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Österreich sucht den Bundespräsidenten „Was lange währt, wird Präsident – Österreich schleppt sich zum Finale

3 Dicembre 2016

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Österreich sucht den Bundespräsidenten „Was lange währt, wird Präsident – Österreich schleppt sich zum Finale

Von Claudia von Dzerzawa

Österreich sucht den Bundespräsidenten, und das schon seit fast einem Jahr. Am Sonntag findet nun ein Wahlkampf voller Pannen und Peinlichkeiten hoffentlich sein Ende – und das Land eine Antwort auf die Frage: Biegt Österreich nach rechts ab?

Van der Bellen hatte zum Finale seiner Wahlkampagne hatte in eine ehemalige Maschinenfabrik in Wien geladen, die heute als hipper, glasüberdachter Veranstaltungsraum dient. Der Präsidentschaftskandidat kam nicht allein, er brachte prominente Unterstützer mit – und eine Blasmusikkapelle, die zum Abschluss die Bundeshymne spielte. Wie so oft in den letzten Wochen wollte van der Bellen Heimatverbundenheit demonstrieren, wie so oft wirkte es doch aufgesetzt. Einträchtig sangen der stoffelige Wirtschaftsprofessor und seine Anhänger die erste Strophe, dann verließ die meisten die Textsicherheit. Quälende zwei Strophen lang murmelte der Saal vor sich hin, bevor der Applaus alle Anwesenden erlöste.

Als Erlösung empfinden es die Österreicher allerorten, dass an diesem Sonntag endlich ein neuer Bundespräsident gewählt wird, nach fast einem Jahr Wahlkampf auf sinkendem Niveau. Nur noch 840.000 Zuschauer schauten sich das letzte TV-Duell von Norbert Hofer und Alexander van der Bellen an, im Mai waren es 1,2 Millionen. Wie erschöpfte Schwergewichtsboxer in der 12. Runde suchten die Kandidaten ihr Heil in ziellosen Schwingern – und Tiefschlägen: Hofer brachte van der Bellen allen Ernstes mit Spionage für die Sowjets im Kalten Krieg in Verbindung, zieh seinen Gegner immer wieder der Lüge, bis der die Fassung verlor: „Jetzt reicht’s mir langsam.“

Es war der letzte von vielen Abnutzungskämpfen, die teils brutal geführt wurden: Hofer musste sich Beleidigungen wegen seiner Gehbehinderung gefallen lassen, die FPÖ streute Gerüchte über angebliche Nazi-Verbindungen von van der Bellens Vater. Das Niveau der Attacken passte sich dem Wahlprozedere an: Erst musste die Stichwahl wegen zu laxer Auszählung wiederholt werden, dann versagte der Kleber der Briefwahlkuverts, also wurde die Wiederholung verschoben. Hochrangige Politiker sahen sich zu der Feststellung genötigt, dass Österreich nun wirklich keine Bananenrepublik sei. Tatsächlich könnte das Land am Sonntag aber das erste EU-Mitglied mit einem rechten Staatsoberhaupt sein.

Zu seinem Wahlkampffinale gab sich Norbert Hofer allerdings ganz präsidial. Statt des FPÖ-üblichen Bierzeltes wählte die Kampagne die prachtvolle Wiener Börse als Ort, ein Weihnachtsbaum stand neben der Bühne, und selbst Scharfmacher und Parteichef Heinz-Christian Strache ließ sich von der besinnlichen Stimmung anstecken. Den Gegner verschonte er und lobte lieber Hofer als „leidenschaftlichen Österreicher und Europäer“.

Der so gepriesene gab sich anders als noch im letzten TV-Duell ganz handzahm. „Wir müssen wieder stolz darauf sein, Österreicher zu sein“, sagte er. „Wer andere Kulturen respektieren will, der muss auch das eigene Land gern haben.“ Seine Gegner nehmen ihm solche Töne nicht ab, sie halten ihn für einen Wolf im Schafspelz. Der Kabarettist und Schauspieler Josef Hader bezeichnete ihn deswegen in der „Süddeutschen“ als das Gegenteil von Trump: „Der wurde gewählt, obwohl er im Wahlkampf völlig authentisch der narzisstische Egomane war, der er ist. Hofer aber wird von seinen Anhängern deswegen gewählt, weil er sich nach Kräften bemüht, so zu sein, dass ihn möglichst viele nett finden.“

Quelle: https://claudia2902.wordpress.com/2016/12/03/oesterreich-sucht-den-bundespraesidenten-was-lange-waehrt-wird-praesident-oesterreich-schleppt-sich-zum-finale/

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