es kein solches Studium. Sollte man auch dort darüber nachdenken in den Schulen einen professionellen islamischen Religionsunterricht anzubieten, um die Kinder und Jugendlichen, die muslimischer Religion sind, besser zu integrieren?

Unbedingt. Ich halte eine theologische Beheimatung für sehr wichtig. Die eigene Religion sollte in einem neuen Kontext neu reflektiert werden, was in vielen europäischen Ländern leider noch nicht der Fall ist; das ist besorgniserregend. Deshalb denke ich, auch Italien sollte das Studium und den Religionsunterricht einführen.

Im Bild: Zekirija Sejdini    

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