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Arturo Benedetti Michelangeli “Und die Vögel konnten mitpfeifen“

10 Giugno 2015

Arturo Benedetti Michelangeli “Und die Vögel konnten mitpfeifen“

Als Kind wollte Benedetti Michelangeli eigentlich gar nicht Pianist werden. Sein Vater und seine Mutter spielten Klavier, er aber liebte die Geige und wollte unbedingt Geiger werden. Sein Vorbild war der berühmte Bronislaw Huberman. Dann musste er aber krankheitsbedingt das Instrument wechseln und ließ sich in den Jahren 1930–1933 am Konservatorium in Mailand von Giovanni Anfossi zum Pianisten ausbilden.

Im Februar 1943 konzertierte er mit den Berliner Philharmonikern unter Ernest Ansermet in der Berliner Philharmonie mit Robert Schumanns Klavierkonzert.
Seine Weltkarriere begann mit einem Debüt in London im Jahre 1946. 1964 gründete er die Internationale Pianistenakademie in Brescia, der er fünf Jahre lang vorstand.

Seine Fangemeinde nannte ihn liebevoll und kurz “ABM”, Kritiker lobten seine Interpretationen in den höchsten Tönen. Die Musikwelt hielt den Atem an, wenn er aufs Podium trat, und Konzertveranstalter fürchteten ihn wie keinen anderen.

Arturo Benedetti Michelangeli war einer der letzten Exzentriker und Künstlerpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts, auf der Bühne ebenso wie außerhalb des Konzertsaals. Viele Legenden um keinen anderen Pianisten ranken sich derart viele Geschichten und Legenden; schon zu Lebzeiten war er eine Kultfigur. Zum einen, weil sein Klavierspiel, insbesondere Beethoven, Schumann, Debussy und Chopin, aus einer anderen Welt zu kommen schien und das Publikum in wahre Rauschzustände versetzte, zum anderen, weil man bei ihm vor Überraschungen nie gefeit war.

So weigerte sich Michelangeli 1986, ein Konzert in der Züricher Tonhalle fortzusetzen, weil die Veranstalter kurz vor dem Auftritt frische Luft in den Saal hatten strömen lassen. „Das Instrument war verstimmt, der Meister ebenfalls“. Eine Einspielung von Beethovens fünftem Klavierkonzert mit Carlos Kleiber platzte, nachdem die “männliche Diva” dreimal den Flügel gewechselt und sich anschließend mit dem Dirigenten zerstritten hatte. Wer aber glaubte, dies seien unnötige Starallüren, irrte allerdings. Michelangeli war ein Perfektionist, dem die Interpretation heilig war.

“Es gibt in der weiten Welt der Pianisten nicht einen Künstler, der es sich so schwer macht um reiner Schönheit willen wie Michelangeli. Ungeheuer ist seine Skrupelhaftigkeit, sein Misstrauen gegenüber der eigenen Leistung, sein Wunsch, Allerhöchstes in jahrelanger Mühe zu erarbeiten “

Michelangeli suchte, um dieses Ziel zu erreichen, stets die Einsamkeit und übte wie ein Besessener. Um die völlige Unabhängigkeit der Hände zu trainieren, soll er Sätze zweier Beethoven-Sonaten, die im gleichen Takt notiert waren, gleichzeitig gespielt haben, in der rechten Hand die eine, in der linken die andere. Und die Vögel vor seinem Haus konnten Beethovens Sonate op. 111 sogar mitpfeifen, so intensiv hatte der Maestro daran gearbeitet.

Das Berlin der frühen 40er Jahre feierte ihn als “Wunder”, nach dem Krieg trat er seinen Siegeszug um die Welt an. Nur in Italien ließ sich Michelangeli kaum blicken. So gab er dort in den achtziger Jahren ganze zwei Konzerte, beide zu wohltätigen Zwecken. Wiederholt lehnte er Ehrendoktorwürden ab, einen Orden der Malteser gab er unter Protest zurück. Auszeichnungen interessierten den begnadeten Pianisten nie. Schon eher gutes Essen, Fußball und, in jüngeren Jahren, halsbrecherische Autofahrten.

Er verließ die Bühne des Lebens: heimlich, still. Die Musikwelt verlor mit ihm einer ihrer schillerndsten Figuren.

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